Oppositionelle in Uganda: Barbara Kyagulanyi stellt sich gegen das ugandische Militär
Der ugandische Geheimdienst sucht den Oppositionellen Bobi Wine. Der ist untergetaucht. Daraufhin misshandeln Soldaten seine Ehefrau. Die will stark bleiben.
In ihrem Schlafanzug bot Barbara Kyagulanyi den Soldaten die Stirn. „Sie haben mich von hinten an meinem Schlafanzug gepackt“, berichtet die 41-jährige Ehefrau von Ugandas Oppositionsführer Robert Kyagulanyi, afrikaweit bekannt unter seinem Künstlername Bobi Wine. „Dann haben sie mir die Kehle zugedrückt, mich hochgehoben und wollten mich zwingen, das Passwort meines Handys zu verraten.“
Doch Barbara Kyagulanyi, allgemein „Barbie“ genannt, verriet das Passwort nicht. Stattdessen wurde sie weiter misshandelt und landete schließlich im Krankenhaus. Dort stehen zwar Soldaten vor ihrer Tür, Journalisten konnten sie dennoch besuchen.
Ugandas Armee sucht derzeit landesweit nach ihrem Ehemann Bobi Wine. Der berühmte Musikstar und Oppositionsführer war bei den Wahlen Mitte Januar gegen Langzeitpräsident Yoweri Museveni angetreten, der mit 72 Prozent der Stimmen gewann. Wine erklärte das Ergebnis als gefälscht und rief zu Protesten auf. Als daraufhin Sicherheitskräfte sein Haus stürmten, fanden sie nur seine Frau vor. Wine war rechtzeitig die Flucht gelungen.
Fast täglich meldet er sich nun über soziale Netzwerke zu Wort. Die Geheimdienste versuchen herauszufinden, wo er sich versteckt. Der Zugang zu Barbies Handy sollte ihnen offenbar Informationen liefern. Doch sie wehrte sich: „Ich habe ihn getreten, und dann sind die Knöpfe meines Schlafanzugs aufgerissen.“ Nackt und entblößt prügelten die Soldaten auf sie ein, bis sie das Bewusstsein verlor.
Die heimliche „First Lady“ im Land
Seit Beginn von Wines Politikkarriere im Jahr 2017 gilt Barbie als die „toughe“ Lady im Hintergrund. In Interviews steht sie dicht bei ihm, um ihm bei Bedarf Antworten zuzuflüstern. Als studierte Sozialwissenschaftlerin mit einem Master in Menschenrechtsfragen von der Universität von London war sie von Anfang an für seine politische Strategie zuständig. Als Mutter von vier Kindern gilt die hübsche Frau für Wines junge Anhänger als die heimliche „First Lady“ im Land.
Als Gründerin der Hilfsorganisation „Caring Hearts Uganda“ setzt sie sich für junge Frauen ein, versucht sie über die Risiken von HIV/Aids und Menstruationshygiene aufzuklären. Bei der ersten Wahlkampagne für das Präsidentenamt im Vorfeld der Wahlen 2021 überraschte sie, indem sie statt ihres Ehemannes den Wahlkampf anführte. Sie stellte damals ein Wahlprogramm der neu gegründeten Partei NUP (Nationale Einheitsplattform) vor, das einen Fokus auf die Rolle der Frauen legte. Seitdem wächst die Zahl der NUP-Kandidatinnen für politische Ämter stetig weiter an.
Auch jetzt beeindruckt sie erneut durch ihren Mut. Selbst dem obersten Armeechef und Sohn von Präsident Museveni, Muhoozi Kainerugaba, bietet sie die Stirn. Kainerugaba hatte auf der Online-Plattform X vergangene Woche damit gedroht, Wine zu töten, wenn er sich nicht ergebe. Da trat Barbie vor die Kameras und zeigte dem Armeechef die Zähne: „Muhoozi sagte, er wolle die Hoden meines Mannes, obwohl er selbst welche hat.“ Offenbar war dies der Auslöser, der den 5-Sterne General provozierte, seine Spezialeinheiten zu Wines Haus zu entsenden, um Barbie am späten Abend aus dem Bett zu zerren.
Doch Barbie lässt sich nicht unterkriegen. In einer Videobotschaft sagte sie an ihren Ehemann gewandt: „Ich bin stark und werde stark bleiben“, versicherte sie: „Wenn du glaubst, ich sei diejenige, die dich aus deinem Versteck holen kann, dann tu es bitte nicht.“
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