Wirtschaft in den USA: Zwischen potenziellem Shutdown und KI-Hype
Die US-Notenbank lässt den Leitzins unverändert. Ihr Chef Powell rät seinem Nachfolger zu Distanz zu Trump. Tesla setzt auf Robotik und Meta auf KI.
US-Notenbank fasst Leitzins nicht an
Eine Stabilisierung des Arbeitsmarkts und eine anhaltend hohe Inflation haben die US-Notenbank erstmals seit Monaten zur Beibehaltung des Leitzinses bewogen. Das Zinsniveau bleibt damit bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Es gebe derzeit anhand vorliegender Daten keinen Grund für eine Zinssenkung, sagte Fed-Chef Jerome Powell bei einer Pressekonferenz.
Auf den Euro-Dollar-Kurs hatte die Zinsentscheidung keine großen Auswirkungen. Der Euro hatte am Tag zuvor bereits aufgrund irritierender Aussagen von US-Präsident Donald Trump deutlich gegenüber dem Dollar zugelegt. Dass der Euro nach Bekanntgabe des Leitzinses auf dem Niveau verblieb, dürfte auch damit zusammenhängen, dass eine Mehrheit der Volkswirte mit einem stabilen Zins gerechnet hatte und die Entscheidung bereits eingepreist war.
Deutsche und Bürger anderer Euroländer, die eine Reise in die USA planen oder beim Online-Shopping in Dollar bezahlen, bekommen derzeit mit rund 1,19 Dollar pro Euro etwas mehr umgetauscht als noch vor wenigen Tagen.
Für das laufende Jahr rechnen Volkswirte damit, dass die Fed den Leitzins in zwei Schritten senken dürfte – also bis auf 3,0 bis 3,25 Prozent. Bis zum Sommer dürfte sich allerdings kaum etwas am derzeitigen Leitzins ändern, vermutet LBBW-Research-Analyst Elmar Völker: „Wir rechnen derzeit nicht vor der Fed-Sitzung im Juni, der ersten unter Leitung des Nachfolgers von Jerome Powell, mit einer erneuten Leitzinssenkung.“ (dpa)
Powell rät Nachfolger zu Distanz zur Politik
Inmitten von Spekulationen über seine Zukunft und einer strafrechtlichen Untersuchung hat US-Notenbankchef Jerome Powell seinem künftigen Nachfolger einen klaren Rat erteilt. „Halten Sie sich aus der Parteipolitik heraus, lassen Sie sich nicht in die Parteipolitik hineinziehen. Tun Sie es nicht“, sagte Powell am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Zugleich wich er wiederholt Fragen zu einer Untersuchung des Justizministeriums sowie zu seinen eigenen Plänen nach dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender im Mai aus.
Hintergrund der Fragen war eine Untersuchung des US-Justizministeriums wegen Kostenüberschreitungen bei der Renovierung des Notenbankhauptsitzes, die Powell selbst Anfang Januar in einer Videobotschaft öffentlich gemacht hatte. Auf der Pressekonferenz lehnte er es jedoch ab, Details zu nennen oder zu sagen, ob er nach Mai im Vorstand der Fed bleiben werde. Seine Amtszeit als Vorstandsmitglied läuft noch zwei Jahre. „Ich habe Ihnen dazu heute wirklich nichts zu sagen“, wiederholte Powell mehrfach.
Die Personalie Powell ist politisch hochbrisant. US-Präsident Donald Trump, der Powell ursprünglich nominiert hatte, wägt derzeit ab, wen er als nächsten Fed-Chef benennen wird. Trump hat Powell und die Notenbank wiederholt scharf für ihre aus seiner Sicht zu straffe Geldpolitik kritisiert und fordert aggressive Zinssenkungen, obwohl die Inflation weiterhin über dem 2-Prozent-Ziel der Fed liegt. Die Bereitschaft zu Zinssenkungen gilt als entscheidendes Kriterium für Trumps Kandidatenwahl, was Sorgen um die gesetzlich verankerte Unabhängigkeit der Notenbank schürt.
Die Spannungen zwischen der Regierung und der Fed zeigten sich zuletzt auch bei einem Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof. Powell nahm an der Anhörung zu Trumps Versuch teil, die Notenbankgouverneurin Lisa Cook aus dem Amt zu entfernen. „Ich würde sagen, dass dieser Fall vielleicht der wichtigste Rechtsfall in der 113-jährigen Geschichte der Fed ist“, sagte Powell. Es wäre schwer zu erklären gewesen, warum er als Fed-Chef nicht daran teilgenommen hätte. (rtr)
USA und Mexiko wollen Handelsabkommen überarbeiten
Die USA und Mexiko wollen ihr gemeinsames Handelsabkommen (USMCA) überarbeiten und formale Gespräche über mögliche Reformen beginnen. Das teilte das Büro des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer am Mittwoch nach einem Treffen mit dem mexikanischen Wirtschaftsminister Marcelo Ebrard mit. Mögliche Reformen umfassen demnach stärkere Ursprungsregeln für Industriegüter und Maßnahmen gegen das, was die US-Regierung als unerbitterliches Dumping von Industriegütern in der Region bezeichnet.
Die Gespräche sind vor allem für die deutsche Automobilindustrie von hoher Bedeutung. Konzerne wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz betreiben große Werke in Mexiko, um von dort aus zollfrei den US-Markt zu beliefern. Eine Verschärfung der Ursprungsregeln könnte dazu führen, dass ihre Fahrzeuge nicht mehr für den zollfreien Zugang qualifiziert sind. Hintergrund ist eine im Abkommen verankerte Überprüfungsklausel, die bis zum 1. Juli greift. US-Präsident Donald Trump hatte das Abkommen als irrelevant bezeichnet. Handelsbeauftragter Greer erklärte, eine einfache Verlängerung sei nicht im nationalen Interesse der USA. (rtr)
Bald wieder Shutdown in den USA?
Es gab Tausende Flugausfälle, Beamte bekamen kein Gehalt, Bedürftige keine Essensmarken – und viele US-Behörden arbeiteten nicht mehr: Erst im November, als sich Demokraten und Republikaner nach langem Streit auf einen Übergangshaushalt einigen konnten, endete der bislang längste Teilstillstand der US-Regierungsgeschäfte. An diesem Freitag läuft der Überbrückungsetat nun aus – und die Anschlussfinanzierung ist längst nicht gesichert.
Damit könnte es zum zweiten Mal in der noch relativ jungen Amtszeit von Präsident Donald Trump zu einem sogenannten Shutdown kommen. Das hat auch mit den tödlichen Schüssen bei einem Einsatz von Bundesbeamten in Minneapolis zu tun, die den US-Bürger Alex Pretti das Leben kosteten und seit einer Woche das ganze Land aufwühlen.
Die folgenschweren Schüsse auf zwei weiße US-Bürger durch Bundesbeamte in Minneapolis lösten landesweit Proteste aus. Wenige Wochen vor dem Tod des Krankenpflegers Pretti hatte ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE dort schon die US-Bürgerin Renée Good in ihrem Auto erschossen. Die Wut und die Empörung, die das in der Stadt im nördlichen Bundesstaat Minnesota auslöste, spiegelt sich auch auf politischer Ebene wider. Die Demokraten wollen der rigorosen Abschiebepolitik unter Trump mit Razzien vor allem in demokratisch regierten Städten einen Riegel vorschieben. Über den Haushalt versuchen sie, eine Abkehr von den brutalen Einsatzmethoden zu erzwingen. (dpa)
Musk rüstet Tesla auf Roboter und Robotaxis um
Nach dem ersten Jahr mit einem Umsatzrückgang schwört Elon Musk Tesla auf eine Zukunft mit Robotern und Robotaxis ein. Die älteren Modelle S und X werden eingestellt, um Kapazitäten für die Roboterproduktion freizumachen. Sie begründeten einst den Ruf Teslas, wurden zuletzt aber kaum mehr ausgeliefert. In diesem Jahr soll die Fertigung des Robotaxi-Fahrzeugs Cybercab ohne Lenkrad und Pedale beginnen. Davon werde man mit der Zeit vielfach mehr Wagen bauen als von allen anderen Modellen zusammen, so die Hoffnung des Tesla-Chefs.
In den beiden neuen Bereichen trifft Tesla auf starke Rivalen und muss erst noch beweisen, dass die Technologie des Elektroautovorreiters am Markt bestehen kann. So hat Tesla bisher nur einige fahrerlose Robotaxis in der texanischen Stadt Austin im Einsatz. Sie wurden zuletzt noch von Aufpassern im Beifahrersitz begleitet. Die Google-Schwesterfirma Waymo betreibt unterdessen mehr als 2.500 fahrerlose Wagen in mehreren US-Städten und ist auf Expansionskurs.
Zudem ist umstritten, ob Musks Entscheidung, beim autonomen Fahren nur mit Kameras auszukommen, ausreichende Sicherheit bringt. Waymo und andere Hersteller setzen zusätzlich auf weitere Sensoren, vor allem Laserradare, die die Umgebung der Fahrzeuge abtasten. Geht Musks Rechnung auf, hätte Tesla einen enormen Kostenvorteil.
Laut Musk testet Tesla seinen Robotaxidienst aktuell mit rund 500 Fahrzeugen in Austin und im Bundesstaat Kalifornien. Allerdings muss in Kalifornien nach wie vor ein Sicherheitsfahrer am Steuer sitzen. Für Teslas Roboter mit dem Namen Optimus seien unterdessen nur chinesische Entwickler eine nennenswerte Konkurrenz, sagte Musk. Allerdings gibt es auch in den USA Firmen, die bereits ihre Roboter in Fabriken getestet haben – etwa Figure AI im US-Werk von BMW. Tesla will die Optimus-Produktion in diesem Jahr beginnen – und Musk stellte jüngst auch in Aussicht, dass die bis Ende 2027 „der Öffentlichkeit“ zum Verkauf angeboten werden könnten.
Um Platz für die Roboterproduktion zu machen, werde im kommenden Quartal die Herstellung der größeren Modelle S und X im kalifornischen Stammwerk Fremont eingestellt, sagte Musk. Besitzer der Wagen würden über die Lebenszeit der Fahrzeuge weiterhin technische Unterstützung bekommen, versicherte er. (dpa)
Meta schraubt KI-Investitionen hoch
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg will seine Online-Plattformen mit künstlicher Intelligenz stärker auf einzelne Nutzer zuschneiden. Heute seien Dienste des Facebook-Konzerns Meta dazu da, mit Freunden in Kontakt zu bleiben oder interessante Dinge zu entdecken, sagte Zuckerberg. Bald werde man beim Öffnen der Meta-Apps aber auf eine KI treffen, „die einen versteht“.
Diese Software werde „einzigartige persönliche Ziele“ der Menschen erkennen können, versprach er. Mit diesem Wissen sollen dann jedem Einzelnen „Inhalte angezeigt werden, die ihnen helfen, ihr Leben so zu verbessern, wie sie das möchten“, kündigte der Meta-Chef an.
Zu Meta gehören unter anderem auch Instagram und der Chatdienst WhatsApp. Der Konzern verdient sein Geld mit Online-Werbung auf den Plattformen – und auch hier soll künstliche Intelligenz eine größere Rolle spielen. So werde man Nutzern helfen, Produkte zu finden, die sie interessieren, sagte Zuckerberg.
Gewaltige Investitionen
Die Beiträge in den Apps sollen mit dem KI-Wandel zudem interaktiver werden. Ein Nutzer werde zum Beispiel per Sprachbefehl an die Software ein eigenes Spiel gestalten und es mit anderen teilen können, stellte Zuckerberg in Aussicht. Heute seien auf den Plattformen vor allem Videos zu finden – aber bei Meta gehe man nicht davon aus, dass dies das „endgültige Format“ sein werde.
Um diese KI-Zukunft herbeizuführen, ist Zuckerberg zu gewaltigen Investitionen bereit. Für das laufende Jahr stellte Meta Kapitalinvestitionen zwischen 115 und 135 Milliarden US-Dollar in Aussicht. 2025 gab der Konzern vor allem für den Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz gut 72 Milliarden Dollar aus. Zuckerberg hat große Ambitionen, Rivalen wie den ChatGPT-Entwickler OpenAI sowie Google und Elon Musks KI-Firma xAI bei künstlicher Intelligenz zu überflügeln. Dafür ist er bereit, viele Milliarden auszugeben – selbst mit dem Risiko, zu viele Rechenzentrenkapazitäten aufzubauen.
Das Geld für den KI-Ausbau kommt weiterhin vor allem aus dem boomenden Geschäft mit Werbung auf Plattformen wie Facebook und Instagram. Im vergangenen Quartal sprang der Umsatz im Jahresvergleich um 24 Prozent auf knapp 59,9 Milliarden Dollar hoch. Das lag über den Erwartungen der Analysten. Unterm Strich legte der Quartalsgewinn um 9 Prozent auf 22,77 Milliarden Dollar zu. (dpa)
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert