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Frauen mit JagdscheinenSie ballern, und das ist gut so

Kommentar von

Maike Rademaker

Die Zahl junger Frauen mit Jagdschein wächst. Dahinter verbirgt sich ein seit Langem nötiger Generationenwechsel.

Ein Bild aus vergangene Tagen: die Jägerin Kerstin herrmann aus Dammendorf bei Chossewitz bei der Hubertusjagd im Oktober 1999 Foto: Hohlfeld/imago

J etzt ballern auch noch die Frauen im Wald rum: Die Zahl der Jagdscheininhaber ist auf rund 470.000 gestiegen, ein absoluter Rekord – und es sind zunehmend Frauen darunter. Das ist gut so. Denn es geht nicht um die Frage, ob Frauen mit ihrer angeblich geringeren Aggressivität und größeren Mütterlichkeit (ach, Bambi) hier schießen oder nicht schießen. Dahinter steht ein Generations- und Kulturwandel, der dringend notwendig ist. Frauen sind hierbei ein wichtiger Bestandteil dieses Wandels.

Die Jägerschaft, das waren viel zu lange zu viele ältere Männer, oft mit Adelstitel und viel Geld. Sie verteidigten mit Macht ihre Privilegien: Waffen besitzen, morgens auf dem Hochsitz sitzen, Trophäen jagen, Wohnzimmerwände mit Geweihen pflastern. Wer den komplexen Jagdschein machen wollte – das sogenannte grüne Abitur –, brauchte dafür viel Zeit und viel Geld.

Verteidigt wurde und wird dabei ein komplett überaltertes System aus jahrezehntelangen Pachten und unreformierten Gesetzen, das vor allem eines schützt: viel Wild. Aber der dringend notwendige Umbau unserer Wälder zu mehr Klimaresilienz funktioniert nicht ohne ein passendes Jagdmanagement, also weniger Wild. Mit dem Wegsterben der alten Jagdpatriarchen und der Emanzipation jüngerer Jagdgenerationen öffnen sich endlich die Türen für moderne Jägerinnen und Jäger. Frauen knacken hier eine der letzten Männerdomänen.

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Den Jagdschein kann man mittlerweile in kurzer Zeit machen, der Aufwand ist überschaubar, die Kosten sind es auch. Das lockt junge Jägerinnen und Jäger, wie beispielsweise in dem kleinen Ökologischen Jagdverband (ÖJV). Der Verein, der übrigens lange von einer Frau geleitet wurde, wächst. Der ÖJV jagt mit einem klaren Bewusstsein dafür, dass der Wald nicht nur eine Kulisse für Jagdwild ist, sondern ein Ökodienstleister, der entwickelt und geschützt werden muss. Wenn es nicht möglich ist, das Management über Gesetze zu verbessern, dann muss es eben bottom-up geschehen: mit mehr jungen Jägerinnen und Jägern.

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