Neue Erkenntnisse aus Epstein-Files: Musk soll sich nach „wildester“ Party erkundigt haben
Das US-Justizministerium veröffentlicht weitere Akten in der Affäre um den verstorbenen Jeffrey Epstein. Belastet werden in E-Mails erneut unter anderem Ex-Prinz Andrew, Elon Musk und Bill Gates.
ap/afp | Die vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten in der Affäre um Jeffrey Epstein enthalten bislang unbekannte Details zur Haft und dem Tod des Sexualstraftäters. Unter den laut dem stellvertretenden Justizminister Todd Blanche mehr als drei Millionen Dokumentenseiten, die das Ministerium am Freitag veröffentlichte, finden sich auch E-Mails, die Ermittler austauschten, nachdem Epstein im Jahr 2019 tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden wurde. Enthalten ist die Einschätzung eines Ermittlers, dass die letzte Kommunikation Epsteins nicht wie ein Abschiedsbrief wirke.
Die US-Behörden sind in mehreren Ermittlungen zu dem Schluss gelangt, dass der Finanzier, der jahrelang systematisch Minderjährige missbrauchte, Suizid beging.
In den Akten wird auch beschrieben, wie Gefängnismitarbeiter Medienvertreter täuschten, um den Leichnam Epsteins aus der Haftanstalt zu bringen. Demnach nutzten sie Kartons und Decken, um den Eindruck eines Körpers zu erwecken, die sie dann in ein Fahrzeug luden, das laut Aufschrift der Gerichtsmedizin gehörte. Journalisten folgten dem Wagen, während der echte Leichnam Epsteins die Haftanstalt „unbemerkt“ in einem schwarzen Fahrzeug verließ, wie es in Stellungnahmen heißt, die in den Dokumenten enthalten sind.
Nach Angaben des stellvertretenden US-Justizministers Todd Blanche befinden sich unter dem Material über Epstein, das auf eine Website des Ministeriums gestellt wurde, auch mehr als 2000 Videos sowie 180.000 Fotos.
Epstein lud US-Handelsminister Lutnick auf Privatinsel ein
US-Handelsminister Howard Lutnick erhielt laut den jüngsten Enthüllungen in der Affäre um Jeffrey Epstein eine Einladung auf die Privatinsel des Sexualstraftäters. Wie aus Dokumenten zu den Ermittlungen hervorgeht, die das Justizministerium am Freitag veröffentlichte, lud der Finanzier, der jahrelang systematisch Minderjährige missbrauchte und sexuell ausbeutete, Lutnick im Dezember 2012 auf seine Insel ein.
Lutnicks Ehefrau nahm die Einladung den Dokumenten zufolge begeistert an und erklärte, das Paar werde mit seinen Kindern per Jacht anreisen. Laut einem Terminkalendereintrag trafen Lutnick und Epstein sich auch im Jahr 2011 für einen Umtrunk. Sechs Jahre später tauschten die beiden Männer E-Mails über den Bau eines Gebäudes in der Nähe ihrer Häuser aus.
Lutnick hat sich von dem Finanzier, der im Jahr 2019 tot in seiner New Yorker Zelle aufgefunden wurde, bereits distanziert. Im vergangenen Jahr bezeichnete er Epstein als widerlich und sagte, er habe schon vor Jahrzehnten den Kontakt zu ihm abgebrochen. Auf eine Kommentaranfrage der Nachrichtenagentur AP, die Lutnick am Freitag per E-Mail zugeschickt wurde, reagierte er zunächst nicht.
Ex-Prinz Andrew gerät weiter in Bedrängnis
Die am Freitag (Ortszeit) freigegebenen Akten bringen auch den britischen Ex-Prinzen Andrew weiter in Bedrängnis. Ihnen zufolge schlug Epstein Andrew Mountbatten-Windsor 2010 ein Treffen mit einer Russin vor – kurz nachdem Epstein eine Strafe wegen Prostitution Minderjähriger abgesessen hatte.
In einer E-Mail von 2010 schrieb Epstein an Andrew, dass er eine Freundin habe, „mit der Sie vielleicht gerne zu Abend essen würden“, wenn diese vom 20. bis 24. August nach London komme. Die Frau sei „26 Jahre alt, Russin, klug und schön“. Andrew antwortete, dass er am 22. August in Genf sei, sich aber „sehr freuen würde, sie zu sehen“.
Wochen später lud der Bruder des heutigen Königs Charles III. Epstein dann in den Buckingham-Palast ein. Ob das Treffen mit der Russin und der Besuch in dem Palast stattfanden, geht aus den Akten nicht hervor.
Charles hatte seinem Bruder wegen dessen Verbindungen zu Epstein im vergangenen Jahr alle königlichen Titel und Ehren aberkannt. Die US-Australierin Virginia Giuffre hatte den ehemaligen Prinzen beschuldigt, sie als 17-Jährige missbraucht zu haben.
Auch in den neuen Akten gibt es geschwärzte Stellen
Die Freigabe der Dokumente war überfällig: Laut einem Gesetz des US-Kongresses hätte die Regierung nahezu alle Akten bereits bis zum 19. Dezember veröffentlichen sollen. Bislang war dies aber nur mit einem Bruchteil der Dokumente geschehen.
Die Trump-Regierung begründet die Verzögerungen mit der Notwendigkeit, die Identität der Opfer Epsteins unkenntlich zu machen. Auch in den neuen Akten gibt es zahlreiche geschwärzte Stellen. Darunter sind laut der Erklärung des Justizministeriums auch „einige pornografische Bilder“. „Prominente Persönlichkeiten und Politiker“ seien hingegen nicht geschwärzt worden.
Mehrere Opfer des Missbrauchskandals hielten den Behörden allerdings vor, dass Informationen über sie in den Akten sichtbar seien, „während die Männer, die uns missbraucht haben, weiterhin versteckt und geschützt bleiben“. Der Brief wurde von 19 Missbrauchsopfern unterzeichnet, von denen einige Pseudonyme oder nur Initialen verwendeten. In dem Brief wird die „vollständige Freigabe der Epstein-Akten“ gefordert.
Die Dokumente enthalten auch Listen der US-Bundespolizei FBI mit größtenteils anonym erhobenen Anschuldigungen gegen Trump. Das FBI ging demnach einigen dieser Hinweise nach und stufte diese zum Teil als nicht glaubhaft ein. Das Justizministerium erklärte, die Akten enthielten „unwahre und sensationshaschende Behauptungen“ über den US-Präsidenten.
Das Weiße Haus habe keinen Einfluss auf die Sichtung der Dokumente gehabt, beteuerte Blanche, der früher Trumps Anwalt war. „Wir haben Präsident Trump nicht geschützt“, betonte er.
Die oppositionellen Demokraten hatten der Trump-Regierung wegen der Verzögerung einen Gesetzesbruch vorgeworfen. Zudem beschuldigten die Demokraten den Präsidenten, sich mit der langsamen Aktenfreigabe selbst schützen zu wollen.
Trump hatte sich monatelang gegen die Freigabe der Dokumente gesperrt. Er bestreitet engere Beziehungen zu Epstein. Bisher veröffentlichte Fotos und Dokumente legen das Gegenteil nahe. Ein persönliches Fehlverhalten konnte dem Präsidenten bisher aber nicht nachgewiesen werden.
Neben Gates und Musk fällt wieder der Name Branson
In den jetzt veröffentlichten Dokumenten tauchen Namen auf, die bereits in den zuvor veröffentlichten Epstein-Akten erwähnt worden waren. In einem E-Mail-Entwurf schrieb Epstein demnach über Microsoft-Gründer Gates, er habe diesem geholfen, „Medikamente zu besorgen“, damit Gates „Folgen von Sex mit russischen Mädchen“ bewältigen könne. Zudem habe er dem Unternehmer „heimliche Treffen mit verheirateten Frauen“ ermöglicht. Gates' Stiftung erklärte, es handele sich um „absolut absurde und vollkommen falsche Behauptungen“.
Die Dokumente enthalten auch mehrere Mailwechsel zwischen Musk und Epstein. In einer Nachricht fragt Musk Epstein: „An welchem Tag oder Nacht findet die wildeste Party auf deiner Insel statt?“
Weitere prominente Namen fallen. Darunter ist der des britischen Milliardärs Richard Branson, der Epstein demnach auffordert, seinen „Harem“ beim nächsten Treffen mitzubringen.
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