Mögliche US-Intervention: Flugzeuge und Drohungen Richtung Iran
Die USA schicken Flugzeugträger und andere Geräte in die Region. Vor allem Irans Rivalen Israel und Saudi-Arabien verfolgen das mit Interesse.
Noch immer steht die Möglichkeit eines US-Angriffs in der Islamischen Republik Iran im Raum. Schon vergangene Woche war der US-Flugzeugträger „USS Lincoln“ mit mehreren Zerstörern in der Region angekommen. Das US-Militär verlegt außerdem weiterhin Flugzeuge nach Jordanien, unter anderem wohl Boeing Growler – Kampfjets, die Radarsysteme der Gegenpartei stören, täuschen und neutralisieren können – und Stratotanker – Flugzeuge, die Kampfjets in der Luft betanken können.
Das anhaltende Verlegen von Equipment deutet wohl auf einen Krieg. Auch wenn US-Präsident Donald Trump weiter von Verhandlungen spricht und Richtung Teheran warnt: „Redet mit uns, wir werden sehen, ob wir etwas tun können, andernfalls werden wir sehen, was passiert.“
Hinzu kommt: Auch unter den Staaten in der Region gibt es großes Interesse an einer Schwächung der Islamischen Republik.
Da ist einmal – wenig überraschend – Israel. Der zwölftägige Schlagabtausch im Sommer 2025 hatte gezeigt: Iran ist durchaus dazu in der Lage, über einen längeren Zeitraum Raketen mit großer Firepower nach Israel zu schießen.
Israel berät USA
Im Krieg 2025 vermeldeten israelische Medien nach kurzer Zeit, dass die Raketen der eigenen Abwehrsysteme zur Neige gingen. Schon im vergangenen Sommer hatte Israel deren Produktion hochgefahren. Darüber hinaus ist am Freitag der US-Zerstörer „USS Delbert D. Black“ im Hafen des südisraelischen Eilat eingetroffen.
Auch wenn Israel sich an US-Angriffen in Iran nicht beteiligen sollte, würde Teheran mit größter Wahrscheinlichkeit im Falle eines Krieges Israel angreifen. Außerdem waren zuletzt Vertreter des Militärs und des Geheimdienstes Mossad nach Washington gereist, laut Medienberichten sollen sie bei der Auswahl möglicher Ziele in Iran beraten haben.
Auch Vertreter Saudi-Arabiens trafen jüngst in Washington ein. Als das Verlegen von Equipment seitens der USA gerade Fahrt aufnahm, hatte Riad öffentlich verkündet: Man werde seinen Luftraum nicht für Attacken auf Iran zur Verfügung stellen. Laut einem Bericht des Nachrichtenportals Axios erklärte dann aber Saudi-Arabiens Verteidigungsminister Prinz Khaled bin Salman: Nach dem Aufbau der US-Kapazitäten in der Region Iran nun doch nicht anzugreifen, würde das Regime stärken.
Und das liegt kaum im Interesse Saudi-Arabiens. Mit der Islamischen Republik hatte es zwar jüngst eine Annäherung gegeben – allerdings eine kalte. Irans Politik in der Region, vor allem der Einsatz von Proxy-Gruppen wie der Hisbollah im Libanon oder den Huthis im Jemen, ist Riad ein Dorn im Auge. Und wurde dem Königreich teils sogar gefährlich: etwa, als die Huthis 2022 eine saudi-arabische Meerwasserentsalzungslange sowie Erdöl- und Erdgaseinrichtungen angriffen.
Ein geschwächter Iran, der weniger Einfluss in der Region ausübt, ist also wohl im Interesse Saudi-Arabiens. Nicht aber ein Flächenbrand, der die ganze Region umfasst. Aus ihrer Perspektive sollten die USA also mit Maß vorgehen. Aber – so der Axios-Bericht – eben vorgehen.
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