Iran, ICE und Nicki Minaj: Eine rätselhafte Flotte
Ein boomeriger Verriss von Nicki Minaj, Gestapo-Vergleiche in Minneapolis und Trumps Big Beautiful Armada auf dem Weg in den Iran.
t az: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?
Friedrich Küppersbusch: Russland behauptet eine Waffenruhe in der Ukraine.
taz: Und was wird besser in dieser?
Küppersbusch: Waffenruhe findet statt.
taz: Hören Sie Hip-Hop? Wie fanden sie den Auftritt von Nicki Minaj und Trump?
Küppersbusch: Ihr seid ja lieb. Jetzt muss ich Boomer den ollen Springsteen hochleben lassen und die vergleichsweise junge Frau Minaj dissen. Geht aber nicht anders. Sie parfümierte mit ein paar anhimmelnden Sätzen Trump bei einem Event rings um seine „Accounts“: Kinder bekommen zur Geburt ein kleines Aktiendepot. Das heißt völlig überraschend „Trump Account“. Zur Finanzierung wurden mit seinem „Big Beautiful Bill“ Gesundheitsprogramm, Sozialleistungen und staatliche Hungerhilfe gestrichen. Also ungefähr alles, wovon Minaj als fünfjährige illegale Einwanderin aus Trinidad hätte profitieren können. Sie sei vor der Armut geflohen, schrieb sie 2018 – damals gegen Trump. Das deutet an, warum für manche Trumpismus kein Bruch ist: Amerikas Kampf gegen Armut besteht daraus, reich zu werden.
taz: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erwartet für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent – und für das kommende Jahr sogar 1,3 Prozent. Stimmt Sie das optimistisch?
Küppersbusch: Wenn das gut bezahlt wird – gern. That's fucking Marktwirtschaft. Also – Reiche könnte das nämlich brauchen. Sie nörgelt am Erfolg ihrer eigenen Regierung herum, dass einem ganz schlimm FDP ums Herz wird: Alles Krise, und deshalb brauche es spätere Rente, weniger Teilzeit, weniger Sozialkram. Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, etwa in die von Arbeitslosen und Bettlern. Kanzler Merz' Selbsthypnose, den signalhaften Aufschwung einfach auf Kreditraten zu kaufen, scheitert am Düsterdenk seiner eigenen Ministerin: Wenn die Wirtschaft läuft, liegt's an der Wirtschaft. Wenn nicht, sind die anderen schuld. Finde den Fehler. Gegen Aufpreis, klar.
taz: Die Lehrer:innen streiken für bessere Bezahlung, kommende Woche schließen sich vielerorts Beschäftigte im Nahverkehr an. Wie finden Sie es, dass wieder mehr gestreikt wird?
Küppersbusch: Logisch. Von 2020 bis 2024 sanken die Löhne und Gehälter real: Corona, Energiepreise, Inflation. Das kippte 2025, doch noch heute ist die Kaufkraft niedriger als 2019. Sorry für die vielen Zahlen, aber irgendjemand muss ja zahlen. Zurzeit tun es die Beschäftigten.
taz: Die Streikenden solidarisieren sich nicht mit den Menschen im Iran, in Gaza, in der Ukraine oder bei den Anti-ICE-Protesten in den USA. Sollten sie dies Ihrer Meinung nach tun?
Küppersbusch: Wollen wir uns den Schuss „Generalstreik“ nicht warmhalten für den Tag, an dem die AfD Regierungsmacht bekommt?
taz: Der Bürgermeister von Minneapolis möchte, dass sich ICE-Mitarbeiter aus der Stadt entfernen. Wie sehen Sie das?
Küppersbusch: Treudeutsch. In den USA grassieren inzwischen Vergleiche zwischen ICE und der Gestapo. Mit der Binnenpointe, dass die Eltern des Grundgesetzes in Art. 30 GG die „staatlichen Befugnisse und Aufgaben (…) Sache der Länder“ sein ließen. Als Lehre aus dem reichsweiten Terror der „geheimen Staatspolizei“. Das streut das Risiko – schafft es jedoch nicht aus der Welt. In manchen Länderpolizeien gab's Nazi-Chatgruppen, üble Übergriffe passieren. Der Bundesländer liefern via „Palantir“ Daten in das marode US-System. Aber: Bei uns müssten die Länder eine Bundespolizei anfordern. Also andersherum als in den USA. Das kann uns einladen, gegenüber dem wuchernden Wachstum der „Bundespolizei“ wachsam zu bleiben. Mit 55.000 Mitarbeitenden ist sie inzwischen eine der größten „Sicherheitsbehörden“ in Deutschland – nur halt in der Verfassung gar nicht vorgesehen. Klar, der Vergleich hinkt, aber deshalb sollte man ihm nicht in den Rücken schießen. Sollte man nie.
taz: Mittlerweile hören wir, dass das Regime im Iran für circa 30.000 Tote verantwortlich sein soll. Wie, glauben Sie, wird es im Iran weitergehen?
Küppersbusch: Der amerikanische Menschenrechtsaktivist Donald Trump raunt von einem weiteren „Deal“, bei dem es um das iranische Atomprogramm, ballistische Raketen und die „Proxys“ gehen soll, also vom Iran unterstützte Terrorgruppen in der Region. Auch gemäßigte US-Quellen billigen dem Präsidenten zu, mit militärischen Drohungen 800 geplante Hinrichtungen verhindert zu haben. Ansonsten wird gerätselt, was Trumps „massive armada“ um Iran bewegen könnte – für die Menschen im Land, für einen „regime change“. Womöglich rätseln die Amerikaner auch.
taz: Und was macht der RWE?
Küppersbusch: „Hasse Katte, krisse noch zwei“ – zum Vereinsgeburtstag gestern konnten Karteninhaber maximal noch zwei Fans gratis mit ins Stadion nehmen. Glückwunsch!
Fragen: Raweel Nasir
Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und optimistisch.
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