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+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++Mehr als 1.100 Wohnhäuser in Kyjiw ohne Heizung

Nato-Generalsekretär Mark Rutte ist in Kyjiw eingetroffen. Nach russischem Beschuss ist in mehr als 1.100 Häusern in Kyjiw die Heizung ausgefallen.

Ein brennendes Wohnhaus nach einem russischen Luftangriff in Kiew am frühen Morgen des 3. Februar 2026 Foto: Serhii Okunev / AFP

Rutte in Kyjiw eingetroffen

Nato-Generalsekretär Mark Rutte ist einem Reporter der Financial Times zufolge am Morgen in Kyjiw eingetroffen. Im Tagesverlauf sei ein Treffen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj geplant, schreibt der Reporter auf X. (rtr)

Bei einem nächtlichen russischen Angriff ist nach ukrainischen Angaben ein monumentales Weltkriegs-Mahnmal beschädigt worden. Kulturministerin Tetjana Bereschna bezeichnete die Beschädigung der „Mutter-Heimat“-Statue am Dienstag in Onlinenetzwerken als „symbolisch und zynisch“.

Mahnmal in Kyjiw beschädigt

Die 62 Meter hohe Stahl-Statue einer Frau, die ein Schwert und einen Schild in die Höhe reckt, war 1981 zur Erinnerung an den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg eingeweiht worden. Sie ist Teil des Nationalen Museums der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg.

2023 wurden Hammer und Sichel von der kolossalen Statue entfernt als Teil einer Kampagne, Sowjetsymbole und russische Kultur aus dem öffentlichen Raum der Ukraine zu verbannen. Russlands Invasion im Februar 2022 hatte diesen Prozess beschleunigt. (afp)

Kyjiw: 1.100 Wohnhäuser ohne Heizung

Die russischen Streitkräfte haben ukrainischen Angaben zufolge in der Nacht zum Dienstag massive Luftangriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw sowie Charkiw im Osten des Landes geflogen. Infolge des Beschusses sei in über 1.100 Wohnhäusern in Kyjiw die Heizung ausgefallen, erklärte der ukrainische Wiederaufbauminister Oleksij Kuleba in Onlinediensten. In Kyjiw und Charkiw wurden Behördenangaben zufolge mindestens fünf Menschen verletzt.

„Über 70 Raketen und 450 Drohnen“ seien von den russischen Streitkräften auf die Ukraine abgefeuert worden, erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj in Onlinediensten. Moskau nutze „die kältesten Tage des Winters, um Menschen zu terrorisieren“, fügte der ukrainische Präsident hinzu. Dies sei offenbar wichtiger für den Kreml, als „sich der Diplomatie zuzuwenden“.

Der Leiter der örtlichen Militärverwaltung von Kyjiw, Tymur Tkatschenko, hatte zuvor „massive Angriffen in bitterer Kälte“ gemeldet. Rettungskräften zufolge wurden drei Menschen in Kyjiw verletzt. Bei weiteren Angriffen auf die östliche Stadt Charkiw seien zudem zwei Menschen verletzt worden, erklärte der dortige Militärverwalter Oleh Synehubow.

Der mehrere Stunden andauernde Angriff habe die Energieinfrastruktur Charkiws getroffen und sollte „maximale Zerstörung anrichten und die Stadt bei strengem Frost ohne Heizung lassen“, fügte Synehubow hinzu. In über 800 Wohnhäusern der Stadt seien die Heizungen infolge der Angriffe ausgefallen.

Mit den erneuten Angriffen auf Kyjiw beendeten die russischen Streitkräfte eine kurzzeitige Einstellung ihres Beschusses der ukrainischen Hauptstadt.

US-Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag gesagt, den russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen der aktuellen Kältewelle um eine kurzzeitige Einstellung der russischen Angriffe auf Kyjiw und andere Städte gebeten zu haben. Der Kreml erklärte daraufhin am Freitag, Trumps Bitte nachgekommen zu sein. Die kurze Feuerpause werde bis Sonntag dauern. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow nannte als Ziel, „günstige Bedingungen für Verhandlungen zu schaffen“.

Vor rund einer Woche hatten Unterhändler Moskaus und Kyjiws in Abu Dhabi erstmals direkt miteinander über einen von den USA vorgelegten Plan zur Beendigung der Kämpfe gesprochen. Für Mittwoch und Donnerstag sind weitere Gespräche geplant. Die Ukrainerinnen und Ukrainer waren derweil eisiger Kälte ausgesetzt: In Kyjiw wurden Nachttemperaturen von bis zu -17 Grad verzeichnet, in der östlichen Stadt Charkiw bis zu -23 Grad. (afp)

Einigkeit über geplante Waffenruhe

Die Ukraine hat sich einem Medienbericht zufolge mit westlichen Partnern auf eine koordinierte militärische Reaktion für den Fall verständigt, dass Russland ein künftiges Waffenstillstandsabkommen dauerhaft verletzen sollte. Dies berichtet die Financial Times unter Berufung auf Insider. Reuters kann den Bericht zunächst nicht bestätigen. Der Plan sei bei ⁠mehreren Gelegenheiten ‍im Dezember und Januar zwischen ukrainischen, europäischen und US-Vertretern besprochen worden und sehe eine ⁠mehrstufige Reaktion vor.

Demnach soll auf jeden russischen Bruch eines Waffenstillstands innerhalb von 24 Stunden reagiert werden, beginnend mit einer diplomatischen Warnung und notfalls einem Einsatz der ukrainischen Armee. Sollten die Kampfhandlungen andauern, kämen in einer zweiten Phase Kräfte einer „Koalition der Willigen“ zum Einsatz, zu der viele EU-Mitglieder, Großbritannien, Norwegen, Island und die Türkei gehörten. Bei einem ausgeweiteten Angriff solle 72 Stunden nach dem ursprünglichen Bruch eine koordinierte Reaktion unter Einbeziehung des US-Militärs ⁠erfolgen. (rtr)

Weniger russische Angriffe auf Infrastruktur

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist die Zahl der russischen Angriffe auf Energieanlagen in seinem Land zurückgegangen. Zwar seien in frontnahen Gebieten erneut Infrastrukturobjekte durch Beschuss getroffen worden, darunter auch lokale Energieerzeuger. Doch es habe im Tagesverlauf keine Angriffe mit Raketen und Shahed-Kampfdrohnen gegeben, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. Er führte das auf US-amerikanischen Druck auf Moskau zurück. „Das zeigt, dass wenn in Amerika die Motivation da ist, die Lage zu ändern, dann kann sich die Lage auch ändern.“

Selenskyj kündigte mit Blick auf die geplanten Verhandlungen in Abu Dhabi über ein Ende des Ukraine-Kriegs auch weitere bilaterale Gespräche mit den USA über Sicherheitsgarantien an. Es sei wichtig, den Druck auf Moskau aufrechtzuerhalten, damit es zu einer diplomatischen Lösung komme. (dpa)

Moskau wirft Berlin Rachegelüste vor

Die deutsche Außenpolitik in der Ukraine ist nach russischer Darstellung von Rachegelüsten geprägt. „Die deutsche Regierung hat aufgehört, den Fakt zu verstecken, dass sie unserem Land gegenüber von der Besessenheit getrieben wird, Revanche für frühere Niederlagen zu nehmen“, heißt es in einer am Montag veröffentlichten schriftlichen Mitteilung des russischen Außenministeriums im Nachgang der jährlichen Pressekonferenz von Minister Sergej Lawrow zu Jahresbeginn.

Teil dieses „Revanchismus“ sei die uneingeschränkte Unterstützung der Ukraine. Dort kämen 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs erneut massenhaft deutsche Waffen gegen russisches Gebiet zum Einsatz, kritisierte das Außenamt in Moskau. In Litauen sei die Bundeswehr bereits stationiert. Sollte Berlin dieses aber in der Ukraine versuchen, würden die Soldaten – wie andere ausländische Truppen auch – als „legitime Ziele“ bekämpft werden, heißt es zur Diskussion um die Beteiligung Deutschlands an einer internationalen Sicherheitstruppe nach einem Ende des Ukraine-Kriegs.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat vor vier Jahren den Angriff auf die Ukraine mit der Begründung befohlen, dass die eigene Sicherheit durch Nato-Bestrebungen des Nachbarlands gefährdet sei. Für die Beendigung der Kampfhandlungen fordert Moskau neben dem Verzicht auf den Nato-Beitritt der Ukraine auch große Gebietsabtretungen. (dpa)

Drohne unbekannter Herkunft in Polen abgestürzt

Auf einem Militärstützpunkt in Polen ist der Militärpolizei zufolge eine kleine Drohne unbekannter Herkunft abgestürzt. Der Vorfall habe sich am 28. Januar in Przasnysz im Norden des Landes ereignet. Die polnische Militärpolizei bestätigt damit einen Bericht des Hörfunksenders Radio Zet. Sicherheitskräfte hätten die Drohne über dem Stützpunkt fliegen sehen, dann sei sie auf das Gelände gestürzt, sagt ein Sprecher der Militärpolizei. „Das spielzeugähnliche Gerät wurde sichergestellt. (…) Es ⁠wurde später ‍der Militärpolizei übergeben, und derzeit laufen die Ermittlungen.“ Es handele sich um ein einfaches Gerät, das möglicherweise über ⁠ein Mobiltelefon gesteuert wurde und den Kontakt zu seinem Bediener verloren habe. „Im Gerät wurden keine Aufzeichnungsgeräte wie Speicherkarten oder SIM-Karten gefunden, die Daten übertragen könnten.“ (rtr)

„Dauerhafter Frieden kann erreicht werden“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigt sich vor neuen Friedensgesprächen mit Russland zuversichtlich. Ein würdiger und dauerhafter Frieden sei realistisch zu erreichen, sagt er in Kyjiw nach Beratungen mit seinem Verhandlungsteam. Die ukrainische Delegation werde während der am Mittwoch beginnenden zweitägigen Gespräche ⁠in ‍Abu Dhabi auch bilaterale Treffen mit US-Vertretern abhalten. „Wir betrachten das Dokument über bilaterale Sicherheitsgarantien ⁠mit den Vereinigten Staaten als fertiggestellt und erwarten weitere inhaltliche Arbeit an Dokumenten, die den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung betreffen“, sagt Selenskyj. (rtr)

Ungarn klagt gegen EU-Gasimport-Verbot

Ungarn hat eine Klage beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg gegen den von der EU beschlossenen Importstopp für Erdgas aus Russland eingebracht. Dies teilte der ungarische Außenminister Peter Szijjarto auf X mit, kurz nachdem die entsprechende Verordnung im Amtsblatt der EU erschienen war. Auch die Slowakei hatte eine Klage angekündigt.

Szijjarto begründete den Gang vor den EuGH damit, dass bei der Beschlussfassung Ende Januar Ungarn und die Slowakei nicht hätten überstimmt werden dürfen. Vom Charakter her hätte es sich um einen Sanktionsbeschluss gehandelt, für dessen Annahme Einstimmigkeit nötig gewesen wäre. Der Rat der Mitgliedsstaaten hatte jedoch die Importstopp-Verfügung als handelspolitische Maßnahme behandelt, für deren Billigung eine qualifizierte Mehrheit ausreicht.

Die von einer Mehrheit der EU-Länder beschlossene Verordnung sieht vor, dass spätestens Ende 2027 der Import von Erdgas aus Russland aufhören soll. Damit will die EU angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Russlands Einnahmen aus Energie-Rohstoffexporten verringern. Mit der Veröffentlichung im EU-Amtsblatt trat die Verordnung am Montag in Kraft.

Ungarn ist in hohem Maße von Gasimporten aus Russland abhängig. Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine hat das ostmitteleuropäische Land keine ernsthaften Anstrengungen unternommen, um sich aus dieser Abhängigkeit zu lösen. Der rechtspopulistische Ministerpräsident Viktor Orbán gilt als engster Verbündeter des Kremlherrn Wladimir Putin in der EU. (dpa)

Menschenrechtsgericht urteilt über Inhaftierung Nawalnys

Zwei Jahre nach dem Tod des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny in einem russischen Straflager befasst sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) am Dienstag erneut mit seinem Fall. Nawalny hatte Russland vor dem Straßburger Gericht verklagt und der russischen Justiz vorgeworfen, sein Leben zu gefährden. Er argumentierte, dass seine Inhaftierung im Januar 2021 nicht rechtmäßig gewesen sei. Auch prangerte er seine Haftbedingungen an, besonders mangelnde medizinische Versorgung.

Nawalny war im Februar 2024 im Alter von 47 Jahren unter ungeklärten Umständen in einem entlegenen Straflager am Polarkreis gestorben. Der EGMR verurteilte Russland im vergangenen Dezember wegen der Unterdrückung von Organisationen im Umfeld Nawalnys. Russland war nach dem Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine aus dem Europarat ausgeschlossen worden, zu dem der EGMR gehört. (afp)

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