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Zollabkommen von Indien und den USAKalkulierte Annäherung

Natalie Mayroth

Kommentar von

Natalie Mayroth

Die Zolleinigung kommt auf den ersten Blick überraschend – Modi suchte zuletzt die Nähe zu Putin. Doch die USA bleiben ein wichtiger Partner.

Viele InderInnen sind gegen das Abkommen: wie hier bei einer Protestaktion in Kalkutta Foto: Debajioti Chakraborty/Middle East Images/imago

D ass sich Indien und die USA nun doch auf eine Zolleinigung zubewegen, ist ein Signal. Seit fast elf Monaten verhandeln Washington und Delhi über ein Freihandelsabkommen. Dass ausgerechnet die langatmigen Gespräche mit der EU schneller zum Abschluss kamen, hatte mit dem angespannten Verhältnis zwischen Indien und den USA zu tun. Provokante Aussagen Donald Trumps – darunter die Behauptung, er habe einen Waffenstillstand zwischen Indien und Pakistan vermittelt, hatten die Beziehungen auf einen Tiefpunkt geführt.

Umso bemerkenswerter ist, dass nun wieder Bewegung in die Gespräche kommt. Der hochrangige Besuch aus Brüssel Ende Januar könnte dabei als Katalysator gewirkt haben – Washington könnte den Eindruck gewonnen haben, gegenüber der EU ins Hintertreffen zu geraten.

Zuletzt hatte Premierminister Narendra Modi andere Prioritäten gesetzt. Erst Anfang Dezember empfing er Wladimir Putin in Delhi. Trotz Ukrainekrieg, westlicher Sanktionen und wachsender geopolitischer Spannungen hält Modi an den Beziehungen zu Russland fest. Doch diese Nähe darf nicht darüber hinwegtäuschen: Modis wirtschaftlicher Blick richtet sich längst woanders hin.

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Seit Jahren orientiert sich das Land Richtung Westen: Freihandelsabkommen mit den Efta-Staaten, Großbritannien, Australien, Neuseeland und zuletzt der EU markieren diese Ausrichtung. Sollten nun auch die USA dazukommen, wäre das der vorläufige Höhepunkt dieser Strategie.

Allerdings wird die Annäherung in Indien kritisch gesehen, auch wenn viele Unternehmen aufatmen, da die massiven Zölle von 50 auf 18 Prozent auf indische Waren sinken. Vieles deutet darauf hin, dass Delhi dem Druck aus Washington nachgegeben hat. Ohne die USA geht es eben doch nicht. Zu eng sind die wirtschaftlichen Verflechtungen und Abhängigkeiten, und Millionen InderInnen arbeiten in den USA. Modi mag außenpolitisch gern strategische Autonomie beschwören. In der Realität aber zeigt sich: Wenn es ernst wird, orientiert sich Indien am Westen. Nicht unbedingt aus Loyalität, sondern eher aus Kalkül.

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Natalie Mayroth
Reporterin
Natalie Mayroth schreibt seit 2015 für die taz. Seit 2017 berichtet sie aus Indien und Südasien. Sie kam damals mit einem JournalistInnen-Stipendium nach Indien. In München absolvierte sie 2014 ihren Magister in Europäischer Ethnologie, Soziologie und Iranistik. Natalie Mayroth ist deutsch-iranischer Herkunft.
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