Arbeitsmarkt und Alter: Wie wäre es mal mit einem Danke?
Die Koalition kommt mit immer neuen Ideen um die Ecke, die Menschen zu mehr Arbeit zu zwingen. Dabei arbeiten hierzulande schon die meisten Älteren.
D ie Union sollte endlich aufhören mit ihrem Gefasel, dass die Menschen länger arbeiten müssen, also mehr Stunden am Tag und mehr an Jahren im Alter. Denn Deutschland ist im EU-Vergleich schon jetzt das Land mit den meisten älteren Beschäftigten. Das hat einerseits natürlich mit der Demografie zu tun, die Alterspyramide verdickt sich am oberen Ende und verschlankt sich am unteren. Andererseits aber auch mit dem Fakt, dass das gesetzliche Renteneintrittsalter ohnehin schon weiter nach hinten verschoben wurde. Es ist also mitnichten so, dass zu wenige Ältere zu wenig arbeiten.
In Altersangaben ausgedrückt, stellt sich das so dar: Von den 41 Millionen Erwerbstätigen im Jahr 2024 hierzulande waren 2024 fast 10 Millionen zwischen 55 und 64 Jahre alt, also fast ein Viertel der Menschen, die für das Bruttosozialprodukt sorgen. EU-weit sind es rund ein Fünftel. Auch das ist viel, aber die Bevölkerung altert nun mal auch in allen anderen Ländern, nicht nur in Europa.
Gleichwohl gehen die Menschen in Deutschland im Durchschnitt mit knapp 65 Jahren in Rente – in der Regel in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben. Denn die volle Rente mit 67 trifft erst jene Jahrgänge ab dem Geburtsjahr 1964. Wer früher auf die Welt kam, kann und konnte dem Arbeitgeber schon früher arrivederci sagen. Ausgenommen all jene, die aus gesundheitlichen Gründen schon früher die Segel streichen und dafür Abschläge in Kauf nehmen müssen.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.
Ohnehin werden viele Menschen auch über das Renteneintrittsalter hinaus arbeiten gehen – manche aus Lust am Job, viele indes aus finanzieller Not. Die Preisexplosion auf dem Mietmarkt und im Supermarkt, höhere Sozialabgaben und Verteuerung bei Medikamenten (die Ältere öfter brauchen als Jüngere) machen das Leben nicht leichter, egal ob man morgens zur Arbeit geht oder nicht. Das können sich Teile der Bundesregierung vielleicht nicht vorstellen, aber das ist die Realität der meisten Menschen in diesem Land. Vielleicht sollte Schwarz-Rot einfach mal Danke sagen, anstatt die arbeitenden Menschen immer öfter zu beschimpfen.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!