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Feministisches Netzwerk in Sambia„Wenn eine Frau spricht, dann verändert das alles“

Choolwe Nkwemu Jacobs ist Professorin für Gesundheitswissenschaften in Sambia. Sie hat eine Plattform gegründet, auf der sich Frauen vernetzen können.

Foto: privat

Als junge Frau hat sich Choolwe Nkwemu Jacobs lange nicht gezeigt. Obwohl sie etwas zu sagen hatte, erzählt die 49-Jährige heute, blieb sie in Gesprächen oft still. „Ich war eine von diesen Frauen, die dachten, sie sollte am besten noch dreimal in die Bibliothek gehen und recherchieren, bevor sie sich äußert“. Ihr fehlte schlicht das Selbstbewusstsein, für sich selbst einzustehen, sagt sie. Gerade in einer männerdominierten Domäne wie der Medizin und den Gesundheitswissenschaften.

Drei Frauen strecken ihre Faust in die Höhe, dazu der Spruch: Solidarität ist unsere Superkraft
feministaz

Zum feministischen Kampftag am 8. März wird die wochentaz zur feministaz. Während Rechte von Frauen, trans, inter und nichtbinären Personen weltweit angegriffen und zurückgedreht werden, fragt die Ausgabe, was gegen Ohnmacht und Ratlosigkeit helfen kann. Unsere Antwort: Solidarität. Auf 52 Seiten zeigt die feministaz, wie Solidarität im Großen wie im Kleinen gelebt wird. Auch auf taz.de wird das Thema vier Tage lang begleitet. Das ganze Editorial können Sie hier lesen.

Wie hat es die Professorin aus Sambia dennoch geschafft, so erfolgreich zu sein? Nach ihrem Studium in Sambia und Neuseeland promovierte Jacobs in Südafrika, machte Stationen an US-amerikanischen Universitäten, und wurde schließlich als Professorin für Public Health an die Universität Sambia berufen. „Wie viel Kraft, wie viel Zeit mich das gekostet hat“, überlegt sie heute. Als Frau habe sie hundertmal mehr tun müssen, um in einer Führungsrolle anerkannt zu werden, sagt Jacobs. „Während Männer immer noch mehr Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie nur maskulin genug sind, gut sprechen und selbstbewusst herumlaufen.“

Wie hat sich ihre eigene Unsicherheit gewandelt? Dazu erzählt Jacobs eine Anekdote. Roopa Dhatt, die langjährige Leiterin der Organisation Women in Global Health, hat sie einst eingeladen, zusammen bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf zu sprechen. Jacobs war aufgeregt, während Dhatt sie immer wieder daran erinnerte, weshalb sie hier waren: Um für Geschlechtergerechtigkeit zu kämpfen, um die Frauen zu vertreten, die sie versorgten und mit denen sie arbeiteten. Während Jacobs noch an sich zweifelte, glaubte Dhatt schon lange an sie.

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„Irgendwann in dieser Sitzung nannte Roopa mich namentlich, alle Blicke waren auf mich gerichtet, und ich musste einfach etwas sagen, denn ich wollte Roopa ja nicht enttäuschen“, erzählt Jacobs und lacht laut. Dieses Meeting werde sie nie vergessen. „Wenn eine Frau spricht, dann verändert das alles“, sagt sie. Es verändere die Frau selbst und es verändere die anderen. Denn die gelebten Erfahrungen von Frauen, die öffentlich oft so unterrepräsentiert seien, werden dann endlich gehört.

Eine Weltkarte mit Stecknadeln, die ein Netzwerk markieren
Solidarisch vernetzt

Im Wissen über Netzwerke liegt viel Macht. Wer weiß, wer mit wem verbunden ist, bleibt handlungs- und widerstandsfähig. Zum internationalen feministischen Kampftag wollen wir deshalb Menschen sichtbar machen, die sich für ein Leben einsetzen, dass die Rechte aller achtet. Auch sie haben Netzwerke. Wir starteten vor der Haustür und haben uns auf die Suche begeben. Wir wollten wissen: Wer lebt und kämpft solidarisch? Und haben Menschen kennengelernt, die uns bis vor kurzem völlig fremd waren.

Heute will Jacobs, dass auch andere Frauen eine „Roopa“ haben. Deswegen hat sie Women in Global Health Sambia gegründet. Auf der Plattform können Frauen sich vernetzen und Mentorinnen und Jobangebote finden. Auch auf Führungsverantwortung bereitet die ehrenamtliche Organisation vor.

Ich musste einfach etwas sagen, denn ich wollte Roopa ja nicht enttäuschen

Insbesondere im Gesundheitssektor ist die Diskrepanz weltweit nämlich besonders groß: Während Frauen rund 70 Prozent der Angestellten im Gesundheitswesen ausmachen, stellen sie nur 25 Prozent der Entscheidungsträger:innen. Mittlerweile hat die Organisation in Sambia über 700 aktive Mitglieder, die als Pflegerinnen, Krankenschwestern, Ärztinnen, Physiotherapeutinnen oder auch Anwältinnen im Gesundheitsbereich arbeiten.

Ob Chancengleichheit in Gesundheitsberufen, der Schutz vor Gewalt gegen Pfle­ge­r:in­nen oder die Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft – Jacobs hat noch Dinge zu tun. Neben Roopa Dhatt ist ihr dabei auch ihre Mutter ein Vorbild. Diese war früh verwitwet, hat als Grundschullehrerin gearbeitet, ihre Kinder großgezogen und abends, ohne Strom damals, für ihre Familie das Essen gekocht. „Heute, wenn ich mit meiner Schwester telefoniere und wir feststellen, wie müde wir sind, muss ich an meine Mutter denken. Sie muss bestimmt sehr müde gewesen sein“, sagt Jacobs, „doch ich habe nie gehört, dass sie sich beschwert hat.“

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