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Heftige Unwetter in NordsyrienÜberflutete Felder, zerstörte Häuser

Heftige Regenfälle und Sturzfluten zwingen Tausende Sy­re­r*in­nen zur Flucht. Schafft es die Übergangsregierung, ihnen zu helfen?

Nach dem großen Regen: Zwei Kinder in Nordsyrien am 8. Februar 2026 Foto: Izz Aldien Alqasem/Anadolu/imago
Julia Neumann

Aus Beirut

Julia Neumann

Heftige Regenfälle suchten am Wochenende die nordsyrische Provinz Idlib und das nördliche Latakia heim. Der sintflutartige Regen hat Flüchtlingslager überschwemmt und Häuser und Autos beschädigt. Laut syrischem Zivilschutz wurden zwei Kinder durch die Fluten getötet.

Ein Team des Syrischen Roten Halbmonds wollte Flutopfern helfen, fiel jedoch den Regenmassen selbst zum Opfer: In der Nacht zu Sonntag fuhr das Team im Einsatzwagen in die Region Jabal al-Turkman, als das Fahrzeug von den Wassermassen ins Tal gespült wurde. Dabei starb Samiha Rakhamiya, Katastrophenschutzkoordinatorin in Latakia. Vier weitere Freiwillige wurden teils schwer verletzt, meldet der Rote Halbmond. Ein fünfter freiwilliger Helfer wurde verletzt, als er versuchte, ein von den Fluten eingeschlossenes Kind zu retten.

Durch das Überlaufen des al-Asi-Flusses wurden in den Geflüchtetenlagern von Kharbat al-Jawz in der westlichen Provinz Idlib Zelte von Geflüchteten überflutet. Fotos und Videos zeigen die Zerstörungen an der fragilen Infrastruktur des Lagers: Die Sturzfluten rissen Dutzende Zelte mit sich, durchbrachen Lehmwände und beschädigten Habseligkeiten der Familien, die während des Krieges vertrieben worden waren.

Videos und Bilder zeigen überschwemmte Straßenzüge. Menschen laufen durch Schlammwasser, das ihnen fast bis zu den Knien reicht. In Darkusch, nahe der Grenze zur Türkei, und am Al-Asi gelegen, wurden Agrarflächen überschwemmt. Al Jazeera postete Bilder aus Jisr al-Schughur, die überflutete Autos und Geschäfte zeigen.

1.800 Zelte beschädigt

Mehr als 5.000 Menschen mussten evakuiert werden, rund 1.800 Zelte wurden beschädigt, 150 Zelte komplett zerstört, meldet die UN. Wegen der Überschwemmungen musste ein örtliches Krankenhaus schließen.

„Die Behörden haben Notunterkünfte eingerichtet und zusätzliche Wohnungen für bedürftige Familien bereitgestellt“, erklärte Stéphane Dujarric, Sprecher des UN-Generalsekretärs, am Sonntag. Partnerorganisationen der UN kümmerten sich darum, Familien umzusiedeln, Unterkünfte zu reparieren und Nothilfe zu leisten.

Länder in Westasien und Nordafrika gehören zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen der Welt. Zu den Auswirkungen gehören nicht nur höhere Temperaturen, sondern auch verstärkte Dürren sowie Wasserknappheit, aber auch Überschwemmungen und der steigende Meeresspiegel. Der menschengemachte Klimawandel verstärkt extreme Regenfälle.

„Gebt uns einen Teil der Hilfsgelder, die an Syrien gehen, und wir können anfangen, mit unseren eigenen Händen wiederaufzubauen“, sagte die Geflüchtete Maryam Hassan dem Sender Al-Jazeera. Sie musste mit ihrer Familie aus Khirbet al-Jozin in eine Schule fliehen und hat ihre Habseligkeiten verloren.

5,5 Millionen Binnenvertriebene

Raed al-Saleh, Minister für Notfall- und Katastrophenmanagement in der Übergangsregierung und Chef des Zivilschutzes (Weißhelme), versprach, die Regierung werde eine nachhaltige Lösung für die vertriebenen Menschen finden. Jedoch seien nur rund 20 Prozent der zuletzt versprochenen Hilfsgelder angekommen. „Das hat große Auswirkungen auf die humanitäre Hilfe.“

Infolge des Bürgerkrieges und andauernde Gewalt sind noch immer 5,5 Millionen Menschen binnenvertrieben, zählt das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Die Binnenflüchtlinge leben unter widrigen Bedingungen, oftmals in einsturzgefährdeten Häusern, notdürftigen Unterkünften oder Zelten aus Holzgestellen mit übergespannten Planen.

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