Love Interests im Laufe des Lebens: Paddy Kelly und die Crushes danach
Während einige sich nach Sicherheit statt Gefühlschaos sehnen, liebt unsere Autorin den Rausch des Verknalltseins. Eine Geschichte ihrer Schwärmereien.
A m Samstag ist ja Valentinstag und ich erwarte Rosenwetter. Obendrein freue ich mich über eine Schachtel handgemachte Pralinen aus einer kleinen, sündhaft teuren Manufaktur. Die letzten Pralinen habe ich von der Mutter meines Freundes gekriegt. Es waren Honigpralinen. Leider haben sie die weite Reise zu mir nicht überlebt. Das Leben ist halt wie eine Pralinenschachtel. Und wie im Leben weiß man auch bei Männern nie, was man kriegt. Aber Verliebtsein ist schon was Schönes. Wenn ich darüber nachdenke, ist es mein Lieblingsgefühl. Es kommt gleich hinter Wut. Bei beidem spürt man sich wenigstens richtig.
Deshalb verstehe ich auch gar nicht, warum Sarah Kuttner Verliebtsein nicht leiden kann. Sie habe es lieber langweilig, erzählte sie neulich in einem Podcast. Sicherheit sei ihr wichtiger als ein Kribbeln im Bauch. Ich aber bin ein Schmetterlingsjunkie und süchtig nach dem Boom. Wenn ich nachzähle, wie oft ich im Leben verliebt war, komme ich auf drei Mal so richtig. Den Rest über war ich verknallt, verballert und verschallert. Aber das ist ja auch ganz okay.
Mein erster Flattermann war Paddy Kelly. Ihr erinnert euch sicher noch an den knuffigen Barden aus der Großfamilie. Warum ich gerade den so toll fand, kann ich mir nur damit erklären, dass ich ihn als meinen Seelenverwandten betrachtete, weil auch er mit vielen Geschwistern klarkommen musste. Wenngleich wir mit unserem Geschrei keine Millionen verdient haben. Ansonsten sitzen Paddy und ich im selben Boot.
Schwärmen für Langhaartypen aus sicherer Entfernung
Nach ihm folgten noch ein paar weitere Langhaar-Typen, die sich aber vorzugsweise in einem Historienschinken aufhielten und entweder wahnsinnig litten oder für die Armen und Entrechteten kämpften. Ich hatte halt schon in jungen Jahren mein Herz auf dem linken Fleck. Hervorgehoben werden muss bei diesen frühen Schwärmereien allerdings die räumliche Distanz. Denn als sich einmal ein Schulkollege in mich verknallte und mir einen personalisierten Diddl-Becher darbot, fing ich an zu weinen. Hätte er mal Schokolade mitgebracht.
Ein echtes Verliebtheitsgefühl entwickele ich aber anscheinend nur für Männer, die große, auffällige Kopfbekleidungen tragen. Numero uno lernte ich mit 15 bei einer Party im Nachbardorf kennen. Wir hatten uns gerade eine große Menge Berentzen saurer Apfel einverleibt, da tauchte plötzlich ein Junge mit einem riesigen Guinness-Hut auf. Der Hut hatte die Form eines Zylinders und verlieh ihm das Aussehen eines Plüschkobolds. Und genauso benahm er sich auch.
Mein nächster Crush kam als wunderschöner, weiß gefiederter Vogel daher. Ich stand gerade hart verkatert hinter dem Büchertisch eines Stadttheaters, da sprach mich der Vogel an. Kurze Zeit später zwitscherten wir Richtung Sonnenuntergang.
Zuletzt ging mir kein Vogel, sondern ein Mann mit Fake-Fur-Mütze ins Netz. Er kam rein ins Café und da war schon alles klar. Im Verlauf einer Beziehung bin ich aus vogelkundlicher Sicht dann aber doch eher progressiv eingestellt. Ich mag zwar Flattergetier, aber im Großen und Ganzen möchte ich der Paradiesvogel sein. Wenn du also gerne Nagellack oder einen einzelnen baumelnden Ohrring trägst, magst du damit zwar wahnsinnig schön aussehen, passt aber leider nicht in mein Beuteschema. Mach dir nichts draus.
Mein jetziger Freund hat mir bei unserem ersten Date übrigens ein Glas Honig geschenkt. War ja klar, dass ich kleben geblieben bin.
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