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Grenzgebiet zwischen Mexiko und USAUSA sperren Luftraum über El Paso

Im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko ordneten die Behörden ein Flugverbot an, um Drogenkartelle zu bekämpfen. Die Maßnahme ist ungewöhnlich.

Kurzzeitige Schließung des Luftraums: Nichts ging mehr am Flughafen in El Paso im Bundesstaat Texas Foto: Jose Luis Gonzalez/reuters

Aus München

Hansjürgen Mai

Ein plötzliches Flugverbot. Ein Laser zur Drohnenbekämpfung. Und eine fehlende Koordination zwischen den US-amerikanischen Behörden. Es war eine Gemengelage, die am Mittwoch im US-mexikanischen Grenzgebiet für Sorgen und Ärger sorgte. Die US-Luftfahrtbehörde FAA erließ in den frühen Morgenstunden ein zehntägiges Flugverbot für den Luftraum um die texanische Stadt El Paso. Die genauen Hintergründe für das plötzliche Verbot wurden von der Behörde zunächst nicht genannt.

Aus den anfänglich zehn Tagen wurden am Ende nur wenige Stunden – nachdem die Trump-Regierung erklärt hatte, dass der Grund für das temporäre Flugverbot die Bekämpfung von Drohnen der mexikanischen Drogenkartelle gewesen sei, die in den US-Luftraum eingedrungen waren. Im Grenzgebiet kommt dies allerdings nahezu tagtäglich vor.

Laut mehreren anonymen Regierungsquellen, die in den US-Medien zitiert wurden, habe das Verteidigungsministerium der Grenzschutzbehörde CBP in dieser Woche die Erlaubnis erteilt, einen Anti-Drohnen-Laser zur Abwehr der feindlichen Flugkörper einzusetzen. Die FAA schloss daraufhin aus Sicherheitsgründen den Flugraum über El Paso.

Das Problem dabei sei jedoch eine fehlende Koordination und Kommunikation zwischen Behörden gewesen. Wie die Nachrichtenagentur Associated Press und andere Medien berichten, soll sich die Grenzschutzbehörde entschlossen haben, den Laser ohne vorherige Absprache mit der Luftfahrtbehörde einzusetzen. Ein entsprechendes Treffen zwischen den Behörden über die möglichen Auswirkungen und Risiken des Lasers für die kommerzielle Luftfahrt war für diesen Monat bereits angesetzt.

US-Kongress will mehr Informationen

Das Resultat der fehlenden Kommunikation waren Flugausfälle und genervte Passagiere. Die Schließung eines kompletten Flugraums und eines Flughafens ist eine äußerst ungewöhnliche Maßnahme, besonders in einem Gebiet, in dem mehr als 700.000 Menschen leben.

Aus dem US-Kongress gab es besorgte Stimmen über das ungewöhnliche Vorgehen der Behörden. Der texanische Senator Ted Cruz, der zugleich der Vorsitzende des Transportausschusses im Senat ist, erklärte, dass er eine Erklärung der FAA zum Vorfall verlangen werde. Die demokratische Abgeordnete Veronica Escobar, die den Wahlkreis El Paso vertritt, erklärte, dass weder ihr Team noch die lokalen Behörden im Voraus über die Schließung des Luftraums informiert wurden.

„Die Informationen der Bundesregierung sind widersprüchlich. Ich bin der Ansicht, dass die FAA der Bevölkerung und dem Land eine Erklärung schuldet, warum diese Maßnahme so plötzlich und unerwartet verhängt und wieder aufgehoben wurde“, sagte Escobar im Anschluss auf einer Pressekonferenz.

Die fehlende Koordination zwischen dem Verteidigungsministerium und der Luftfahrtbehörde weckt Erinnerungen an den tragischen Zusammenstoß eines Militärhelikopter und eines Passagierflugzeugs in der US-Hauptstadt Washington vor etwas mehr als einem Jahr. Dabei kamen 67 Menschen ums Leben.

Lage bleibt undurchsichtig

Die Untersuchungsbehörde NTSB erklärte in ihrem Unfallbericht, dass sich die FAA und das US-Militär über die alarmierende Anzahl von Beinaheunfällen rund um den Flughafen der Hauptstadt nicht ausgetauscht hätten und die Risiken dadurch nicht adressiert wurden. Die NTSB schlussfolgerte, dass der Zusammenstoß komplett vermeidbar gewesen wäre.

Eine Bestätigung der Regierungsversion kam vom amerikanischen Verkehrsminister Sean Duffy. Zudem sagte er, dass Drohnen der mexikanischen Kartelle beim Einsatz „neutralisiert“ worden seien. Der stellvertretende Leiter des Drohnenabwehrprogramms im US-Heimatschutzministerium, Steven Willoughby, erklärte bereits im Juli vor dem Kongress, dass Kartelle fast täglich Drohnen einsetzen, um Drogen über die Grenze zu transportieren und Grenzschutzbeamte auszuspionieren. In den letzten sechs Monaten des Jahres 2024 seien mehr als 27.000 Drohnen im Grenzgebiet geortet worden.

Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum dagegen scheint keine weiteren Informationen über Drohen im Grenzgebiet zu haben. Zumindest machte sie vor Journalisten dazu nichts öffentlich.

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