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Klimawandel „höhlt Fundament der EU aus“EU-Expert*innen fordern Anpassung an 3 Grad Erderhitzung

Der wissenschaftliche Klimabeirat der EU fordert eine einheitliche Strategie zur Klimaanpassung. Die werde aber ohne Klimaschutz nicht ausreichen.

Flutalarm nach ungewöhnlich heftigen Regenfällen in Montemor-o-Velho, Portugal, 11. Februar Foto: Pedro Nunes/reuters

Die EU sollte sich an eine Erderhitzung von etwa 3 Grad anpassen. Das raten Wis­sen­schaft­le­r*in­nen im Klima-Expert*innenbeirat der EU. „Die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels verdeutlichen, dass die Stärkung der Klima-Anpassung keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist“, sagte Ottmar Edenhofer, Ökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Vorsitzender des Expertenrats.

Stürme, Überschwemmungen und Hitze werden mit zunehmender Erderhitzung häufiger und heftiger. Europa erhitzt sich zudem schneller als andere Erdteile: Während die globale Durchschnittstemperatur seit Beginn der Industrialisierung um etwa 1,4 Grad gestiegen ist, ist Europa ungefähr 2,4 Grad heißer geworden.

Seit Anfang des Jahrzehnts wurden dem Beirat zufolge jährlich im Schnitt 45 Milliarden Euro an Schäden durch Folgen der Erderhitzung verursacht. Allein im vergangenen Sommer seien 24.000 Menschen wegen der Hitze gestorben.

Die Folgen des Klimawandels „höhlen das Fundament der EU aus“, warnen die Forscher*innen. Aufgrund der zunehmenden Wetterextreme und Belastungen der Infrastruktur könne die EU Sicherheit, Energieunabhängigkeit, Wettbewerbsfähigkeit, sozialen Zusammenhalt sowie die Stabilität der Demokratie immer weniger gewährleisten.

Anpassung allein ist nicht genug

Klima-Anpassung sei zwar am effektivsten, wenn sie an die lokalen Gegebenheiten angepasst werde, so der Klimabeirat. Trotzdem brauche es einen EU-weit einheitlichen Rahmen. Einerseits, weil es lokal häufig an Ressourcen und Möglichkeiten zur Planung mangele. Andererseits, weil auch grenzüberschreitende Maßnahmen nötig sind, um zum Beispiel Schienen, Straßen, Stromleitungen und Pipelines an die Folgen des Klimawandels anzupassen oder Flusssysteme zu schützen.

Um diesen gemeinsamen Rahmen entwickeln zu können, fordern die Forscher*innen, dass sich alle EU-Länder einigen, von wie viel Grad Erderhitzung sie ausgehen. Sie schlagen vor, sich an den Modellierungen von Weltklimarat und UN-Umweltprogramm zu orientieren. Sie sagen bei einer Fortsetzung der aktuellen Klimapolitik etwa 2,8 Grad Erderhitzung voraus. In Europa läuft das dem Klimabeirat zufolge auf etwa 4 Grad Erhitzung hinaus. Entsprechend müssten alle EU-Länder ihre Anpassungsmaßnahmen auf 4 Grad Erhitzung in Europa ausrichten, wenn sie dem Vorschlag des Ex­per­t*in­nen­rats folgen. Frankreich zum Beispiel tut das bereits.

Welche Kosten damit einhergehen, haben die For­sche­r*in­nen nicht berechnet. Die EU-Kommission schätzt, dass jährlich etwa 70 Milliarden Euro öffentlicher und privater Mittel nötig sind, um sich bis 2050 an die Folgen der Erderhitzung anzupassen.

„Anpassung kann nicht alle Klimafolgen verhindern, aber Risiken reduzieren“, sagte Edenhofer. Es reiche aber nicht mehr aus, sich stückweise anzupassen. Nötig sei vielmehr „transformativer Wandel“: Anstatt in der Landwirtschaft zum Beispiel die Bewässerung leicht zu verändern, müssten Land­wir­t*in­nen in einigen Regionen gänzlich neue Formen der Bewirtschaftung erlernen.

Der EU-Expert*innenrat warnt gleichzeitig davor, sich angesichts einer immer heißer und gefährlicher werdenden Welt auf Anpassungsmaßnahmen zu verlassen: Sie könne „nicht alle Auswirkungen des Klimawandels verhindern“, sagte Jette Bredahl Jacobsen, stellvertretende Vorsitzende des Beirats. Deshalb seien Klimaschutzmaßnahmen weiterhin unerlässlich, „um Klimagefahren auf ein beherrschbares Niveau zu begrenzen“.

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4 Kommentare

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  • So ganz klar wird es nicht, warum eine EU weite, einheitliche Strategie notwendig sein sollte (die dann mit der EU Bürokratie kontrolliert werden muss). Die Niederlande werden andere Probleme haben als Schweden, als Spanien, als Bulgarien. Wo wäre der Vorteil, wenn die sich in jahrelangen Sitzungen einheitlich abstimmen müssen? Selbst wenn dann nur herauskommt, dass jedes Land x Mrd in Klimaanpassung stecken muss, werden allein über die Berichtspflichten wieder Ressourcen gebunden.

    Gut, bei grenzüberschreitenden System kann das Sinn machen, aber auch da können die Betroffenen sich zusammensetzen und nicht erstmal alle. Obwohl oder weil es ja genügend Projekte gibt, an denen man sieht, dass es nicht funktioniert - das eine Land ist fertig, D hinkt hinterher....

  • Was raten wir denn den Menschen in Ländern die von der von uns verursachten Klimaerwärmung betroffen sind und die sich keine vorbeugenden Massnahmen leisten können?

  • Der Artikel ist ein wenig verblüffend. Während der gemeine Verbraucher Douglasien und Klimaanlage kauft, zum E-Bike wechselt sowie für die Wärmepumpenberatung ansteht, wissen unsere Wissenschaftler offenbar gerade immer noch nicht, wie warm oder auch kalt (AMROC-Abriss) es nun wirklich wo genau wird ind welche Dimensionen unsere Abwasserrohre und die Hochwasserwände konkret haben müssen? Was ist das denn nun?

    • @hedele:

      Der gemeine Verbraucher passt sich der Klimaänderung auf die Art und Weise an, die der Wirtschaft und ihren Mittä...Tschuldigung - Kompli... - also bitte!! - Spießgesesel.... jetzt konzentrier dich endlich - Siewissenschon am meisten nutzt - falls er es sich leisten kann.



      An den kümmerlichen Recht, die absolute Mehrheit der Weltbevölkerung, wird kein Gedanke verschwendet.