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Iranische OppositionDer Schah-Sohn ist kein Hoffnungsträger

Daniel Bax

Kommentar von

Daniel Bax

Die Menschen im Iran brauchen unsere Solidarität. Auf Reza Pahlavi zu setzen, der von rechtsextremen Kräften unterstützt wird, ist der falsche Weg.

Make Iran Great Again: die Trump-Analogie ist beabsichtigt. Anhänger des Kronprinzen bei der Iran-Kundgebung am Samstag in München Foto: AP / Ebrahim Noroozi

N ach dem beispiellosen Massaker des iranischen Regimes mit Tausenden Toten ist es verständlich, dass sich viele dessen baldiges Ende herbeiwünschen. Es ist verständlich, dass viele ihre Hoffnungen auf den Sohn des letzten Schahs richten, und sei es nur aus Mangel an Alternativen oder als kleineres Übel. Und es ist wichtig, Solidarität mit den Menschen im Iran und in der Diaspora zeigen – alleine schon um ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind.

Es gibt aber gute Gründe, die aktuelle Begeisterung für den Schah-Sohn Reza Pahlavi skeptisch zu sehen. Nicht nur, weil er sich nie von den Verbrechen seines Vaters distanziert hat, oder weil er von extrem rechten Kräften wie Israels Premier Netanjahu und der Trump-Regierung unterstützt wird. Sondern auch, weil seine Anhänger teilweise selbst extrem nationalistische und rassistische Auffassungen vertreten. Das lässt sich an den „Tod den Linken“-Rufen ablesen, die auf ihren Kundgebungen ertönen, und daran, das manche von ihnen bis heute dem Arier-Mythos von einer angeblichen völkischen Überlegenheit anhängen, der in der Pahlavi-Ära propagiert wurde. Nicht jeder, der das Mullah-Regime ablehnt, ist schon ein Demokrat.

Noch mehr Gründe gibt es, einen Angriff der USA auf den Iran abzulehnen, wie ihn Pahlavi fordert. Denn es spricht einiges dafür, dass ein von außen erzwungener „Regime Change“ im Iran katastrophale Folgen haben könnte. Der Iran ist, mit über 90 Millionen Einwohnern, eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt. Ein von außen beförderter Bürgerkrieg würden die bisherigen Desaster in Libyen (7.5 Millionen Einwohner), Afghanistan, (rund 40 Millionen Einwohner) und Irak (fast 50 Millionen Einwohner) verblassen lassen. Das kann niemand wünschen.

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Und wer seine Hoffnungen ausgerechnet auf Donald Trump setzt, könnte ohnehin rasch enttäuscht werden. Es war verantwortungslos von ihm, die Protestierenden Im Iran zu ermuntern, auf die Straße zu gehen und ihnen „Hilfe“ anzukündigen – und sie dann im Stich zu lassen, wie er es getan hat. Schon jetzt ist mit Blick auf die Verhandlungen der USA mit dem Iran von Menschenrechten oder Reformen keine Rede – es geht um das iranische Atomprogramm und um Öl.

Ja, der Kampf der Iraner für Freiheit und Menschenwürde braucht unsere Solidarität. Aber er braucht keine naiven und gefährlichen Träumereien von einem starken Mann, der mal eben das Mullah-Regime zur Seite schiebt. Denn so einfach ist es leider nicht.

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Daniel Bax
Redakteur
Daniel Bax ist Themenchef im Regieressort der taz. Er schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland und hat bisher zwei Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den Trend zum Rechtspopulismus. Sein neues Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist gerade im Goldmann Verlag erschienen.
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