Österreichisches Rocktrio Lovehead: Mit aufgedrehten Verstärkern erwachsen werden
Sommer, Sonne, Seeufer: Das österreichische Trio Lovehead inszeniert sich als musikalische Sitcom. Reicht das als Gegenentwurf zum Sadboy-Indie-Sound?
„2021 habe ich mal ein Cover auf Instagram hochgeladen“, erinnert sich Bassistin Anna Stefanitsch vom Poptrio Lovehead aus dem österreichischen Burgenland. „Und die Mara hat mir dann in die Kommentare geschrieben, ‚jo magst‘ a' Band gründen?‘“. Damals kannten sich die jungen Musikerinnen (neben Stefanitsch, Gitarristin Mara Stricker und Drummerin Elena Karacsony) noch gar nicht. Jene Spontaneität hat sich die Band aus der Steppenlandschaft am Neusiedler See beibehalten.
Die Musik von Lovehead erinnert an Indie, sie klingt, als hätten sich die drei Künstlerinnen kurz zusammengerauft und gleich ein paar Songs komponiert. „Das liegt auch daran, dass wir wirklich jeden Songtext gemeinsam schreiben“, sagt Elena Karacsony. „Und einfach so lange proben, bis alles fertig ist und erst dann ins Studio gehen.“
In den Textwelten von Lovehead geht es um Befindlichkeiten von Heranwachsenden um die 20: Sich-Ausprobieren und Verliebtsein, Selbstfindung und Überforderung, ein typisches „Growing Up in Public“. In ihren Songs sprechen sie ihre Generation klar und deutlich an.
Das gestalten Lovehead im Sound und der Ästhetik mit offensichtlichen Referenzen: in einem Text über Nullerjahre-Sitcoms („How I Met Your Mother“ im Song „Fanta lustig“), in Videoclips mit Camcorder-Ästhetik und mit Großstadtkulissen, so verwaschen wie die Gitarren im Refrain. Laute Drums, schneller Bass, alles grob abgemischt. Auch musikalisch sind die Einflüsse zu hören. Etwa von der Berliner Band „Wir sind Helden“ und anderen soften Popgruppen der Nullerjahre, die die Gen Z im Kinderzimmer gehört hat.
Musik für die Kneipe und fürs Seeufer
Lovehead zitiert diese Bands nicht nur, sie schieben deren Stil gespickt mit Referenzen weiter in die Gegenwart. Dabei singen Lovehead auch mal ein bisschen schief, der Sound bleibt direkt, fast schon frech. Zum Beispiel, wenn sie arrogante Männer besingen, wie in „Anthony“: „Jetzt weiß ich deinen Namen, also schon zu viel / Will nicht wissen, wen du magst, mit wem du sonst so spielst“.
Lovehead: „Fanta lustig“ (Universal)
live: 20.2.26 „Modus“ Berlin, 21.2.26 „Hafenklang“ Hamburg, 22.2.26 „Artheater“ Köln, 24.2.26 „Ampere“ München
Lovehead-Songs sind in der Kneipe, oder am Seeufer situiert, es geht ums Vermissen und Entfremden, um falsche Entscheidungen. Dabei klingt ihre Musik nach Freundschaft, nach Sommer, sie wirkt rotzig und leicht und bildet damit einen ziemlichen Gegenentwurf zum melancholischen Sad-boy-Indie-Genöle.
Die Strophen sind kurz, die Refrains einprägsam und mit vielen Wiederholungen. Das macht sich gut in Streaming-Playlisten wie auch in kurzen Clips im Netz. „Heute ist man als Künstler*in gezwungen, auf Social Media präsent zu sein“, glaubt Elena Karacsony. Lovehead möchte aber nicht auf die virtuelle Existenz reduziert werden: „Uns ist schon aufgefallen, dass viele unsere Ästhetik zwar mögen, aber uns als Musiker*innen nicht anerkennen“, sagt Anna Stefanitsch.
Die Bandformel funktioniert trotzdem. Ihre Debütsingle „Denkst du an mich?“ lief bereits am Tag der Veröffentlichung im Februar 2025 im Radio. Inzwischen hat sie fast zwei Millionen Streams erreicht. Gerechnet haben sie damit nicht: „Wir hatten zu dem Zeitpunkt gerade sechs eigene Songs und dachten, wir veröffentlichen jetzt einfach mal was davon“, erzählt Karacsony. „Dadurch, dass wir keine Erwartungen hatten, war es dann sehr viel auf einmal. Auf unserer Freundschaft lag plötzlich mehr Druck, davon hängt jetzt viel mehr ab.“
Wenige Monate später haben Lovehead ihre EP, „Fanta lustig“ veröffentlicht. Nun starten sie gleich als Headliner ihrer ersten Tour.
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