Ukraine-Verhandlungen in Genf: Knallhart auf Kreml-Linie
Zwei Tage lang wollen die USA erneut zwischen Russland und der Ukraine vermitteln. Russlands Delegation führt Putins Hardliner Wladimir Medinski an.
In Genf hat am Dienstag mit Vertretern aus der Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten eine weitere Verhandlungsrunde begonnen, um Russlands vollumfänglichen Angriffskriegskrieg in der Ukraine zu beenden. Für die Gespräche sind zwei Tage angesetzt.
„Sicherheits- und humanitäre Fragen stehen auf der Tagesordnung. Wir arbeiten konstruktiv, zielorientiert und ohne überzogene Erwartungen. Unser Ziel ist es, die Entwicklung von Lösungen zu beschleunigen, die einen nachhaltigen Frieden ermöglichen“, schrieb der Sekretär des Sicherheits- und Nationalen Verteidigungsrates und Leiter der ukrainischen Delegation, Rustem Umerow, in den sozialen Medien.
US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstagmorgen auf Nachfragen von Journalist*innen an Bord der Air Force One gesagt, Kyjiw täte gut daran, sich jetzt so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch zu setzen. Washington sei in einer Position, um die Ukraine dazu zwingen zu können.
Rustem Umerow, Leiter der ukrainischen Delegation
Die Warnung Umerows vor „überzogenen Erwartungen“ ist noch eine optimistische Umschreibung dessen, was in Genf passieren könnte. Beobachter*innen gehen jedenfalls davon aus, dass aus den Verhandlungen wenig bis gar nichts herauskommen wird.
Als Diplomat ist Medinski bisher nicht aufgefallen
Aus gutem Grund: Der Stellenwert dieser Verhandlungen für Moskau zeigt sich auch an der Ernennung von Wladimir Medinski, der in Genf die russische Delegation anführt. Als Mann mit besonderen diplomatischen Fähigkeiten ist der 55-Jährige bislang nicht sonderlich aufgefallen, wenngleich er 2022 und 2025 bei den russisch-ukrainischen Gesprächen in Istanbul die russische Delegation leitete. Nicht umsonst hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj 2022 die russische Abordnung als „Attrappe“ bezeichnet, die nicht auf Kompromisse, sondern auf Täuschung ausgelegt sei.
Dafür hat Medinski, in der heutigen Ukraine geboren, andere Qualitäten. Er ist knallhart auf Kremllinie. Auf selbige brachte er als Kulturminister, der er von 2012 bis 2020 war, auch den Kulturbetrieb. Er schrieb mehrere historische Sachbücher und wirkte an einem Geschichtsbuch mit, das seit 2023 an allen Schulen verwendet wird. Darin findet sich der Satz, die Ukraine sei ein Mittel des Westens, um Russland zu zerstören.
Zudem soll Medinski auch historische Essays und Reden für den Kremlchef verfasst haben – „Putins historischer Ghostwriter“, wie ihn die New York Times einmal nannte. Kurz vor dem Beginn von Russlands Vollinvasion am 24. Februar 2022 schrieb Medinski: „Der zeitgenössische Staat, den wir gewöhnlich Ukraine nennen, ist ein historisches Phantom.“ Dieses ist, wie der Krieg seit 2022 zeigt, jedoch erstaunlich widerständig.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert