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Trumps Öl-EmbargoKubas Wirtschaft geht der Kraftstoff aus

Die US-Sanktionen treffen Kubas Wirtschaft hart: Die Förderung des Exportprodukts Nickel muss pausieren, das berühmte Zigarren-Festival ist abgesagt.

Ein beladener LKW in der Nähe des Nickelwerks Pedro Soto Alba, Moa, Kuba, Juni 2016 Foto: Alexandre Meneghini/reuters

Nickel ist eines der wichtigsten kubanischen Exportprodukte neben Tabak, Rum und Meeresfrüchten – aber die US-Sanktionen für den Inselstaat behindern die Förderung und verschärfen Kubas ohnehin schwere Wirtschaftskrise massiv.

Der kanadische Bergbaukonzern Sherritt International, der seit rund 30 Jahren in Kubas Bergbauregion Moa aktiv ist und dort die Metalle Nickel sowie Kobalt fördert, fährt seine Tätigkeiten weitgehend zurück. Im Zuge der nächsten Woche werde der Bergbau pausieren und die Verarbeitungsanlage auf Stand-by gestellt, hieß es bei dem Unternehmen. Als Grund gibt es die ausbleibenden Treibstofflieferungen an.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat die Öllieferung von Venezuela nach Kuba nach ihrer Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Anfang Januar einstellen lassen. Außerdem haben die USA allen anderen Ländern verboten, Kuba Öl zu liefern.

Niemand weiß, wie viel sich in den kubanischen Tanks und Depots befindet, welche Raffinerie noch arbeitet und wo sich doch noch etwas leichtes Rohöl befindet. Klar ist, Benzin und Diesel lässt sich nur aus leichtem Rohöl ohne große Probleme gewinnen. Dieses Öl kam zuletzt aus Mexiko. Der letzte Tanker, der laut den Verträgen mit dem mexikanischen Erdölunternehmen Pemex planmäßig am 4. Februar in Mexiko hätte ablegen sollen, hat den Hafen jedoch nach einer US-Intervention nicht verlassen.

Auswärtiges Amt rät von Kuba-Reisen ab

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump droht mit Zöllen, Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hat deutlich gesagt, dass diese für Mexikos Wirtschaft gravierend wären. Sie setzt auf Diplomatie und verhandelt, während in Kuba peu à peu die Lichter ausgehen.

Spezialisten wie der kubanische Energieexperte Jorge Piñón von der Fakultät für Energie der Universität Texas haben prognostiziert, dass die gravierende Phase der Energiekrise erst im März eintritt. Doch alle Informationen von der Insel deuten darauf hin, dass bei Treibstoffen wie Diesel, Benzin und Kerosin bereits annähernd Ebbe in den Tanks ist.

Wegen der Energiekrise ist auch das berühmte jährliche Zigarrenfestival „Festival del Habano“ für Ende Februar abgesagt. Seine hohen Einnahmen fließen traditionell in das kubanische Gesundheitssystem. Hinzu kommen Gewinne für die Tourismus-Branche, die nun entfallen. Die ist ohnehin betroffen. Das Auswärtige Amt etwa rät mittlerweile von nicht notwendigen Reisen nach Kuba „aufgrund der erheblichen Auswirkungen des akuten Treibstoffmangels derzeit“ ab.

Ohne Benzin oder Diesel werden zudem keine Lebensmittel in die großen Städte wie Santiago de Cuba, Camagüey oder Havanna transportiert, es fahren keine Krankenwagen Patienten in die Notaufnahmen. „Die sind ohnehin nur noch partiell geöffnet“, so Juan Elias Navarro aus Santiago de Cuba. „Hier sind viele Krankenhäuser geschlossen worden. Ein Drittel ist für Notfälle geöffnet“, sagt der Mann, der im Zentrum von Santiago de Cuba lebt.

Gleich um die Ecke befindet sich ein Kinderkrankenhaus, weshalb Navarro und seine Nachbarn Strom haben. Sie hängen de facto an der Leitung des Kinderkrankenhauses, haben Glück. Der Rest der Stadt ist teils zwanzig Stunden am Tag ohne Strom, denn auch der wird auf Kuba viel mit Öl produziert.

Die Kraftwerke können trotzdem zumindest partiell Strom liefern, denn sie verwenden schweres kubanisches Öl aus eigener Förderung. Das deckt in etwa dreißig bis vierzig Prozent des nationalen Bedarfs – taugt aber nicht für das Raffinieren von Diesel, Benzin und Kerosin.

Versuche der kubanischen Regierung, mit den letzten Devisenreserven Diesel und Benzin einzukaufen, laufen. Potenzielle Lieferanten wie Trinidad & Tobago, Mexiko und Russland beugen sich aber dem Druck aus Washington.

Der älteste Partner der kubanischen Regierung, Russland, hat zwar Hilfsbereitschaft signalisiert, aber bisher allen Informationen zufolge keine Tanker auf den weiten Weg in die Karibik geschickt. Unklar ist auch, ob die US-Flotte Tanker überhaupt in die Häfen von Havanna, Mariel, Matanzas oder Santiago de Cuba durchlassen würde.

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