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Bundeswehr bei OlympiaSportliche Streitkräfte

Zwei Drittel der Olympiaplaketten haben die Deutschen dem Einsatz der Sportsoldaten zu verdanken. Die Bundeswehr ist zumindest medaillentauglich.

Bundeswehrerfolge: Soldaten der Luftwaffe schmücken sich beim Rodel-Weltcup mit den Trophäen von Julia Taubitz und Max Langenhan Foto: imago

Erstatte Bericht, Herr Pistorius! Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hat unlängst am Rande eines Nato-Gipfels beanstandet, die deutschen Medien würden die Bundeswehrerfolge bei den Olympischen Winterspielen nicht so würdigen, wie das in anderen Ländern üblich sei. Die Sportlerinnen und Sportler sowie die Bundeswehr hätten es verdient, dass darauf hingewiesen werde. Wir vermelden gehorsamst, dass die Bundeswehr zwar immer noch nicht kriegstüchtig, aber hochgradig medaillentüchtig ist. Und das ganz ohne Sondervermögen.

Auf seinem Instagram-Kanal versucht Pistorius dieser Tage, gegen die Bundeswehrignoranz bei den Olympischen Spielen anzukämpfen. Neben den Fotos von der Münchner Sicherheitskonferenz, Eurofightern, Militärhubschraubern tauchen immer wieder jubelnde Sportsoldaten auf. Vergleichsweise medaillenarm sieht es dagegen auf dem Account von Christiane Schenderlein, der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, aus. Pistorius hatte schon in der ersten Woche der Winterspiele erklärt: „Wer sich die deutschen Medaillenerfolge bis jetzt anguckt, der wird nicht umhinkommen, festzustellen, dass entweder die Medaillen von deutschen Sportsoldaten errungen wurden oder aber mindestens Bundeswehrsoldaten beteiligt waren an den Medaillen.“

Gegen Ende der Spiele lässt sich feststellen, dass ein paar Medaillen schon auch auf zivilem Wege zustande gekommen sind, viele sind es aber nicht. Genau 14 der 21 deutschen olympischen Plaketten, also zwei Drittel, gehen auf den Einsatz der deutschen Streitkräfte zurück. Auf deren Website sind alle Gewinnerinnen und Gewinner mit Dienstgrad fein säuberlich aufgelistet. Vom einfachen Feldwebel Max Langenhan (Gold, Rennrodeln), über die Unteroffizierin Emma Aicher (Silber, Ski Alpin) bis zur Hauptfeldwebelin Julia Taubitz (Gold, Rennrodeln) haben sie alle ihre Aufträge vorbildhaft ausgeführt.

Von den 188 Athletinnen und Athleten, die für das Team Deutschland zu den Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo nominiert wurden, gehören 76 den Sportfördergruppen der Bundeswehr an. Das sind über 40 Prozent und somit eine kleine Steigerung zu den Winterspielen 2022 in Peking (37 Prozent).

67 Millionen Euro aus dem Verteidigungsetat

Mit 890 Förderstellen ist die Bundeswehr der größte staatliche Unterstützer des Hochleistungssports in Deutschland. Die Bundespolizei und der Zoll finanzieren ebenfalls Spitzensportler. Aus dem Etat des Verteidigungsministeriums fließen derzeit 67 Millionen Euro in die Sportförderung. Im Jahr 2005 waren es noch 25 Millionen Euro. Allerdings haben sich im gleichen Zeitraum auch die Sportförderbeiträge aus dem Bundesinnenministerium von 133 Millionen Euro auf 331 Millionen Euro deutlich gesteigert.

Um gesellschaftliche Anerkennung für ihren Beitrag an deutschen Sporttriumphen wirbt die Bundeswehr schon lange. Vor den Sommerspielen 2016 hoffte man mit dem Slogan „Wir kämpfen für die Freiheit. Und für Medaillen“, auch mehr Rekruten für sich zu gewinnen. Eine Studie der Informationsstelle Militarisierung e. V. hielt im Jahre 2019 fest, die Olympischen Spiele würden sich zunehmend zu „Militärfestspielen“ entwickeln. Neben den USA, Russland und China würden auch viele europäische Nationen wie Deutschland, Italien oder Österreich auf Sportsoldaten setzen.

Als im Jahr 2017 der Fechter Max Hartung in seiner Funktion als Athletensprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) infrage stellte, ob die Bundeswehr ein „besonders gutes Instrument der Sportförderung“ sei und für eine stärkere zivile Förderung warb, wurde er vom DOSB sofort gerügt. Die Bundeswehr, hieß es, sei ein unverzichtbarer Partner.

Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine und der damit verbundenen Aufwertung der Bundeswehr im Staatshaushalt scheint der Sport mehr denn je als gute Plattform gesehen zu werden, um das gesellschaftliche Ansehen der Streitkräfte zu steigern. Und umgekehrt scheinen die Berührungsängste abzunehmen.

Als die Bundeswehr 2025 als Partner des Deutschen Fußball-Bundes und des Finaltages der Amateure, dem größten Event im deutschen Amateurfußball, einstieg, erklärte Dirk Brennecke, Geschäftsführer des Fußball-Verbandes Mittelrhein: „Gemeinsam mit der Bundeswehr wollen wir Werte wie Teamgeist, Leistungsbereitschaft und Resilienz stärker sichtbar machen und deren Bedeutung für den Zusammenhalt der Gesellschaft unterstreichen.“

Es ist eigentlich erstaunlich, dass Boris Pistorius nur aus der Ferne für die deutschen Sportsoldatinnen und Sportsoldaten kämpft. Bei den Olympischen Winterspielen ist er bislang auf den Tribünen noch nicht gesichtet worden.

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