Folgen des Klimawandels: Vierfache Gefahr
Der Klimawandel zerstört Flächen. Diese werden so eine Gefahr für sich selbst – damit erhöht sich die Gefahr für Waldbrände und Überschwemmungen erneut.
H Q100 ist ein Begriff aus der Ingenieurssprache, er beschreibt das höchste Hochwasser, das statistisch einmal in einhundert Jahren auftreten kann. Für die Ingenieure geht es bei HQ100 aber nicht um Statistik, sondern um Sicherheit: Der Wert dient als Berechnungsgrundlage für ihre Bauwerke. Brücken, Deiche, Rückhaltebecken, ja die gesamte Bausubstanz in einem Tal müssen diesem Wert HQ100 standhalten. Steigt die Flut über den Wert, ist die Brücke nicht zu retten. Weil die Wahrscheinlichkeit dafür aber im Prozentbereich liegt, wird der Verlust in Kauf genommen: Mehr Sicherheit würde mehr kosten.
Das war früher vor dem Klimawandel so. Eine wärmere Atmosphäre kann nach der Gleichung von Clausius-Clapeyron mehr Wasser speichern. Das hat zur Folge, dass Fluten intensiver und häufiger werden. HQ100 könnte in Zukunft alle zehn Jahre eintreten, entsprechend müsste die Sicherheit um den Faktor zehn angehoben werden, was die Kosten mindestens verzehnfacht.
Gern und intensiv wird über Anpassung an die Klimaerhitzung geredet. Das soll uns wohl ein positives Gefühl vermitteln: Wenn wir das Problem schon nicht mehr aufhalten, werden wir uns aber doch schon irgendwie mit den Folgen arrangieren können. Eine Studie zu den Waldbränden zeigt nun, wie trügerisch dieses Gefühl ist: Demnach hat die Häufigkeit schwerer wirtschaftlicher Katastrophen durch Flächenbrände seit 1980 um das 4,4-Fache zugenommen. Um sich daran anzupassen, müssten die Feuerwehrkapazitäten vervierfacht werden.
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Was vielleicht noch möglich wäre. Allerdings sind die Feuer selbst zum Treiber der Klimakrise geworden, 2023 brannten weltweit etwa 26 Millionen Hektar Wald – eine Fläche etwa so groß wie Großbritannien. Dadurch wurden 8,8 Milliarden Tonnen Kohlendioxid freigesetzt, was fünfzehn Mal so viel ist, wie die Bundesrepublik jährlich emittiert. Statt jetzt aber Klimaschutz endlich ernst zu nehmen, versucht Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) mit ihrem „Netzpaket“ den Ausbau der Erneuerbaren zu bremsen. Vermutlich will sie uns weismachen, wir könnten uns an die Folgen anpassen.
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