Kurz vor dem vierten Kriegsjahrestag: Ukraine erneut unter heftigem Beschuss
Die russische Armee greift weiterhin die Hauptstadt und den Osten mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern an. Auch in Lwiw detonierten Sprengsätze.
taz/rtr | Schon am Samstagabend hatten verschiedene ukrainische Telegram-Kanäle die Bevölkerung gewarnt: wieder werde es in der kommenden Nacht sehr laut werden. Und sie hatten leider recht. Erneut hat Russland die Ukraine großflächig angegriffen, wieder waren mächtige Explosionen in den frühen Morgenstunden in der Stadt zu hören. Und wieder fluteten Videos brennender Häuser das ukrainische Telegram.
In der Nacht zum 22. Februar hat Russland die Ukraine mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen angegriffen. Besonders betroffen waren die Hauptstadt sowie mehrere Städte im Zentrum und Osten des Landes. In Kyjiw kam es in den frühen Morgenstunden zu mehreren Explosionen. Nach Angaben der Stadtverwaltung wurde im Stadtteil Swjatoschyn ein mehrstöckiges Wohnhaus beschädigt.
Gegen 8 Uhr wurde Entwarnung gemeldet. Etliche Menschen hatten Schutz in den U-Bahnen gesucht, ausgestattet mit Schlafsäcken, Iso-Matten, manche hatten auch einen Campingstuhl dabei.
Für Aufregung und Irritationen sorgte die Detonation mehrerer Sprengsätze in der westukrainischen Stadt Lwiw. Nach Angaben der Behörden wurden dort ein Polizist getötet und 24 weitere Menschen verletzt. Der Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadowyj, sprach von einem Terrorakt. Die erste Explosion habe sich ereignet, als nach einem mutmaßlichen Einbruch eine Polizeistreife eingetroffen sei, teilte die Nationalpolizei auf Telegram mit. Wenig später sei eine zweite Detonation gefolgt. Es habe sich um selbstgebaute Sprengsätze gehandelt. Einzelheiten werden zunächst nicht bekannt.
Drohnenangriff in der Region Belgorod
Auch in Poltawa wurden Explosionen gemeldet. In Kropywnyzkyj war ebenfalls mehrfach Detonationslärm zu hören. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe sind Gruppen von Kampfdrohnen sowohl aus der russischen Region Belgorod als auch aus dem Raum Donezk gestartet und in Richtung zentraler Landesteile geflogen. Weitere Drohnen seien vom Schwarzen Meer aus in Richtung der Region Odessa unterwegs gewesen. Neben Kyjiw, Poltawa und Kropywnyzkyj wurden auch in den Regionen Sumy, Charkiw, Dnipropetrowsk, Saporischschja, Cherson, Donezk und Tscherkassy Luftalarme ausgerufen.
Bereits am Vortag waren bei einem Drohnenangriff im Rajon Losowa in der Region Charkiw nach Angaben der Staatsanwaltschaft fünf Menschen verletzt worden. Mehrere Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude seien beschädigt worden.
Der Gouverneur der russischen Region Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, teilte unterdessen mit, dass im Gebiet um den Weiler Krasivo im Bezirk Borissowka eine Drohne ein Auto angegriffen habe. Dabei seien zwei Zivilisten verletzt worden, darunter ein dreijähriges Mädchen. Beide hätten Minen- und Explosionsverletzungen sowie Splitterwunden erlitten und seien in ein Krankenhaus gebracht worden. Das Fahrzeug sei beschädigt worden.
62 Schulen in Kyjiw ohne Heizung
Bedingt durch den Beschuss von Heizkraftwerken sind in Kyjiw derzeit 14 Prozent der Bildungseinrichtungen ohne Wärmeversorgung, darunter auch 62 Schulen. Dies geht aus einer Erklärung der Kyjiwer Stadtverwaltung vom 19. Februar hervor.
Nun wolle man zum einen mehr Online-Unterricht durchführen, zum anderen die betroffenen Schüler und Schülerinnen auf andere Schulen verteilen. Ein Unterricht in unbeheizten Räumen ist nicht erlaubt. Derzeit arbeiten 39 Schulen vollständig online. Das betrifft etwa 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler der Hauptstadt.
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