Neue Drohnen für die Bundeswehr: Kamikaze mit Peter Thiel
Am Mittwoch entscheidet der Haushaltsausschuss über neue Kampfgeräte. Sie sind sehr teuer – und das Geld könnte auch an das Umfeld von Trump gehen.
Es ist ein Auftrag in Milliardenhöhe, der bald auch die Kassen des Antidemokraten und Donald-Trump-Vertrauten Peter Thiel füllen könnte: Am Mittwoch entscheidet der Haushaltsausschuss des Bundestags über den Kauf von Kamikazedrohnen für die Bundeswehr. Auf der Einkaufsliste steht dabei ein Modell des Berliner Herstellers Stark Defence, bei dem Thiel als Investor beteiligt ist. Thiel steht auch wegen seiner Überwachungssoftware Palantir in Deutschland in der Kritik.
Nun richten sich die Augen auf Stark Defence: Die Beteiligung des Trump-Ideologen beim Drohnenhersteller bringt das mögliche Geschäft in Verruf. Die Grünen-Verteidigungspolitikerin Sara Nanni forderte am Montag in Berlin einen „gesetzlichen Schutzschirm“ für die deutsche Verteidigungsindustrie „gegen schädlichen Einfluss von außen“.
Die Haushälter*innen entscheiden am Mittwoch im Bundestag über den Kauf von Drohnen im Wert von zunächst etwa 540 Millionen Euro. Ein Rahmenvertrag sieht laut übereinstimmenden Berichten jedoch vor, dass der Betrag in den kommenden Jahren auf insgesamt 4,3 Milliarden Euro steigen soll.
Die Beschaffung der Kamikazedrohnen wäre damit eines der teuersten Rüstungsprojekte, die sich die Bundeswehr derzeit leistet. Zum Vergleich: Das Bundesumweltministerium und der Klima- und Transformationsfonds verfügen im Jahr 2026 gemeinsam über ein Budget von etwa 5,7 Milliarden Euro.
Neben Stark Defence könnte auch das Münchner Unternehmen Helsing einen Zuschlag erhalten. Auch der Rüstungsriese Rheinmetall ist für die Ausschreibung wieder im Rennen. Das Unternehmen konnte zunächst kein Demonstrationsmodell für seine Drohnenkünste vorweisen, hat dies laut einem Bericht aus dem Unternehmen aber nachgeholt.
Auch Pistorius wurde mulmig zumute
Die neuen Drohnen, die von der Bundeswehr bereits im vergangenen Jahr getestet wurden, sollen an die in Litauen stationierte deutsche Brigade gehen. Wegen der schlechten Presse durch die Beteiligung von Thiel sah sich Drohnenhersteller Stark vergangene Woche zu einer Äußerung genötigt. Thiels Investmentgesellschaft verfüge über weniger als zehn Prozent der Unternehmensanteile und er außerdem über keine besonderen Kontroll- oder Einflussmöglichkeiten. Die Weitergabe technischer Details von Produkten unterliege zudem der deutschen Exportkontrolle, hieß es von Stark.
Für Nanni ist das nicht überzeugend. Sie warf dem Verteidigungsministerium vor, sich „auf die Selbstauskünfte“ zu verlassen. „Das reicht bei einem Auftrag dieser Größenordnung und Bedeutung bei Weitem nicht aus“, sagte sie.
Dabei hatte sogar der Verteidigungsminister deutlich gemacht, dass ihm bei den Gedanken an Thiel mulmig wird. „Wenn er Einfluss auf operative Geschäfte hat, Sperrminoritäten hat, in welcher Form auch immer – dann reden wir über eine andere Qualität, als wenn er im einstelligen Prozentbereich Teilhaber ist“, sagte Boris Pistorius (SPD) vergangene Woche bei einem Truppenbesuch in Baden-Württemberg.
Nanni ging angesichts des Verdachts weiter. Sie forderte „vollständige Transparenz“ über die Beteiligungen aus Trumps Umfeld sowie eine Offenlegung der Investorenverträge gegenüber Parlament und Bundesregierung. Ziel müsse sein, „die deutsche und europäische Industrie zu schützen, aber auch zu verhindern, dass deutsche Steuergelder indirekt und direkt bei der rechtsextremen MAGA-Bewegung landen“.
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