Siedlergewalt im Westjordanland: Moschee bei Nablus in Brand gesetzt
Brandspuren an einer Moschee, hebräische Hassgraffiti auf der Außenmauer: Nach dem Angriff ruft die Autonomiebehörde die internationale Gemeinschaft an.
kna/taz | Eine Moschee in der Nähe der Stadt Nablus im Westjordanland ist am Montagmorgen in Brand gesetzt worden. Israelische Siedler hätten das Feuer am Eingang der Moschee im Dorf Tell gelegt, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur „Wafa“. Von palästinensischen Medien veröffentlichte Fotos zeigen zudem hebräische Hassgraffiti an der Außenwand der Moschee. Das Feuer konnte demnach von Anwohnern gelöscht werden.
Der Versuch, eine Moschee niederzubrennen, zeige, „zu welcher Barbarei die rassistische israelische Hetz-Maschinerie“ geworden sei, sagte das palästinensische Religionsministerium laut örtlichen Medienberichten. Nach Angaben des Ministeriums sind im vergangenen Jahr 45 Moscheen Ziel von Siedlerangriffen geworden.
Das Außenministerium der Autonomiebehörde betonte: Der Angriff sei eine „vorsätzliche Provokation gegen das palästinensische Volk und die arabischen und islamischen Nationen im Allgemeinen sowie ein Angriff auf die Unantastbarkeit von Gotteshäusern während des heiligen Monats Ramadan“. Es rief die internationale Gemeinschaft auf, „sofortige und verbindliche Maßnahmen zu ergreifen“, um die Palästinenserinnen und Palästinenser zu schützen.
Demonstration gegen Siedlergewalt aufgelöst
Am Sonntagabend hatten etwa hundert Menschen in Tel Aviv gegen die Gewalt israelischer Siedler im besetzten Westjordanland demonstriert. Sie warfen der Regierung vor, die Siedler zu unterstützen und deren Gewalt nicht zu sanktionieren. Die Polizei erklärte die Demonstration für illegal und löste sie auf.
Die Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser und palästinensisches Eigentum hat seit dem Angriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 stark zugenommen. Im Jahr 2025 wurden laut OCHA, dem Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten, 1.828 Fälle verzeichnet.
Auch die israelische Armee bestätigte auf Anfrage der „Katholischen Nachrichten-Agentur“ eine Zunahme sowohl der „Häufigkeit als auch der Schwere nationalistischer Straftaten“. Das Militär hatte jüngst selbst erklärt, die Zahl sei von 680 im Jahr 2024 auf über 860 Fälle im Jahr 2025 gestiegen. Die taz berichtete.
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