Loewe Verlag ohne KI: KI hat keine Fantasie
Der Loewe Verlag kennzeichnet seine Kinderbücher mit dem Hinweis, diese seien ohne KI entstanden. Das ist richtig, aber keine generelle Absage an KI.
S eit wenigen Tagen tragen die Buchcover vom Loewe Verlag zumindest in Onlineshops ein kleines Zeichen. Es ist ein dunkelblauer Kreis, in dem in großen weißen Lettern steht: OHNE KI. Weder bei der Betreuung durch den Verlag, noch beim Schreiben und Illustrieren. Schade, dass man darauf aufmerksam machen muss. Gut, dass Loewe, dessen Angebot sich vor allem an Kinder und Jugendliche richtet, es tut.
Dass einige Bücher mithilfe von KI geschrieben werden, ist bekannt, spätestens seit mehrere Autor*innen in manchen Veröffentlichungen versehentlich die Prompts, also die Befehle an die Maschinen, stehen ließen. Vielleicht kann man KI-Müll besonders gut als menschgemachtes Buch tarnen, wenn kein Verlag zwischengeschaltet ist, sondern man selbst verlegt. Ansonsten muss man die Spuren besser verwischen.
Dass KI genutzt wird, um Kulturgüter zu erzeugen, ist zwar nicht immer verkehrt. Die KI kann im Büro helfen, bei der Rechtschreibung, auf Wiederholungen aufmerksam machen, den Überblick über Gesetzmäßigkeiten der erfundenen Welt bewahren. Doch sie ist: repetitiv. Sie wiederholt, was Menschen vor ihr gemacht haben. KI findet nicht zu neuen Geschichten, zu neuen Ideen, zu neuen Sprachbildern. Die KI sollte also nicht bei Geschichten für Kinder und Jugendliche eingesetzt werden. Schließlich geht es bei Kinder- und Jugendbüchern nicht nur um Unterhaltung, sondern darum, grundlegende Werte zu vermitteln und zum eigenständigen Denken anzuregen. Kinder und Jugendliche leben von ihrer Fantasie. Sie haben Geschichten mit Fantasie verdient.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.
Ab August gibt es in der EU eine gesetzliche Pflicht, KI-Inhalte zu kennzeichnen – in Bild, Ton, Text. Doch wer heute kein Problem damit hat, ein Buch mit KI zu schreiben und nur den eigenen Namen darüber zu schreiben, der wird auch morgen kein Problem damit haben. Der proaktive „Keine KI“-Weg des Loewe Verlags ist deswegen eine Möglichkeit, sich gegen die maschinelle Massenware abzusetzen.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!