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Reform des Erneuerbare-Energien-GesetzesSolardächer der Bür­ge­r*in­nen in Gefahr

Susanne Schwarz

Kommentar von

Susanne Schwarz

CDU-Wirtschaftsministerin Reiche will die staatliche Förderung von kleinen Solaranlagen abrupt streichen. Das ist eine richtig schlechte Idee.

Comic: Mario Lars

K leine Solaranlagen sind ein wichtiger Wirbel im Rückgrat der Energiewende – und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will seinen Bruch riskieren. Sie plant, die staatlich garantierte Vergütung für kleine Solaranlagen bis 25 Kilowatt Leistung ab 2027 abrupt zu streichen. Das zeigt ein durchgesickerter Entwurf der anstehenden Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

Mehr als vier Millionen Haushalte haben sich Solaranlagen auf ihre Dächer setzen lassen, nutzen den Strom daraus selbst und speisen den Rest ins Stromnetz ein. Dafür bekommen sie eine garantierte Vergütung. Gibt der Markt sie nicht her, zahlt der Staat den Rest. Das sorgt für Planbarkeit.

Die Anlagen gelten als Erfolgsrezept für ein demokratischeres Energiesystem, das nicht nur ein paar Konzerne zugunsten ihrer Profite gestalten. Ihr Ausbau frisst keine Naturflächen im viel zu vollbetonierten Deutschland. Sie sind quasi über das ganze politische Spektrum hinweg beliebt bei Bürger*innen, selbst weit rechts. Lauter Vorteile.

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Die existierenden Anlagen sind von Reiches Attacke nicht betroffen, sie sollen Bestandsschutz genießen. Immerhin. Es geht aber um neue Anlagen – und die brauchen wir dringend.

Mehr Unsicherheit und Mühe

Das Argument, dass Subventionen nicht für die Ewigkeit laufen sollten und die Energiewende für die Steuerzahlenden nicht teurer werden sollte als nötig, ist nicht grundsätzlich falsch. Das Tempo bei der Energiewende muss aber zunehmen, es darf nicht stagnieren oder gar abnehmen. Es liegt auf der Hand: Verhalten, das der Staat bei Bür­ge­r*in­nen fördern will, sollte er so einfach wie möglich machen. Reiches geplanter Schritt ist das Gegenteil davon – er schafft Unsicherheit und Mühe.

Ex­per­t*in­nen merken außerdem an, dass technische Voraussetzungen für eine einfache und wirtschaftliche Direktvermarktung des Stroms von den Solardächern an vielen Orten noch fehlen. Dazu gehören flächendeckend digitalisierte Stromnetze und -zähler. Wer sich trotz der Hemmnisse überhaupt noch eine Solaranlage aufs Dach setzt, wird sie also wohl eher klein dimensionieren, am eigenen Verbrauch orientieren – nicht an dem, was die Dachfläche platzmäßig ermöglichen würde.

Die Bundesregierung räumt aktuell Klimapolitik ab, wo sie nur kann. Das haben in dieser Woche bereits die Eckpunkte zur Reform des Heizungsgesetzes gezeigt, die einem Abgesang auf die Wärmewende gleichkommen. Dabei muss Deutschland beim Klimaschutz noch aufholen. Seine gesetzlichen Klimaziele schafft es absehbar nicht. Reiche forciert mit ihrer Energiepolitik, dass die Lücke immer weiter aufreißt.

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Susanne Schwarz
Leiterin wirtschaft+umwelt
Jahrgang 1991, leitet das Ressort Wirtschaft + Umwelt und schreibt dort vor allem über die Klimakrise. Hat ansonsten das Online-Magazin klimareporter° mitgegründet.
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1 Kommentar

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  • Die trumpsche Unverfrorenheit, mit der Reiche die Energiewende blockiert und rückabwickeln möchte, ist erschreckend.

    Da stellt sich die Frage nach der Motivation hinter ihrem Handeln. Dummheit als Erklärung scheint mir nicht ausreichend zu sein, so dumm, um die Folgen ihres Tuns nicht zu überblicken, ist wohl selbst Reiche nicht. Irgendein Konzept außer Destruktion ist auch nicht zu erkennen, wäre bei einer von der Union gestellten Ministerin auch verwunderlich.



    Eines scheint mir immer offensichtlicher, um Deutschland die Zukunftsfähigkeit zu nehmen, bedarf es nicht der AfD, das schafft die Union unter freundlicher Mittäterschaft der SPD auch so.