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Warnstreiks im NahverkehrAuch am Samstag bleiben Busse und Bahnen im Depot

Verdi bestreikt seit Freitagfrüh den öffentlichen Nahverkehr in fast allen Bundesländern. Laut den Arbeitgebern liegen „verhandelbare Angebote“ vor. Der Gewerkschaft gehen die Tarifgespräche zu langsam voran.

Am Samstag fährt keine einzige Tram durch Bremen Foto: Focke Strangmann/dpa

dpa/afp | Am Samstag wird in den meisten Regionen Deutschlands weiterhin der Nahverkehr bestreikt. Busse, Trams und U-Bahnen fallen daher aller Voraussicht nach bis auf einzelne Fahrten aus.

Die koordinierte Warnstreik-Aktion begann am Freitagmorgen und brachte den Nahverkehr in den meisten Bundesländern fast vollständig zum Erliegen. Der von der Gewerkschaft Verdi initiierte Arbeitskampf dauert in den meisten Regionen bis in die Nacht auf Sonntag an. Nicht an dem zweitägigen Arbeitskampf beteiligt sind die Bundesländer Niedersachsen und Baden-Württemberg.

In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern größtenteils mit den kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen – etwa durch kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, aber auch durch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt.

In Berlin gingen streikende Beschäftigte am Freitag mit Schildern und Gewerkschaftsfahnen auf die Straße. „Ohne Streik wird sich nichts verändern“, stand auf einem großen Banner der Demonstrierenden. Das Leben werde „immer teurer“, sagte der 45-jährige Busfahrer Thomas Wobke der Nachrichtenagentur AFP. Wenn immer mehr gearbeitet werden solle und es aber immer weniger Geld dafür gebe, sei es „schwierig, eine Arbeitsmotivation“ zu schaffen.

Die großangelegte Warnstreik-Aktion im Nahverkehr ist die zweite im laufenden Tarifkonflikt. Schon am 2. Februar legte Verdi auf diesem Weg den Nahverkehr bundesweit fast vollständig lahm.

Die Arbeitgeber kritisieren diese Strategie immer wieder. „Verdi folgt mit diesem Streik einer bundesweiten Dramaturgie, ohne die Berliner Realität anzuerkennen“, teilten etwa die Berliner Verkehrsbetriebe, das größte Nahverkehrsunternehmen in Deutschland, mit. Und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) pocht auf Kompromissbereitschaft der Gewerkschaften. Es lägen „verhandelbare Angebote auf dem Tisch“, sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann der Rheinischen Post. Die Gewerkschaft müsse nun „die finanziellen Grenzen der Branche und der Kommunen“ berücksichtigen.

Der Verkehrsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Christoph Ploß, warnte in der Zeitung vor den wirtschaftlichen Folgen der Arbeitsniederlegungen. Die permanenten Streiks würden nicht nur die Bürger nerven, „sondern sie belasten auch immer stärker die deutsche Volkswirtschaft“. Die Leidtragenden seien vor allem „Millionen Bürger, die auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen sind“, sagte Ploß weiter. Er appellierte an die Gewerkschaften, „maßvoller vorzugehen“.

Verdi wiederum kritisiert, dass die Gespräche zu langsam vorangehen. „Offenbar verstehen die Arbeitgeber immer noch nicht, dass es auf Dauer keine funktionierende ÖPNV-Daseinsvorsorge mehr geben kann, wenn wir jetzt nicht entscheidend die Arbeitsbedingungen verbessern“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle zum Warnstreik-Aufruf. „Die Kolleginnen und Kollegen brauchen dringend Entlastung – und die Arbeitgeber brauchen ein klares Signal, dass wir entschlossen sind, für unsere Forderungen zu kämpfen.“

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