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Chamenei durch Israel getötetAuf den Tod des Diktators wird kein Frieden folgen

Karim El-Gawhary

Kommentar von

Karim El-Gawhary

Das Mullah-Regime hat seine wichtigste Symbolfigur verloren, aber es wird weitermachen. Wahrscheinliche Szenarien sind eine Militärdiktatur oder Chaos.

Nach den US-israelischen Angriffen auf Iran und dem Tod des Obersten Führers ist die Zukunft des Landes so ungewiss wie nie Foto: Majid Asgaripour/ Reuters

I rans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei ist getötet. Ein Teil des Landes trauert, ein anderer feiert. Was nun? US-Präsident Donald Trump, der den Angriffskrieg gegen Iran zusammen mit Israel begann, fordert die Iraner auf, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Das Regime wird weitermachen, die institutionelle Nachfolge ist geregelt, aber trotzdem hat es seine wichtigste Symbolfigur verloren. Doch es ist unwahrscheinlich, dass eine wenig homogene iranische Protestbewegung in den nächsten Tagen in Teheran die Macht übernimmt.

Es sind zwei andere Szenarien, die als Ausgang wahrscheinlicher sind. Das iranische Regime kommt im Doppelpack daher: mit der Macht der Mullahs, aber auch mit den Revolutionsgarden, die eigentlich eine klassische Militärdiktatur darstellen. Gut möglich, dass die Mullahs beseitigt werden und die Militärdiktatur oder einer ihrer Offiziere versucht, einen Alleingang zu starten. Das Land wäre durch eine Militärdiktatur stabilisiert. Nicht das, was die Protestbewegung im Sinn hat.

Das zweite Szenario wäre das von Chaos und Bürgerkrieg. Denn die Protestbewegung ist stark und laut, aber das Regime hat trotzdem noch genug Unterstützer und Profiteure. Zweiteres ist die große Angst der arabischen Nachbarschaft und der Golfstaaten, die keine Freunde des iranischen Regimes sind. Sie haben vor diesem Angriff auf Iran gewarnt, genau mit dem Argument, dass eine ohnehin fragile Region in noch mehr Instabilität gestürzt wird.

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Dass Golfstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate schon jetzt in der iranischen Feuerlinie stehen, hat System. Dem Regime in Teheran geht es dabei nicht so sehr darum, die USA auf ihren Stützpunkten in der Region militärisch zu treffen. Die iranische Regierung weiß, dass sie militärisch unterlegen ist. Das politische Kalkül der gegenwärtigen Eskalation am Golf ist es, deren Emire und Könige dazu zu bringen, bei Trump zu intervenieren, damit er den Krieg einschränkt und zeitlich begrenzt. Sie wissen: Die Golfstaaten sind wichtige Verbündete Trump und noch wichtigere Geschäftspartner. Ob diese Strategie aufgeht, ist unklar. Das alles findet hinter den Kulissen statt.

Europa spielt in all dem keinerlei Rolle. Die Entscheidung, wie es weitergeht, wird zwischen Trump, Netanjahu und den Golf-Verbündeten Saudi-Arabien, Katar und den Emiraten ausgehandelt. Netanjahu möchte die Gunst der Stunde nutzen und treibt Trump an, weiterzumachen. Die Golfstaaten werden Druck machen, dem Krieg Einhalt zu gebieten. Und Trump wird sich entscheiden müssen.

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Karim El-Gawhary
Auslandskorrespondent Ägypten
Karim El-Gawhary arbeitet seit über drei Jahrzehnten als Nahost-Korrespondent der taz mit Sitz in Kairo und bereist von dort regelmäßig die gesamte Arabische Welt. Daneben leitet er seit 2004 das ORF-Fernseh- und Radiostudio in Kairo. 2011 erhielt er den Concordia-Journalistenpreis für seine Berichterstattung über den Arabischen Frühling, 2013 wurde er von den österreichischen Chefredakteuren zum Journalisten des Jahres gewählt. 2018 erhielt er den österreichischen Axel-Corti-Preis für Erwachensenenbildug.. 2024 bekam er das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich verliehen. Er hat fünf Bücher beim Verlag Kremayr&Scheriau veröffentlicht. Alltag auf Arabisch (Wien 2008) Tagebuch der Arabischen Revolution (Wien 2011) Frauenpower auf Arabisch (Wien 2013) Auf der Flucht (Wien 2015) Repression und Rebellion (Wien 2020)
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