Drei Getötete aus Irans Führungsriege: Der Korrupte, der Eskalator und der Unterdrücker
Ali Shamkhani und Mohammad Pakpour waren Kommandeure der Revolutionsgarden. Aziz Nasirzadeh war Verteidigungsminister.
Neben Ajatollah Ali Khamenei wurden am Samstag bei einem von den USA und Israel durchgeführten Angriff mehrere wichtige Köpfe des Regimes getötet. Ein Überblick über die drei wichtigsten:
Ali Shamkhani: Ein korrupter Stratege
Ali Shamkhani diente der Islamischen Republik über die Jahre in einer Reihe von hohen Positionen: Als hochrangiger Kommandeur der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), Verteidigungsminister und zuletzt Sekretär des Verteidigungsrats. Shamkhani galt als einer der zentralen strategischen Entscheidungsträger des Regimes.
Er wurde 1955 in Ahvaz geboren und studierte zunächst Ingenieurwesen, bevor er sich der Islamischen Republik zuwandte. Er hatte drei Kinder, die mutmaßlich in Ölschmuggel verwickelt waren und Netzwerke zur Umgehung von Sanktionen unterhielten. Sein Sohn kontrollierte wohl eine große Flotte von Schiffen, die kürzlich unter US-Sanktionen gestellt wurden.
Seine Familie galt als ein Symbol für die tief verwurzelte Korruption und der Profitgier innerhalb der Elite des Regimes. Gegen Mitglieder seiner Familie und enge Vertraute wurden Sanktionen verhängt. Ein Video, in dem er seine Tochter in einem tief ausgeschnittenen Brautkleid bei ihrer Hochzeit in einen Saal führte, sorgte unter Iranerinnen und Iranern für Ärger – befürwortete er doch die Durchsetzung des Hijab.
Shamkhani hatte sowohl bei der Unterdrückung innerstaatlicher Proteste als auch bei der Destabilisierung des Nahen Ostens die Finger im Spiel. Er war ein hochrangiger politischer Berater des ebenfalls getöteten Obersten Führers der Islamischen Republik Ali Chamenei. Und er war beteiligt am Unterhalt eines Netzwerks von mit Teheran verbündeten bewaffneten Gruppen in der Region. Das trug jahrzehntelang zur Instabilität im Irak, im Libanon, in Syrien und im Jemen bei.
Sein Tod wird in Iran als Symbol aufgefasst. Eines der einflussreichsten Gesichter des Regimes ist nicht mehr.
Aziz Nasirzadeh: Ein Minister unter den Toten
Aziz Nasirzadeh war Minister für Verteidigung und Logistik der Streitkräfte. Er stand im Zentrum einer Maschinerie, die Terror in der gesamten Region verbreitete – und einen bedeutenden Teil der Militär- und Waffenplanung des Landes leitete.
Nasirzadeh wurde 1964 in Sarab, Ost-Aserbaidschan, geboren und stieg vom Kommandeur der Luftwaffe zum stellvertretenden Chef des Generalstabs der Streitkräfte auf, um schließlich die gesamte Verteidigung des Landes zu lenken. Ein Zeichen bedingungsloser Loyalität gegenüber dem System.
In den letzten Jahren wurde Nasirzadeh zum offenen Fürsprecher der Eskalation der regionalen Spannungen. Er wiederholte immer wieder die Rhetorik der Islamischen Republik zur Zerstörung Israels und schürte das Anheizen von Krisen im Nahen Osten.
Nasirzadehs Haltung war starr und unnachgiebig – fixiert darauf, jeder wahrgenommenen internen oder externen Bedrohung entgegenzutreten. Mit seiner Haltung hatte er zum Beginn des Krieges wohl beigetragen – und damit zu seinem eigenen Tod.
Mohammad Pakpour: Der Revolutionsgardist
Pakpour war hochrangiger Kommandeur der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), die von vielen Regierungen als terroristische Organisation eingestuft wird. Er spielte eine zentrale Rolle innerhalb der Sicherheitsarchitektur der Islamischen Republik – bei der Durchsetzung der inneren Repression und der Ausweitung des militärischen Einflusses Teherans in der Region.
Er wurde 1961 in Arak geboren und trat unmittelbar nach der Revolution von 1979 den Garden bei. Er diente in verschiedenen Führungspositionen, unter anderem als Kommandeur der Landstreitkräfte der IRGC. 2025 wurde er auf direkten Befehl von Ali Chamenei Oberbefehlshaber der IRGC – was ihn ins Zentrum der autoritären Machtstruktur stellte.
Unter Pakpours Befehl wurden Landstreitkräfte wiederholt zur Unterdrückung innerstaatlicher Proteste im Iran eingesetzt. Unabhängige Berichte kritisierten diese Maßnahmen als Menschenrechtsverletzungen und gewaltsame Unterdrückung. In Reden bezeichnete Pakpour Demonstrierende als „Agenten der Unsicherheit“. Das schürte in weiten Teilen der iranischen Gesellschaft tiefes Misstrauen.
Pakpour trug außerdem zur militärischen Koordination mit den Proxies in Syrien, Irak und Libanon bei und stärkte die operativen Verbindungen zwischen der IRGC und diesen von Teheran unterstützten bewaffneten Gruppen.
Für einen bedeutenden Teil der iranischen Öffentlichkeit galt Pakpour nicht als Mann der Verteidigung – sondern als Symbol für innenpolitische Unterdrückung, Missachtung von Freiheitsforderungen und repressive Sicherheitsmaßnahmen.
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