Fußball-WM 2026 in Mexiko: Olé? Oje!
Mexiko-Stadt bereitet sich auf die WM vor. Derweil kämpfen Anwohner im Süden mit Wasserknappheit, steigenden Mieten und den Folgen des Mega-Events.
D rei Monate, bevor in ihrer Nachbarschaft die Fussball-Weltmeisterschaft eröffnet wird, sitzt Natalia Lara in der Abenddämmerung unter einer riesigen Lorbeerfeige, ganz im Süden von Mexiko-Stadt. Lara ist 34 Jahre alt, ihre schwarzen Haare trägt sie lang und seitlich über den Kopf gekämmt. Seit mehr als zehn Jahren ist die Grundschullehrerinin in der Acción Comunitaria organisiert. Fast ebenso lang trifft sich die Gruppe von Gentrifizierungsgegner:innen freitags auf dem kleinen Platz im Arbeiterviertel San Ursula, den sie die Plazuela de la Solidaridad (kleiner Platz der Solidarität) getauft haben.
Mexiko ist ein fußballbegeistertes Land. Auf die WM aber freut sich an diesem Abend hier keiner. Der Grund dafür reicht lang zurück: Das alte Mexiko-Stadt, die Aztekenstadt Tenochtitlán, war auf künstlichen Inseln gebaut. Ein großes Gewässersystem durchzog einst das Hochtal. Heute leben mehr als 23 Millionen Menschen in Mexiko-Stadt, und ihnen geht das Wasser aus. Als Laras Gruppe 2015 anfing zu protestieren, kam im Viertel San Ursula nur an einem Tag im Monat Wasser aus der Leitung. Jetzt immerhin dreimal pro Woche. „Unsere Proteste haben gewirkt“, sagt sie.
Doch nun fürchtet die Gruppe, dass das Wasser bald wieder versiegt. Der Grund liegt nur wenige Gehminuten entfernt: das Stadion Banorte, früher Aztekenstadion, mit über 87.000 Plätzen. Hier fanden die Männer-WMs 1970 und 1986 statt, 1971 spielten die Frauen um den Titel – damals noch ohne Anerkennung durch die Fifa. Am 11. Juni soll dort zum vierten Mal eine WM eröffnet werden.
Seit 2024 wird das Stadion renoviert, am Samstag soll es mit einem Freundschaftsspiel zwischen Mexiko und Portugal wiedereröffnet werden. Noch ist davon wenig zu sehen: Hinter einem Holzzaun ragen Betonsäulen in den Himmel, Arbeiter streichen die Fußgängerbrücken lila – Teil des Projekts „Sichere Straßen für freie Frauen“.
Natalia Lara und ihre Mitstreiter:innen fühlen sich durch die WM aber eher bedroht. Das Stadion gehört dem staatsnahen Televisa-Konzern, im Besitz des Milliardärs Emilio Azcárraga Jean, einer Art lateinamerikanischem Rupert Murdoch. Neben der Modernisierung des Stadions plante Televisa auch ein Großprojekt: das Conjunto Estadio Azteca mit Einkaufszentren, Wohnungen und Hotels.
Bauspekulation und Vertreibung
Bauen darf in Mexiko-Stadt nur, wer eine gesicherte Wasserversorgung nachweisen kann. Das ist für Immobilienentwickler in der Metropole immer schwieriger. Umso wertvoller war da eine 2019, kurz nach dem WM-Zuschlag, von der staatlichen Wasserkommission Conagua an Televisa erteilte Konzession: Mit neuen Brunnen darf der Konzern demnach rund 450 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich rund um das Stadion aus dem Boden pumpen. Laras Gruppe hat das öffentlich gemacht. „Die ganze WM ist vor allem ein Mittel zum Zweck, um langfristig Bauprojekte durchdrücken zu können, die sonst nicht mehr möglich gewesen wären“, sagt Lara dazu.
Teile des Megaprojekts wurden zwar aufgegeben. Die Folgen der Stadion-Aufwertung für die Menschen im Süden von Mexiko-Stadt seien jedoch spürbar, sagt Lara: Bauspekulation und Vertreibung, steigende Mieten, Wassermangel.
Laras Gruppe dokumentierte, wie etwa eine 50-Quadratmeter-Wohnung in dem Stadtteil Ende 2024 noch für umgerechnet 380 Euro zu haben war. Heute kostet die gleiche Wohnung umgerechnet 823 Euro im Monat. Das nah an der UNAM, der größten Universität des Landes, gelegene Viertel San Ursula war lange bei Studierenden beliebt. Hier eine Wohnung neu anzumieten, ist für Studierende aber kaum noch möglich.
Auch der Untergrund wird offenbar instabil: Anfang März brach nahe dem Stadion ein Coca-Cola-Lkw in eine frisch asphaltierte Straße ein, nachdem sich ein Loch gebildet hatte. Für Lara ist das ein klares Zeichen für die Folgen des Wasserentzugs. Mexiko-Stadts Bürgermeisterin Clara Brugada weist das zurück: Die Bauarbeiten und neuen Brunnen verbesserten die Versorgung, den Anwohnern werde kein Wasser entzogen.
Natalia Lara, Acción Comunitaria
Tatsächlich seien die Brunnen, die das Wasser für die umliegenden Wohngebiete liefern, zuletzt mehrfach vertieft worden, von ursprünglich 80 auf nunmehr 350 Meter, sagt Lara – eben weil Televisa offensichtlich immer mehr Wasser verbrauche. „Wenn sie die Brunnen vertiefen müssen, kriegen wir jetzt immer eine Nachricht, dass für zwei Wochen das Wasser ausfällt“, so Lara. Im Sommer, wenn es heiß wird, gebe es schon jetzt oft nur alle sieben bis zehn Tage Wasser. Die Menschen füllen dann Wassertanks auf den Dächern auf. Doch die sind schneller leer, als die Leitungen wieder voll. „Und wenn die ganzen Touristen kommen, wird es noch schlimmer“, fürchtet Lara.
Einige Kilometer weiter nördlich liegt die Plaza San Jacinto, einer der schönsten Plätze in Mexiko-Stadt. Kopfsteinpflaster und alte Villen erinnern an die Kolonialzeit, auch wenn das einstige Dorf San Angel längst in den Süden der Hauptstadt eingemeindet ist. An perfekt instand gehaltenen Altbaufassaden blühen Bougainvillea. Seit Jahrzehnten verkaufen lokale Künstler:innen an jedem Samstag auf dem Platz ihre Werke. Wer in Mexikos Hauptstadt reist, um unter Hashtags wie #mexicomagico Bilder davon posten zu können, landet heute unweigerlich hier. Indigenes, Totenkult und Subkultur verschmelzen zu einer unschlagbar Instagram-tauglichen Ästhetik.
Fünf Millionen WM-Touristen erwartet
Dass auch weiter viele Touristen kommen – das ist die Aufgabe von Carlos Martínez Velázquez. Der Mittvierziger leitet den Tourismusfonds der Hauptstadt. Zum Treffen schlägt er ein Café am Rande der Plaza San Jacinto vor. Er kommt zu Fuß. „Ich wohne hier in der Nähe. Super, oder?“, sagt er.
Velázquez trägt Jeans und ein tabakfarbenes Hemd, Gel im Haar. Wenn er fotografiert wird, schaut er durch seine goldene Brille ins Sonnenlicht, ohne zu blinzeln. Er deutet auf die Straße, die nach Osten führt. Eine halbe Stunde zu Fuß in dieser Richtung ist der berühmte Stadtteil Coyoacán mit dem musealisierten Wohnhaus der Künstlerin Frida Kahlo – mittlerweile eine auf Monate ausgebuchte Attraktion in der Stadt.
„Hier machen wir die Bürgersteige breiter, dann können die Leute zum Public Viewing nach Coyoacán spazieren“, sagt Velázquez. Neue Bürgersteige in nur 100 Tagen? „Wieso nur? Es sind noch 100 Tage“, sagt er.
In dem Café gegenüber der Flux Galerie setzt Velázquez sich an einen der Tische aus rosa Waschbeton. Hier gibt es schwarzen Honig aus Oaxaca, Chiasamen-Limo und Steckdosen für Laptops im Boden. Es ist ein Ort für die internationalen, zahlungskräftigen urbanen Besucher, die die Stadt immer zahlreicher besuchen.
Rund 60 Millionen Menschen reisten im vergangenen Jahr nach Mexiko-Stadt – mehr als je zuvor als in jede andere Stadt Lateinamerikas. Velázquez rechnet mit 5 Millionen zusätzlichen Touristen durch die WM. Für die hat er große Pläne. Die Stadt hat die Tourismusabgabe von 3,5 auf 5 Prozent der Übernachtungspreise erhöht. Umgerechnet rund 250 Millionen Euro kann Velázquez so zusätzlich ausgeben: Für „touristische Korridore“, eine neue Illumination des historischen Zentrums und Investitionen, die auch der Bevölkerung der Stadt zugute kämen, wie er sagt. Neue Radwege etwa oder mehr und „intelligente“ Züge im Süden der Stadt, öffentliche Toiletten.
Das Fanfest auf dem Zocalo, dem riesigen zentralen Hauptplatz vor dem Präsidentenpalast, werde „das größte in der Geschichte sein“, sagt Velázquez. Bei der 600 Quadratmeter großen Leinwand „wird man die Kathedrale dahinter gar nicht mehr sehen.“ Dazu 19 Konzerte, Feuerwerk, alles „total gratis“. Mit 60.000 Besucher:innen jeden Tag rechnet Velazquez. 16 Museen planen Fußball-Ausstellungen, darunter mit Fotos von Annie Leibovitz. Auch das vorkoloniale Aztekenspiel Pelota wird als symbolische Rückkehr des Fußballs inszeniert.
In den USA und Kanada sei Fußball vor allem eine kommerzielle Sache, sagt Velázquez. In Lateinamerika sei es eher eine Sache der Gesellschaft. „Wir denken da nicht so ans Geschäft“, behauptet er.
Velázquez ist Ökonom, hat Außenhandel studiert. Vor Jahren war er als Fellow der FDP-nahen Friedrich Naumann Stiftung in deren Bildungsstätte in Gummersbach. Das wirkt bis heute nach. Die Ticketpreise von weit über 1.000 Dollar für Vorrundenspiele findet er unproblematisch. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Mexikaner bei WMs eine der Nationalitäten seien, die am meisten Geld ausgeben.
„Die Fanbase hier ist sehr stark, die Leute werden ins Stadion gehen und vibrieren, selbst wenn sie sich dafür Geld leihen müssen“, sagt Velázquez. Ohnehin sei Mexiko-Stadt „sehr wohlhabend“, der Durchschnittsverdienst liege bei umgerechnet rund 1.360 Euro im Monat – etwa so viel kostet heute ein WM-Ticket. Wer weniger ausgeben will, kann ja zum Fanfest gehen, so sieht es Velázquez.
Kein Verbot, Wohnung zu entmieten
In Mexiko-Stadt ist ein Hotelzimmer normalerweise im Schnitt für 90 Dollar zu haben. Während der WM werden es 500 Dollar sein. Ob die Regierung dagegen etwas unternehme? Velázquez schaut, als verstehe er die Frage nicht. „Das sind die niedrigsten Hotelpreise aller 16 WM-Spielorte“, so sieht er das. Die mexikanische Verbraucherschutzagentur habe durchgesetzt, dass stets der volle Übernachtungspreis, ohne undurchsichtige Gebühren wie in den USA, angezeigt werden müsse. Mehr Regulierung sei nicht nötig.
Die Unterkunftspreise strahlen dabei zweifellos auch in den Mietmarkt aus. Denn trotz der Massen an Laptop-Nomaden, die zum Arbeiten auch außerhalb der WM-Zeit nach Mexiko-Stadt kommen, gibt es bis heute kein Verbot, Wohnungen zu entmieten, um sie danach über AirBnB anzubieten. Es dürfen nur nicht mehr als 180 Nächte im Jahr sein. Eine Preisobergrenze gibt es dabei nicht, die Stadt kassiert nur eine Abgabe von 5 Prozent. Handlungsbedarf sieht Velázquez nicht. Die jährliche Mietsteigerung in der Stadt liege in etwa auf dem Niveau der Inflationsrate von 3 bis 4 Prozent. „Nicht besonders hoch“ findet er das.
Das passt nur bedingt zu den Bemühungen der linken Präsidentin Claudia Sheinbaum, die WM unter dem Motto „Mundial Social“ (soziale Weltmeisterschaft) zu präsentieren. Sheinbaum ist Klimawissenschaftlerin und war Bürgermeisterin der Hauptstadt. Seit 18 Monaten ist die Politikerin der linken Sammlungsbewegung Morena im Amt und kann sich enormer Zustimmungswerte erfreuen.
Fast 77 Prozent der Mexikaner:innen sind laut einer in dieser Woche veröffentlichten Umfrage des Marktforschungsunternehmens Tresearch mit ihrer Amtsführung zufrieden. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil die US-Regierung ihr das Leben nach Kräften schwer macht. Die enorme Menge mexikanischer Exporte in die USA hat Trump mit Zöllen verteuert und weitere Zölle angedroht, um Sheinbaum gefügig zu machen. Die hat indes die Parole „Kooperation, keine Unterwerfung“ für den Umgang mit Washington ausgegeben und sich damit nach Meinung vieler im Land gut behauptet.
Sheinbaum ist auch wegen ihrer sozialpolitischen Linie so populär. Unter anderem interessiert sie sich für das Konzept antifaschistischer Wirtschaftspolitik der in den USA lehrenden, deutschen Ökonomin Isabelle Weber. Die wirbt unter anderem für Preisregulierung zur Begrenzung der Lebenshaltungskosten.
Bei der WM allerdings ist von Sheinbaums sozialer Handschrift nur wenig zu erkennen. Das Projekt „Mundial Social“ ist mit Fan-Festen, Wandbildern, einer Roboterfussball-WM und der Aufwertung von Fußballplätzen im Land eher symbolischer Art. Denn allein die Fifa rechnet durch die WM in diesem Jahr mit Einnahmen von bis zu 11 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommen Milliarden an Umsatzplus für die WM-Sponsoren wie Coca Cola, Adidas, Hyundai, McDonalds oder Unilever. In den USA und Kanada müssen Fifa und die Sponsoren auf WM-generierte Einnahmen reguläre Steuern bezahlen – in Mexiko nicht. Der bis 2018 amtierende Präsident Enrique Peña Nieto ließ sich von der Fifa eine zehnjährige, komplette Steuerbefreiung aus der Nase ziehen.
Sheinbaum hatte versucht, dies rückgängig zu machen. Ihre Regierung verweist auf „enorme Erfolge“ bei Verhandlungen mit der Fifa. Die Steuerbefreiung sei nun auf ein Jahr begrenzt. Doch das ist just das Fiskaljahr 2026, in dem die WM stattfindet. In der Zeit, in der das Geld sprudelt, können die Fifa und ihre Sponsoren also unbesteuert abkassieren. Die Diskussion über die Frage, wer von dem Milliarden-Dollar-Spektakel profitiert, ist indes zurückgetreten hinter die Frage nach der Sicherheit.
Als El Mencho, der wohl mächtigste Drogenboss der Welt, im Februar von Mexikos Armee getötet wird, nehmen seine Handlanger Rache. Die Narcos blockieren Straßen, zünden Geschäfte an, morden. Viele fürchten, die Gewalt des Kartells Jalisco Nueva Generacion werde eskalieren. Und fragen: Kann es so eine Fußball-WM geben? Müssten die 13 ab Juni in Mexiko geplanten Spiele nicht in die USA und nach Kanada verlegt werden?
Zwar halten die meisten im Land die Tötung des mächtigen Kartellbosses, auf dessen Konto rund 75.000 Morde gehen sollen, rückblickend für einen Erfolg. Und in Sheinbaums Amtszeit fiel die Mordrate auf den niedrigsten Wert seit 2007: 11,1 Menschen je 100.000 Einwohner:innen kamen in Mexiko 2025 gewaltsam zu Tode. Es ist ein großer Fortschritt. Doch die Sorge vor der Rache der Narcos und neuen Kämpfen der Kartelle bleibt aber allgegenwärtig.
Ende Januar hatten unter anderem eine Gruppe von EU-Abgeordneten sowie der Präsident des FC St. Pauli und DFB-Vize Oke Göttlich einen Boykott der WM in den USA gefordert – wegen der Menschenrechtsverletzungen der Trump-Regierung. Vergangene Woche hatten Göttlich und andere die Forderung bei einer Veranstaltung der Grünen-Bundestagsfraktion namens „Fußball‑WM 2026: Ein Eigentor für die Menschenrechte?“ wiederholt. Doch außer Göttlich will im DFB niemand davon etwas wissen. „Alle haben Angst. Keiner traut sich, zu sagen, was er fühlt“, sagte Göttlich dazu. Bei Mexiko hatte der DFB weniger Hemmungen. Nach den El-Mencho-Ausschreitungen behauptete Andreas Rettig, der Geschäftsführer des DFB, es gebe eine „kriegsähnliche Situation“ im Land.
„Das haben wir natürlich aufmerksam wahrgenommen“, sagt Gabriela Cuevas. Sie war einst Senatorin für die konservative Partei Pan. Als sich 2018 der Wahlsieg für Sheinbaums Vorgänger, den linken Präsidentschaftskandidaten Andrés Manuel López Obrador („Amlo“) abzeichnete, trat sie Morena bei. 2024 ernannte Sheinbaum sie zur Beauftragten für die WM-Organisation.
Von der El-Mencho-Festnahme habe sie auch erst aus den Medien erfahren, sagt Cuevas im Gespräch mit der taz. Die Reaktionen, unter anderem aus Deutschland, fand sie unter anderem deshalb erstaunlich, weil exakt am selben Tag Vertreter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer in Mexiko-Stadt über die „Stärkung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen“ verhandelten.
Mehr als 2.000 deutsche Unternehmen, darunter Volkswagen, sind in Mexiko vertreten. „Der eine Funktionär beschwert sich aus der Ferne über die Sicherheit, die anderen kommen her und wollen investieren. Das zeigt doch, dass sie Vertrauen in die Lage hier haben“, sagt Cuevas. Und überhaupt: „In weniger als 72 Stunden war alles wieder normal – jede Schule, jeder Laden war normal geöffnet.“ Auch zur Präsentation des WM-Pokals im Stadion von Guadalajara, nur wenige Tage nach den Narco-Attacken, seien massenhaft Menschen gekommen. „All das spricht dafür, dass wir beim Thema Sicherheit Taten sprechen lassen.“
Während der WM selbst soll nun ein Plan namens Kukulcán – benannt nach dem in Mexiko allgegenwärtigen Maya-Gott in Gestalt einer gefiederten Schlange – die Sicherheit garantieren. „Den haben wir in 23 einzelnen Arbeitsgruppen mit Vertretern der Fifa, den USA und Kanada ausgearbeitet“, sagt Cuevas. „Und der wird jetzt umgesetzt.“
Vertrauen dazu hat offenbar die iranische Nationalmannschaft. Deren Vorrundenspiele sind von der Fifa bisher in Los Angeles und Seattle vorgesehen, die Unterbringung ist in Tucson/Arizona geplant. Doch nach dem Angriff der USA auf das Land bat der iranische Fußballverband die Fifa um Verlegung der Spiele nach Mexiko. Bisher lehnt die Fifa dies jedoch ab.
100.000 staatliche und private Sicherheitskräfte sollen die drei WM-Orte Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterey schützen – unter anderem mit Drohnen, Radar und Aufklärungs- und Abfangflugzeugen der Luftwaffe. Anfang März veröffentlichte die Regierung ein Social-Media-Video, um Sicherheitsbedenken zu zerstreuen. Nach einer Anfangssequenz mit Tacos, Sombreros und Mariachis sind darin minutenlang vor allem Soldaten und Hubschrauber zu sehen.
Zu den zusätzlichen öffentlichen Personalausgaben gebe es keine Zahlen, sagt Cuevas. Die meisten Investitionen hingegen – etwa die rund 400 Millionen Dollar für die laufende Modernisierung des Hauptstadtflughafens „hätten sowieso getätigt werden müssen“. Nur rund 2 Milliarden Dollar gebe die Regierung zusätzlich für die WM aus – unter anderem für die Aufwertung von Sportplätzen im Land. „Die Einnahmen durch die WM werden weitaus höher sein.“
Natalia Lara von der Accion Popular überzeugt das nicht. Die Ankündigung, immer mehr Soldaten an den WM-Stätten einzusetzen, macht ihr eher Angst. „Neulich haben sie nachts Obdachlose aus der Gegend um das Stadion abtransportiert. Mal sehen, wie lange sie unsere Proteste da dulden“, sagt Lara. Die größten Probleme für die Bewohner der Stadtteile rund um das Stadion seien die Folgen der Neubauten. „Die WM verschlimmert das“, sagt Lara. Und die Mexikaner hätten von dem Turnier nichts. „Manche haben gesagt, wir sollen die WM boykottieren.“ Aber dazu müsste man sich ja überhaupt erstmal ein Ticket leisten können. „Wer soll denn 1.500 Dollar dafür bezahlen können?“
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