Chinas neues Klimaziel: Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr
China setzt sich im Fünf-Jahres-Plan ein laxes Klimaziel. 2025 hat das Land aber mehr Solar- und Windkraft gebaut als der Rest der Welt zusammen.
China hat sich ein bescheidenes Klimaziel für die kommenden fünf Jahre gesetzt. Der nationale Volkskongress, der einmal im Jahr zusammentritt, peilt für den neuen Fünf-Jahres-Plan an, den CO₂-Ausstoß gemessen an der Wirtschaftsleistung um 17 Prozent zu senken.
Diese sogenannte CO₂-Intensität ist nicht gleichbedeutend mit einem Rückgang der CO₂-Emissionen des Landes. Das Ziel bedeutet stattdessen, dass die Wirtschaft wachsen und so insgesamt mehr CO₂ ausstoßen darf, aber der Ausstoß pro erwirtschaftetem Yuan sinken soll. Beobachter*innen hatten im Vorhinein gehofft, der nationale Volkskongress setze sich ein konkretes CO₂-Reduktionsziel.
Für den Fünf-Jahres-Plan, der bis 2025 lief, hatte der nationale Volkskongress eine um 18 Prozent sinkende CO₂-Intensität gefordert. Dieses Ziel hat China um 6 Prozentpunkte verfehlt. Laut Präsident Xi Jinping soll die Volksrepublik bis 2030 den Gipfel seiner Emissionen erreichen und 2060 nicht mehr CO₂ ausstoßen, als auch gebunden wird.
„Wir werden tatkräftig und gleichzeitig umsichtig auf den Gipfel der CO₂-Emissionen und auf CO₂-Neutralität hinarbeiten“, sagte der chinesische Premierminister Li Qiang am Donnerstag vor dem Nationalen Volkskongress.
Der China-Experte Lauri Myllyvirta vom Centre for Research on Energy and Clean Air sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das neue CO₂-Intensitätsziel sei „alarmierend lax“. Es erlaube einen Anstieg des CO₂-Ausstoßes um drei bis sechs Prozent über die nächsten fünf Jahre, wenn man das ebenfalls vom Nationalen Volkskongress verabschiedete Wirtschaftswachstumsziel von 4,5 bis 5 Prozent zugrundelegt. Damit verfehle Peking auch sein Klimaziel, die CO₂-Intensität seiner Wirtschaft bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zu 2005 zu senken. Das Ziel hatte sich die Volksrepublik im Rahmen des Pariser Klimaabkommens gesetzt.
Emissionsgipfel erreicht?
„Chinas Ansatz ist weiterhin, Erneuerbare Energien und grüne Industrien auszubauen und sich auf sinkende Kosten und wachsende Mengen Erneuerbarer Energie zu verlassen, um die CO₂-Emissionen zu verringern“, sagte Myllyvirta.
Seinen Analysen zufolge sind die chinesischen Emissionen allerdings schon seit 21 Monaten entweder stagniert oder gefallen. Peking spricht trotzdem weiterhin noch nicht davon, seinen Emissionsgipfel erreicht zu haben.
China ist der weltgrößte CO₂-Emittent und für knapp ein Drittel der globalen Emissionen verantwortlich. Ein anhaltender Rückgang des chinesischen Ausstoßes ist daher entscheidend, wenn die weltweiten Emissionen sinken sollen.
Die Chemiebranche treibt die Emissionen
In China wurden im vergangenen Jahr 315 Gigawatt zusätzlicher Kapazitäten für die Erzeugung von Sonnenstrom und 119 Gigawatt zusätzlicher Kapazitäten für die Stromerzeugung aus Wind gebaut. Das ist jeweils mehr, als der Rest der Welt zusammengenommen 2025 ans Netz gebracht hat.
Gleichzeitig stiegen die CO₂-Emissionen aus dem Chemiesektor deutlich. Myllyvirta zufolge wären die chinesischen Emissionen 2025 um 2 Prozent statt 0,3 Prozent gefallen, wenn in den Chemiewerken des Landes nicht so viel Kohle und Öl verwendet worden wären.
Entsprechend nahm der nationale Volkskongress auch ein Versprechen zurück, den Kohleverbrauch zu reduzieren. Stattdessen fordert er nur die Stagnation des Kohleverbrauchs. Das lässt Platz für die weitere Kohlenutzung im Chemiesektor, wenn die Verstromung von Kohle wie bisher abnimmt. Der Boom der Erneuerbaren in China könne aber „wirklich dafür sorgen, die CO₂-Emissionen weiter sinken zu lassen“, hofft Myllyvirta.
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