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„Forbes“-Liste der MilliardäreWie viele Jahrhunderte lang kann Elon Musk Schnitzel essen?

Uli Hannemann

Kommentar von

Uli Hannemann

2025 wurden 400 Menschen zu neuen Milliardären. Musk verdoppelte sein Vermögen auf 725 Milliarden. Absurde Zahlen, begreifbar nur durch den Schnitzelvergleich.

Drei bis fünf Schnitzel pro Tag gehen auf jeden Fall Foto: Peter Granser/laif

I st das nicht schön? In nur einem Jahr ist laut dem US-Magazin Forbes die Zahl der Milliardäre weltweit um 400 gestiegen. Allein Elon Musk hat sein Vermögen auf 725 Milliarden Dollar verdoppelt. Doch bei aller Freude bleiben Fragen: Was machen die eigentlich mit der ganzen Kohle: hineinspringen und wie ein Maulwurf darin herumwühlen? Oder zünden sie ihren Wohnzimmerkamin mit Geldscheinbündeln an?

Auf uns Normalverdienende wirkt das doch sehr abstrakt. Wie können wir uns solche Summen, dem Geldkreislauf entzogen und dem Rest der Bevölkerung vorenthalten, überhaupt imaginieren?Und da kommt Gerd Müller ins Spiel, der selige „Bomber der Nation“, der ein Traumangebot des FC Barcelona mit den Worten abgelehnt haben soll: „I kann doch ned mehr als ein Schnitzel am Tag essen.“

Aber freilich hätte er können. Drei bis fünf Schnitzel gehen auf jeden Fall. Legen wir für unsere Milliardäre einmal Kalbsschnitzel à 50 Euro das Kilo zugrunde, das entspricht etwa fünf Schnitzeln. Oder Schweineschnitzel à 20 Euro das Kilo.

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Eine ungewohnte Down-to-Earth-Erfahrung

Steht ein gewöhnlicher (ca. 100 Milliarden) Milliardär in der eigenen Küche, um sich – nicht aus Not, sondern als in seiner Bodenständigkeit schon wieder megaprätentiöses Hobby, mit dem er in einer Homestory für zum Beispiel Forbes punktet – seine fünf Schnitzel (Frühstück, Brotzeit, Lunch, Vesper und Abendessen) selber zuzubereiten, könnte er das 5,5 Millionen Jahre lang durchziehen – mit Schweineschnitzel immerhin 14 Millionen Jahre, aber das schmeckt natürlich weniger exquisit.

Oder er serviert seinen Mitreichen, falschen Freunden, Parasiten, Arschkriechern und Groupies auf seinen zahlreichen Yachten täglich zahllose Mahlzeiten. Aber immer nur auf einer Yacht, denn wie hätte Gerd Müller gesagt?: „I kann doch ned mehr als wie mit einer Yacht am Tag umanand segeln.“

Wichtig ist noch die Frage, ob der Fleischer Tesla-Aktien nimmt, da ein Großteil von Elon Musks Vermögens darin gebunden ist. Wenn nein, muss der Mann nämlich wie wir alle erst mühsam in seinem Geldbeutel kramen, und später nach dem Genuss von nur wenigen hunderttausend Schnitzeln hungrig zu Bett gehen. Was für eine ungewohnte Down-to-Earth-Erfahrung.

Noch weniger Schnitzel gibt es, wenn man sie nicht selbst zubereitet, sondern in einem legendären Milliardärsschnitzelrestaurant essen geht. Dort werden die Schnitzel aus schaumgeborenen Kälbern gesäbelt, die mit Champagner aus der Flasche großgezogen, einer teuren Mittelstreckenrakete getötet und anschließend mit Gold paniert wurden. Kostenpunkt fünftausend Dollar, mit Kartoffelsalat zehntausend.

Bittere Absurdität

Da ist für einen ärmeren, nur fünffachen Lumpenmilliardär schon nach fünfhunderttausend Portionen Schluss. Davon fünf am Tag, hunderttausend Tage lang, da wird es dann im Grunde schon recht übersichtlich – das sind ja nicht mal dreihundert Jahre. Im Grunde verdienen diese Menschen viel zu wenig.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, liebe Lesys, aber für mich ist hier leider längst der „point of joke“ überschritten, ab dem eine Person, eine Sache, ein Zustand derart aberwitzig wird, dass die Absurdität die eigentlich so bitter nötige Wut erstickt, die es braucht, um diesen Zustand ändern zu wollen oder wenigstens diese Person zu hassen.

Das gilt auch für Musk. Was denkt, was fühlt, was macht man angesichts einer so mächtigen Witzfigur? Dieser Mensch ist völlig kaputt. Er hat in seinem ganzen Leben noch nichts Konstruktives geschafft. Er hat auch nichts erfunden, wie gern behauptet wird, er kapert oder kauft Erfindungen und Erfinder. Seine emotionale Intelligenz ist gleich Null. Seine Kinder hassen ihn. Er ist drogensüchtig. Er weiß nichts von der Welt. Er ist wahrscheinlich zu dumm, um böse zu sein.

Um hier mal den Unterschied zu illustrieren: Wenn Putin stirbt, werde ich jubeln, als ob für mein Team ein wichtiges Tor fällt. Musk hingegen kann meinetwegen leben oder sterben, verarmen oder Fantastilliardär werden, er kann Tofu- oder Pandabärschnitzel essen, jeden Tag drei oder drei Millionen – es ist mir egal.

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Uli Hannemann
Seit 2001 freier Schreibmann für verschiedene Ressorts. Mitglied der Berliner Lesebühne "LSD - Liebe statt Drogen" und Autor zahlreicher Bücher.
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19 Kommentare

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  • Herr Hannemann macht den Fehler, dass er eine Preisstabilität beim Schnitzel unterstellt. Da uns die letzten Krisen (Corona, Ukraine und Iran) deutlich vor Augen geführt haben, dass sich das ganz schnell ändern kann, sollte jeder ein gewisses finanzielles Polster aufbauen.

    Und wenn dann irgendwann mal weltweit ein Fleischbann kommen sollte, dann kann er es sich leisen, hinreichend Fleisch für sich und seine Liebsten einzufrieren. Wobei er angeblich Dry-Aged-Rindfleisch bevorzugt.

    Zumindest insoweit hat Herr Musk wohl alles richtig gemacht.

  • "Wie können wir uns solche Summen, dem Geldkreislauf entzogen und dem Rest der Bevölkerung vorenthalten,..."



    Damit beweist ein Taz-Autor wieder einmal ein unterkomplexes Verständnis der Wirtschaft, der Märkte und des Geldkreislaufs.



    Falls der Autor in irgendeiner Art und Weise für sein Alter vorsorgt, sollte er sich mal erkundigen, wie die dafür notwendigen Zinsen (böses Wachstum) erwirtschaftet werden. Ich würde mich nicht wundern, wenn in irgendeiner verwalteten Anlageform sich Aktien der Firmen der Milliadäre fänden.

  • Sehr schöner, plakativer Vergleich.



    Ganz besonders hat mir die Verwendung



    des genderkorrekten Begriffs "Lesys" gefallen. Journalismus braucht mehr Humor. Also, weiter so!

  • Mega - schöne Herangehensweise! Fantastilliardär merk’ ich mir…



    Mir fehlt vielleicht noch der verträumte Ansatz, wieviele Veggieschnitzel Herr Musk der Menschheit gönnen könnte, wenn er sich mit Family gleich morgen auf den Mars absetzen würde….

  • Dafür, dass dem Autor Musk egal ist, arbeitet er sich ganz schön an ihm ab.

  • Manchen geht bei diesen Summen reicher Menschen einer ab - inklusive schlechter Vergleiche.



    Man hätte in die Richtung recherchieren können, dass der Normalmeschen nur ein echtes Gefühl für 200.000 Euro hat - alles darüber entzieht sich der Wahrnehmung. Aber Neidreflexe unterdrücken wohl diese interessanten Fragen und man bedient lieber den linken Stammtisch.

  • Danke, vor allem für den Plot-Twist am Ende: diese Gier der Musks und Bräzos dieser Welt ist dermaßen ohne jede Grenzen und ohne den letzten Funken von Maß oder Verstand, dass es in seiner Absurdität uns kleine Tofuwürstchen nur noch gelähmt und mit fassungslos offenem Mund zuschauen lässt, wie diese goldpanierten Schnitzelinkarnationen unsere Welt der Pulverisierung entgegenjagen.

  • Wieso soll das Vermögen von Elon Musk dem Geldkreislauf entzogen worden sein wenn es überwiegend aus Unternehmensanteilen besteht?



    Das verstehe ich nicht

  • Es handelt sich dabei nicht um Bar- oder Privatvermögen. Insofern sollten die Schnitzelzahlen nochmal überprüft werden.

  • Sehr gelungener Artikel!!



    Aber keine Bange, bald hat es sich ausgeschnitzelt. Es sei denn im Bunker schmeckt das Schnitzel besonders gut.

  • Davon ab, dass die Zahl rein spekulativ ist und auf völlig absurd überbewerteten Unternehmungen E.M.s basiert (Teslaaktionäre zahlen derzeit 1 Mio Dollar für ein produziertes Auto...), ist es komplett egal: Da Musk dieses (scheinbare) Vermögen eben nicht verfrisst ist, es schlicht egal, ob diese Unternehmen ihm gehören oder irgend einem Staat oder was auch immer (wobei der Staat wiederholt nachgewiesen hat, dass er kein so guter Unternehmer ist).



    Wirtschaft ist nicht nur ne Kneipe...

  • Das mit den Schnitzeln mag uns ja ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

    Aber das Lächeln gefriert schlagartig wenn man sich vor Augen führt dass Die auch mal schnell sämlichen Reis der Erde, oder Weizen, oder Mais oder was auch immer aufkaufen könnte um Milljarden Menschen verhungern zu lassen.

  • Das mit den Schnitzeln ist ja ganz lustig. Aber ich empfehle: Reichtum maßstabsgetreu (eattherichtextform...-pixel-wealth/de/). Einfach mal eine Stunde nach rechts scrollen.

  • Nein Herr Muask besitzt kein Vermögen von 725 Miliarden Dollar. Aktien sinds kein Vermögen. Die Wirecard Aktie hat mal 164,00 € gekostet, heute gibt es die für 0,02 €. Beim neuer Markt wurden 300 Miliarden € verbraten. Und für den Kauf von Twitter für 40 Miliarden Dolar musste Herr Musk Kredite aufnehmen. Der Wert von Aktien wird beim Verkauf festgelegt. Das muss aber nicht der Aktienkurs an der Börse sein

    www.spiegel.de/wir...-a125-bfb4fa63808f



    Die Kredite in Höhe von rund 13 Milliarden Dollar, die Banken Elon Musk für den Kauf von X (ehemals Twitter) gaben, sind für sie bisher offenbar ein schlechtes Geschäft. Üblicherweise reichen Kreditinstitute solche Schulden schnell an andere Investoren weiter. Doch in diesem Fall blieben die Banken selbst auf den Krediten sitzen, wie das »Wall Street Journal« berichtet. Der Grund sei, dass sie diese angesichts der schwachen finanziellen Lage des Onlinedienstes nur mit hohen Abschlägen loswerden können.

  • Zitat: - "solche Summen, dem Geldkreislauf entzogen und dem Rest der Bevölkerung vorenthalten"



    .



    Natürlich ist solcherlei Milliardärswesen gänzlich überflüssig, aber die in dieser Formulierung verborgene Geldfiktion dennoch anzuzweifeln. Es handelt sich ja um Bewertung von Vermögen, das, wenn es wirklich liquidiert würde, schnell um Größenordnungen eingedampft wäre. Und selbst wenn dieses Vermögen zu Geld gemacht und nachfragewirksam werden könnte, dann würde dem ja kein entsprechendes Angebot an Gütern und Dienstleistungen zur Verfügung stehen. (Wenn wir alle Güter als Schnitzel betrachten: Wo sollen die ganzen Schweine untergebracht und womit sollen sie gefüttert werden?)



    .



    Also Musk & Co. sind gewiss nutzlos und darüber hinaus politisch gefährlich. Aber ihr Vermögen ließe sich auch unter einer sozialistischen Weltregierung nicht in einen Goldesel verwandeln, der die allgemeine Wohlfahrt voranbringt.

  • 👍Klasse!

  • thumbs up!

    Prä-Australopithecus muskii hätte jeden Tag ein Kalbsschnitzel essen können und die Evolution von Homo sapiens mit ansehen können.

    Ob es 5 Mio Kalbsschnitzel später noch die Gattung Homo gibt? Viel spricht nicht dafür.

    Ob allerdings die hoffnungslos irreal bewerteten Tesla Aktien solange eingelöst werden können, ist auch sehr fraglich. Das Dumme ist nur, dass eine plötzliche Abwertung mit relativer Wahrscheinlichkeit zu einem größeren Crash führt. Daher wird sie lieber weiter gepampert, unabhängig ihrer Produktionsgrundlage.

  • Man kann den Unterschied zwischen einer Million (was vielleicht noch einigermaßen im Vorstellungshorizont liegt, lt. Bundeskanzler Merz ist das ein Mittelschichtjahreseinkommen, und mancher Auto- oder sonstiger Industrieboss muss dafür immerhin einen ganzen Monat arbeiten) und einer Milliarde auch so veranschaulichen:

    Wenn der Millionär jeden Tag einen Tausender raushaut kann er das ungefähr 3 Jahre lang machen. Beim Milliardär reicht es dann schon für zirka 3000 Jahre.

    Bei Musk dann für 2.175.000 Jahre. Was in 2 Millionen Jahren sein wird weiß man nicht. Was vor rund 2 Millionen Jahren auf der Erde los war können Sie selber googlen.

  • Frage für einen Freund:



    Kann man als Milliardär auch mehr als ein Tofu-Schnitzel am Tag essen?



    In memoriam Gerd Müller