Spendenaktion in Ostdeutschland: Campact will eine Million mehr
Für den „NoAfD-Fonds“ hat der Verein sein erstes Ziel fast erreicht. Doch es gibt noch einen Grund, weshalb er noch mehr Geld sammeln möchte.
Was soll Mamad Mohamad da schon sagen? „Eine AfD-Regierung würde die Landesfinanzierung für uns stoppen. Die Hälfte unserer Mitarbeiter wäre dann von Entlassungen betroffen“, sagt der Geschäftsführer des Landesnetzwerks Migrantenorganisationen in Sachsen-Anhalt (Lamsa). Entsprechend freue er sich über die Spendenaktion des Kampagnenvereins Campact.
Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern in diesem September sammelt Campact Geld. Mit dem sogenannten „NoAfD-Fonds“ will der Verein in den beiden Bundesländern Organisationen unterstützen und eigene Aktionen finanzieren. Bislang lautete das Ziel: 1,5 Millionen Euro. Nun legt Campact die Latte höher: 2,5 Millionen Euro. Das habe zwei Gründe, erklärt der Verein.
Luise Neumann-Cosel, Campact
Erstens: Das ursprüngliche Ziel sei schon fast erreicht. An diesem Donnerstagmorgen seien bereits 1,4 Millionen Euro gesammelt. „Das ist Campacts größte Crowdfunding-Kampagne gegen Rechtsextremismus bislang“, erklärt Luise Neumann-Cosel, Leiterin Politik und Kampagnen bei Campact. Mehr als 36.000 Einzelspenden seien eingegangen. Bis zu den Wahlen ist es aber noch ein halbes Jahr hin.
Zweitens: Schon die Summe von 1,5 Millionen Euro Spenden orientierte sich offensichtlich an einer Marke, die die AfD gesetzt hatte. Vergangenes Jahr im Mai erklärte deren Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, für seinen aufwendigen Wahlkampf seien 1,5 Millionen Euro nötig. Im Februar hat der AfD-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm, laut Spiegel angekündigt, seine Partei wolle im Wahlkampf bis zu einer Million Euro ausgeben. Nun zieht Campact nach.
„Wahl ist noch nicht entschieden“
Aktuell führt die AfD in beiden Bundesländern die Umfragen an. Obwohl es in der Partei selbst Streit über die vorherrschende Vetternwirtschaft gibt, bekam sie vergangenes Wochenende bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ihr bisher höchstes Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland.
Nach Angaben von Campact soll etwa die Hälfte der Spenden an andere Organisationen in beiden ostdeutschen Bundesländern gehen. Bei einem Ziel von 2,5 Millionen Euro wären 650.000 Euro pro Land für Demokratie-Initiativen vor Ort vorgesehen. Eine solche ist Lamsa, das Migrantennetzwerk aus Sachsen-Anhalt. Geschäftsführer Mohamad sagt, sollte die AfD gewinnen, hätte das besonders für Menschen mit Migrationsgeschichte Konsequenzen. Das zeige sich schon im Entwurf des „Regierungsprogramms“ der AfD. Darin ist etwa von einer „Abschiebe- und Remigrationsoffensive“ die Rede.
„Jeder Euro der reinkommt, hilft“, erklärt Mohamad. Aber so ehrlich wolle er sein: „Wenn die Landesmittel wegfallen, können die Spenden das nicht kompensieren.“
Wie schon früher vor Landtagswahlen, versuche Lamsa aktuell mit Aktionen die Demokratie zu stärken. Derzeit organisiere das Migrationsnetzwerk dafür Haustürgespräche. „Das soll die Leute erinnern, was ihre Stimme bedeutet“, sagt Mohamad. Finanziert werde das mit Geld von Campact, Lamsa habe bereits 55.000 Euro bekommen. Laut Campact stammt das Geld aus dem „NoAfD-Fonds“.
Er selbst beteilige sich aber nicht an den Gesprächen, sagt Mohamad. Der Lamsa-Geschäftsführer kandidiert bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für die Grünen auf Listenplatz 4. „Lamsa bleibt unabhängig von meiner Kandidatur überparteilich“, versichert Mohamad. Er wolle nicht, dass das bei den Türgesprächen vermischt werde.
Trotz der Umfragen glaubt Mohamad: „Die Wahl ist noch nicht entschieden.“ Die Wähler:innen in Sachsen-Anhalt gelten als wechselhaft. Einfach werde es aber nicht, einen Sieg der AfD zu verhindern, sagt er: „Am Ende kommt es hier auf die Zivilgesellschaft an.“
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