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Fritz-Kola sponsert CDULinksruck an der Cola-Front

Fridolin Haagen

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Fridolin Haagen

Fritz-Kola gilt als linke Cola. Weil die Firma Sponsor des CDU-Parteitags war, wird sie nun heftig attackiert. Dürfen Linke jetzt noch Fritz trinken?

Mehr Schwarz als Grün? Das ist nicht cool Foto: Marcus Brandt/dpa/picture alliance

D ie Debatte, ob man als Linker Cola trinken darf, ist so alt wie Coca-Cola. Inzwischen gibt es allerlei Alternativen zu dem einst als Imperialisten-Gesöff verschmähten Getränk aus den USA. Doch auch bei den Alternativen finden Linke immer wieder dunkle Flecken. Das jüngste Ziel linker Kritik an koffeinhaltigen Getränken ist das Hamburger Unternehmen Fritz-Kola. Das nämlich ist als Sponsor des CDU-Parteitags aufgetreten.

Online hagelte es Kritik, unter den Posts von Fritz-Kola auf Instagram geht es um kein anderes Thema mehr. In einer Rechtfertigung des Unternehmens heißt es, dass mit dem bisherigen gesellschaftspolitischen Engagement nichts Entscheidendes erreicht werden konnte. Deswegen habe sich das Unternehmen entschieden, sich direkt an die Parteien zu wenden und an die Grünen, die SPD, die CDU und die FDP Geld zu spenden. Nicht aber an die Linken, da die Spenden von Unternehmen prinzipiell ablehnen.

Mit dieser Erklärung inszeniert sich das Unternehmen Fritz-Kola als aktiver Kämpfer gegen den Faschismus und will als Lösung nicht als Problem gesehen werden.

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Fritz-Kola, so viel sei gesagt, war natürlich nur einer unter Dutzenden Sponsoren des CDU-Parteitags. Mit der gleichen Vehemenz könnten Linke jetzt also auch fordern, dass Linke ihr Konto bei der Sparkasse kündigen müssen, nicht mehr bei Lidl einkaufen, keine Pakete mehr mit DHL verschicken und nie wieder ein Uber rufen dürfen.

Image zwischen Clubkultur und alternativer Szene

Aber das Unternehmen Fritz-Kola hat sich halt bisher links gebrandet. Fritz-Kola war bis grade eben das perfekte Getränk für Menschen, die im Kampf gegen den Kapitalismus etwas Koffein benötigen. Die Marke wurde Anfang der 2000er-Jahre von zwei Studenten in Hamburg gegründet und setzte von Anfang an stark auf ein Image zwischen Clubkultur, alternativer Szene und ironischer Selbstvermarktung. Schwarze Etiketten, viel Koffein und Werbekampagnen, die sich gegen den Mainstream richten – all das half dabei, sich bewusst vom großen amerikanischen Monopol abzusetzen.

Ich wiederum war lange Jahre Coca-Cola-Junkie. Ohne Coca-Cola war ich nicht arbeitsfähig. Mindestens zwei Liter davon musste ich trinken, bevor ich mich in der Schule konzentrieren konnte, um Deutscharbeiten zu schreiben. Oder jedenfalls redete ich mir das lange ein. Vielleicht war es auch einfach nur ein rebellisches Verhalten gegen meine Eltern, die mir das Cola Trinken verboten hatten. Funktioniert hat es nicht, ich legte einen riesigen Coca-Cola-Vorrat an, versteckt unter den Pflanzen im Hinterhof.

Dass Coca-Cola als turbokapitalistische, umweltverpestende, amerikanische Marke nicht so ganz zu meinem linken Weltbild passte, war mir bewusst. Umso älter und linker ich wurde, umso fader wurde der Geschmack meines Lieblingsgetränks, auch wegen Kommentaren aus meinem Umfeld, wie ich als Linker Coca-Cola trinken könnte. Letztendlich war es ein langer Weg, bis ich mir selbst ein Kaufverbot auferlegte und zu Fritz-Kola wechselte.

Doch auch damit ist es jetzt vorbei. Nicht, weil das Unternehmen den CDU-Parteitag sponserte. Sondern weil mir die Rechtfertigung dafür zu plump ist: Weil ihr Linken es nicht mit euren Mitteln geschafft habt, den Rechtsruck abzuwenden, versuchen wir es halt jetzt mit Parteispenden. Dass diese Parteien aber in den vergangenen Jahren allesamt nach rechts gerückt sind, ist kein Thema. Puh. Also auch nach dem Genuss von Fritz-Kola kriegt man einen ideologischen Kater.

Aber keine Cola ist auch keine Lösung. Vor allem als Nicht-Kaffee-Trinker braucht es da eine schlüssige Alternative.

Wo also finden wir jetzt den Linksruck der Cola? Wo stimmt nicht nur das Image, sondern auch die Struktur dahinter? Der neue heiße Cola-Scheiß ist das Premium-Kollektiv, eine Cola, die ohne Werbung und schriftliche Arbeitsverträge auskommt. Es wird auf Ehrlichkeit und Freiwilligkeit gesetzt, Entscheidungen über Rezeptur, Vertrieb und Ausrichtung werden Konsens-demokratisch getroffen. Dabei können alle, die Teil des Kollektivs sind, mitbestimmen. Jedenfalls heißt es das bislang.

Werde ich als Linker jetzt nur noch einwandfreie linke Cola trinken? Eher nicht. Die perfekte Cola wird es sowieso nie geben. Und deswegen ist bei aller berechtigten Kritik an Fritz-Kola niemand zu verurteilen, der Coca-Cola trinkt oder Fritz für links hält.

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Fridolin Haagen
Jahrgang 2004, mit Fokus auf Fußball, Politik und Star Wars.
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11 Kommentare

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  • Na darauf doch erst mal ein paar Sternis!

    (Red. Anmerkung des freundlichen Mitkommentierende: Die Biermarke Sternburger gehört zur Radeberger Gruppe, diese dem Oetker Konzern und Herr Oetker spendet schon lange an die (Trommelwirbel) CDU).

  • Buäh, da hat jemand nicht mein Weltbild, jetzt mag ich das Produkt nicht mehr!



    (Tesla, Linux, Fritz- nur für Apple gilt das nicht und Subway..)

  • Ich empfehle: "Eins, zwei, drei" von Billy Wilder (1961). Und dazu ein gepflegtes Coke. Nicht Zero- nicht Cherry-, nicht Pupsi-Cola. Nein, das echte und einzige. Eiskalt. Und wenn es noch was dazu sein muss: "Send me a cheeseburger



    and a new Rolling Stone". Oder noch besser: Ein altes Heft, von 1989.

  • Wie links soll ein Laden sein, der nicht einmal einen Betriebsrat hat?



    "Die Firma hatte 2023 einen Jahresumsatz von 116 Millionen Euro[19]. Der Jahresüberschuss der Holding Flüssige Schmiede GmbH betrug im Geschäftsjahr 1,425 Millionen Euro.[1] Wie auch Viva con Agua hat die fritz-kola GmbH keinen Betriebsrat und keine Tarifbindung (Stand 2026).[20]" wikipdia

  • Seit wann soll Fritz Links gewesen sein? Da ist jemand auf die langjährigen Werbeattacken reingefallen. Fritz zeigt jetzt nur immer mehr wer sie wirklich waren und das ist nichts mehr als eine deutsche Alternative zu Coca Cola..

  • "Dürfen Linke jetzt noch Fritz trinken?"

    Nein, natürlich nicht! Schon der Name ist zu nah am Merz. Ab jetzt gibts nur noch muffiges Exportbier aus dem Hause Dr. Oettker. Aber da ist immerhin noch ein Stern auf dem Deckel.

  • Wäre alles bloß so einfach, dann wäre das wohl kein Problem Müllermilch zu trinken, deren Ansinnen es ist keine Erbschaftssteuer zu zahlen daher die Verlagerung in die Schweiz und den Firmensitz nach Luxemburg, aber noch schlimmer die unterstutzen die AgD. Fairtrade was ist das,das ist auch egal! Eigentlich ist wirklich alles egal, da wir eh alle sterben, oder doch nicht? Wenn wir schon in einem kapitalistischen System leben, dann muss man um so mehr, auf seine Kaufentscheidung achten, möchte ich wirklich Kinderarbeit unterstützten, ganz sicher nicht. Die Kaufentscheidung die man heute trifft die können ganz woanders viel Leid verursachen. Fritz-Cola wird sicherlich nicht den Regenwald für Ihre Cola abholzen lassen, aber trotzdem ist das kein guter und intelligenter Zug gewesen für jene denen Fritz-Cola nicht nur eine Cola ist, sondern auch ein stilles Statement, zumindest mir schmeckt jetzt die Fritz-Cola nicht mehr so gut, zumindest hatte ich das Gefühl das die letzte Fritz-Cola mir im halse stecken geblieben ist, von dem faden Beigeschmack nicht zu reden.

  • Alle Unternehmen die sich zur Freiheitlich demokratischen Grundordnung bekennen machen es so, haben es schon immer so gemacht: Es wird an alle politischen Strömungen gespendet, nur nicht an die radikalen Ränder. Wer weiß, vielleicht war das die erste Fritz Kola für Phillip Amthor. Oder er konnte seiner bisher heimlichen Liebe endlich in der Öffentlichkeit fröhnen. Wer weiß was dieses Freiheitsgefühl bei ihm angerichtet hat.

  • Den "neuen, heißen Scheiß" Premium-Cola gibt es inzwischen seit über 20 Jahren. Und Fritz ist ungefähr so "links" wie Astra. Schon immer.

  • Ganz verrückte Idee: Wasser trinken!



    Der Kapitalismus fußt auf dem Prinzip, dass nichts genug ist. Auch wir selber nicht.



    Fangen wir mal an unseren Körper zu achten und ihn zu pflegen und ihn eben nicht mit ungesundem Scheiss vollzustopfen(ob nun von links oder rechts), ziehen wir dem kapitalistischen System ein wenig den Zahn

  • Da geben einem die Überschriften Schreiber doch Rätsel auf:



    welchen verschlungen Pfaden folgt die Idee, in diesem Fall von



    " Linksruck" zu sprechen?



    Rechtsruck ist wohl die zutreffende Bezeichnung!