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Linke AbwehrkämpfeGegen den Autoritarismus

Von Wolfram Weimer bis zum Krieg gegen Iran: Die Linke sucht nach Strategien, das Autoritäre aufzuhalten, ist aber oft selbst gespalten.

Gemeinsam gegen geschlechtsspezifische Gewalt – aber zum Teil mit Leerstellen. Demo zum 8. März in Berlin Foto: Annette Riedl/dpa

E s gelte, die Freiheit der Kunst zu verteidigen und die „Korridore der Sagbaren, Erkundbaren und Darstellbaren möglichst weiten, anstatt ihn zu verengen“, sagte er – und tat das Gegenteil.

Die autoritären Eingriffe des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer nehmen kein Ende. Sie reichen von der Ausladung des palästinasolidarischen Rappers Chefket aus dem Haus der Kulturen der Welt bis hin zu seinen Versuchen, Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle wegen palästinasolidarischer Reden abzusetzen. Einen neuen Tiefpunkt markierte die heimliche Beobachtung linker Buchläden, Initiativen und Vereine durch den Verfassungsschutz, die Verweigerung eines Preises für drei nominierte Buchhandlungen, und – die Krönung – anschließend darüber zu lügen.

Die Standardbegründung, mit der Weimer seine Zensurpolitik legitimiert: der vermeintliche Kampf gegen Antisemitismus. Dass die Union das „Nie wieder“ benutzt, um autoritäre und rechte (Asyl-)Politiken zu legitimieren, kritisierte der Lyriker Max Czollek bereits 2016. Um diese Instrumentalisierung geht es auch in seinem aktuellen Buch „Alles auf Anfang: Auf der Suche nach einer neuen Erinnerungskultur“, aus dem er am Montagabend in Wilmersdorf liest. Gemeinsam mit Ko-Autorin Hadija Haruna-Oelker fragt er darin, wie Deutschland sich als Erinnerungs- und Aufarbeitungsweltmeister begreifen kann, während Rechtspopulisten Wahlen gewinnen und „Nie wieder ist jetzt“ zu einer leeren Phrase verkommt.

Die Au­to­r*in­nen sehen darin auch ein Scheitern der deutschen Erinnerungskultur. Gemeinsam denken sie über eine neue Praxis nach, die die Gegenwart so gestaltet, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt. Im Anschluss wird der Blick mit dem Register Charlottenburg-Wilmersdorf auf die lokale Erinnerungspraxis gerichtet: Wie steht es im Bezirk um die Aufarbeitung – und wie bezieht sich die extreme Rechte darauf? (Montag, 16. März 2026, Haus der Nachbarschafft, Straße am Schoelerpark 37, 18 Uhr)

Offenes Treffen des Antikriegsrats

Gleichzeitig stimmt: Antisemitismus ist in Berlin auf einem Höchststand. Ressentiments schimmerten auch durch, als sich antiimperialistische Gruppen nach dem Angriff Israels und der USA auf Iran lautstark mit Kritik zu Wort meldeten, zuvor aber zu den brutalen Massakern in Iran geschwiegen hatten. Kein Raum fand sich dabei für den Fakt, dass viele Ira­ne­r*in­nen den Angriff – oder zumindest den Tod Chameneis, den er zur Folge hatte – begrüßten.

Der provisorische anarchistische Antikriegsrat ist überzeugt: „Den guten Krieg und das gute Militär, die gibt es nicht.“ Am Montagabend lädt der Rat zu einem offenen Treffen ein, um den Krieg zu analysieren. Die Kernfrage: Weshalb gibt es bislang keine wahrnehmbaren Proteste gegen diesen Krieg? Außerdem soll über gemeinsame Handlungsmöglichkeiten gegen diesen und künftige Kriege gesprochen werden. (Montag, 16. März, New Yorck im Bethanien, Mariannenplatz 2A, 19 Uhr)

Vergewaltigt, erschossen, geschlagen, erstickt, geköpft

Der Nahostkonflikt sprengt auch die feministische Bewegung und zerteilte die Demolandschaft am feministischen Kampftag in rivalisierende Lager. Das, was verbinden könnte – geschlechtsspezifische Gewalt –, wurde zur Trennlinie. In den Grabenkämpfen gerieten ausgerechnet die in den Hintergrund, um die es am 8. März eigentlich gehen sollte: unterdrückte Flinta* – in Israel, Gaza und weltweit.

Das Netzwerk gegen Feminizide und das Künst­le­r*in­nen­kol­lek­tiv „Lilith Unveiled“ breiteten auf einer propalästinensischen Demo auf dem Kottbusser Damm ein 30 Meter langes Transparent aus, auf dem die Namen und Todesdaten von Femizid-Opfern in Chile, Griechenland und Deutschland aufgelistet waren. „Vergewaltigt, erschossen, geschlagen, erstickt, erstochen, geköpft, vergiftet“ stand darüber. Eine eindrucksvolle Aktion gegen geschlechtsspezifische Gewalt – würden im Demo-Aufruf jüdische Opfer nicht ausgeblendet werden.

Eindrucksvoll waren die meterlangen rot gewebten Stoffteppiche des Kunstprojekts „Sangre de mi Sangre“ (Blut meines Blutes), mit denen Frauen am 8. März weltweit durch verschiedene Städte zogen. Das vom feministischen Kollektiv Colectiva Hilos initiierte Projekt soll auf Femizide und gewaltsames Verschwindenlassen in Mexiko aufmerksam machen. Am Dienstag lädt das Netzwerk gegen Feminizide, das an der Kunstaktion beteiligt ist, dazu ein, selbst mitzuweben – als Ausdruck kollektiven Widerstands und Solidarität mit Betroffenen. (Dienstag, 17. März, Museum der „Trostfrauen“, Quitzowstraße 103, 19 – 21 Uhr)

Protest zum Weltwassertag

Der Kampf geht nicht nur bei den Flinta* weiter, sondern auch bei den Umweltschützer*innen. „Jetzt ist auch noch eine Batteriefabrik mitten im Trinkwasserschutzgebiet geplant, mit 72 Millionen Euro Subventionen vom Land Berlin“, kritisieren die Bürgerinitiative Grünheide und das Bündnis Tesla den Hahn abdrehen.

Anlässlich des Weltwassertags am 22. März rufen sie zu Protest auf. Ab 11:30 Uhr fahren sie mit dem Fahrrad vom Bahnhof Erkner los, halten bei Tesla an und fahren dann in den Wald vor die Fabrik. Auf dem Weg gibt es Redebeiträge und die Möglichkeit zum Austausch mit Aktiven. Im Wald gibt es um 13 Uhr einen Spaziergang mit der Bürgerinitiative Grünheide. (Sonntag, 22. März, Fahrradtour ab Bahnhof Erkner, 11:30 Uhr / Waldspaziergang ab Bahnhof Fangschleuse, 13 Uhr)

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Lilly Schröder
Redakteurin für Feminismus & Gesellschaft im Berlin-Ressort Schreibt über intersektionalen Feminismus, Popkultur und gesellschaftliche Themen in Berlin. Studium der Soziologie und Politik.
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