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Schutz der Straße von HormusEin hohes Risiko und viele Neins

US-Präsident Trump fordert die Nato-Verbündeten auf, die Straße von Hormus militärisch abzusichern. Seine Forderung stößt auf Ablehnung.

Uferspaziergang vor der vielbefahrenen Straße von Hormus Foto: Altaf Qadri/ap/dpa

Der Irankrieg ist an einem kritischen Punkt angekommen, vor allem an der heiß umkämpften Straße von Hormus. Die Meerenge ist für die Schifffahrt und internationale Öltransporte von größter Bedeutung – dessen ist sich die iranische Führung bewusst. US-Präsident Donald Trump fordert nun Nato-Verbündete auf, die Schifffahrt abzusichern. Eine Militärmission wird es allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht geben.

Der britische Premier Keir Starmer stellte dies am Montag in London eindeutig klar: „Es wird keine Nato-Mission sein und es war auch nie als eine Nato-Mission vorgesehen.“ Starmer hatte am Sonntag mit Trump zur Blockade der Meerenge telefoniert.

Auch von deutscher Seite kam ein Nein zu einer Beteiligung der Bundeswehr. „So lange dieser Krieg andauert, gibt es keine Beteiligung, auch nicht an einer Operation, die Straße von Hormus mit militärischen Mitteln freizuhalten“, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin. Er ließ den leisen Vorwurf durchscheinen, dass die USA die Bundesregierung vor Kriegsbeginn auch nicht zu Rate gezogen habe. „Insofern glauben wir, dass dies auch nicht die Angelegenheit der Nato und der Bundesregierung ist.“

Klares Nein zu einem Nato-Einsatz

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, Schiffe in der Meeresenge würden durch land- und seegestützte Angriffe bedroht. „Das macht die Situation so kompliziert.“ Deutschland verfügt mit der „Sachsen“-Klasse zwar über drei Fregatten, die für die Luftverteidigung von Schiffen ausgelegt sind. Zumindest eine der Fregatten ist derzeit aber auf der anderen Seite des Globus beim Nato-Manöver Cold Response nördlich des Polarkreises gebunden. Zum Standort und der Einsatzfähigkeit der beiden anderen Schiffe erteilte die Marine auf Anfrage keine Auskunft.

Auch beim Treffen der EU-Außenminister in Brüssel am Montag stand der Iran-Krieg ganz oben auf der politischen Agenda. Nein zu einem Nato-Einsatz in der Straße von Hormus, aber möglicherweise eine EU-Mission zur Sicherung des Schiffsverkehrs: Dies war der Tenor. Die Golfregion gehöre nicht zum Nato-Bündnisgebiet, hieß es am Rande des Außenministertreffens. Deshalb könne sich die USA auch nicht auf die Beistandspflicht nach Artikel 5 des Nato-Vertrags berufen. Ein Einsatz dort wäre eine sogenannte „Out-of-area“-Operation, der alle Alliierten zustimmen müssten.

Auch Staaten wie Griechenland, für die Handelsschifffahrt enorm bedeutend ist, lehnen eine militärische Operation ab. „Das steht nicht zur Debatte“, erklärte der Sprecher der konservativen Regierung, Pavlos Marinakis, in Athen. In der Krisenregion im Persischen Golf und dem Golf von Oman befinden sich gegenwärtig laut offiziellen Angaben 178 von griechischen Reedereien kontrollierte Schiffe.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas brachte ein UN-Abkommen zur Öffnung der Straße von Hormus ins Spiel. Sie habe mit UN-Generalsekretär António Guterres darüber beraten, ob eine Initiative nach dem Vorbild des Getreideabkommens für das Schwarze Meer möglich sei, sagte Kallas. Das Abkommen hat es der Ukraine trotz des Krieges mit Russland ermöglicht, Agrargüter zu exportieren. Kallas prüft nun, ob ein ähnlicher Mechanismus für die Straße von Hormus geschaffen werden kann.

EU-Marine-Einsatz Aspides möglicherweise erweitert

Die Außenminister sprachen auch über eine mögliche Ausweitung des EU-Marine-Einsatzes „Aspides“, die Handelsschiffe im Roten ‌Meer schützt. Die Operation „Aspides“ ist unter der Schirmherrschaft der EU geografisch auf das Rote Meer beschränkt und betrifft nicht die Straße von Hormus. Außenminister Johann Wadephul äußerte sich skeptisch dazu. Kallas räumte ein, dass die Zustimmung der EU-Länder nötig sei. „Wenn die Mitgliedstaaten sagen, dass wir in dieser Sache ‌nichts unternehmen, dann ist das natürlich ihre ‌Entscheidung“, sagte Kallas.

Klar ist allen, dass ein militärisches Vorgehen gegen die iranische Blockade von Hormus äußerst schwierig wird. Zwar wurden bereits mehrere Schiffe der Marine der iranischen Streitkräfte zerstört. Doch einerseits funktioniert die Marine der Revolutionsgarden weniger wie die eines Staates und mehr wie eine Miliz oder gar Piraten. Mit kleinen, wendigen Booten sind sie schnell unterwegs, schwieriger anzuzielen. Laut US-Angaben wurden einige dieser Schiffe zerstört – aber eben nicht alle. Außerdem sind diese Boote wohl schnell durch konventionelle Boote zu ersetzen. Selbst das Legen von Seeminen muss nicht durch spezielle Minenschiffe erfolgen, sagte etwa ein ehemaliger iranischer Marineoffizier Radio Europe.

Hohes Risiko, hohe Prämien

Hinzu kommt, dass die Meerenge von Hormus sehr schmal ist: An ihrem engsten Punkt liegen nur etwa 35 Kilometer zwischen dem Gebiet des Oman und Iran. Auch von Land aus sind Schiffe in der Meerenge so relativ einfach zu beschießen. Das Gelände allein erschwert ein Einrücken großer Kriegsschiffe: Die Gewässer sind in Teilen nicht tief, Ausweichmöglichkeiten gering.

Der Kampf um die Meerenge macht natürlich auch Reedereien und Schiffsversicherer nervös. Ist das Risiko zu groß, die Prämien zu hoch, werden bestimmte Strecken nicht mehr bedient. Selbst dann, wenn weiter Schiffe unbeschadet hindurchfahren. Eine Operation, die Blockade zu beenden, würde dieses Problem – zumindest für die Dauer ihrer Durchführung – ebenfalls nicht lösen.

Dass solche asymmetrischen Kriege gegen einen technisch weit unterlegenden Gegner für das theoretisch überlegene Militär schwer zu gewinnen sind, hat sich in der Vergangenheit mehrfach gezeigt: Etwa im Gazastreifen, wo sich die Hamas trotz eines fast zweijährigen, brutalen Krieges letztlich an der Macht halten konnte. Oder im Südlibanon, wo der Hisbollah selbst eine fast zwei Jahrzehnte andauernde Besatzung durch Israel kaum schaden konnte.

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