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Liebeskomödie „Is This Thing On?“Trennung ist hier mehr als Misere

In „Is This Thing On?“ schickt Regisseur Bradley Cooper ein Ehepaar zu therapeutischen Zwecken zur Stand-up-Comedy. Improvisiert wird hier grandios.

Tess Novak (Laura Dern) und Alex Novak (Will Arnett) in „Is This Thing On?“ Foto: Walt Disney

Tess und Alex haben zwei Söhne und sind so lange verheiratet, dass ihnen die Erinnerung an ein Leben ohneeinander mindestens schwerfallen dürfte. Das zeigt sich jetzt besonders gut, denn sie stecken mitten in der Trennung. In der Eröffnungsszene von „Is This Thing On?“ sieht man Alex, der mit Will Arnett umwerfend treffsicher besetzt ist, am Rand einer Schulaufführung sitzen. Ein chinesischer Löwe tanzt, die Aula tobt, nur der Vater lehnt erschlafft in der Ecke und blickt ins Leere, das bedauerlicherweise keine Antwort auf die Frage bereithält, wie alles so weit kommen konnte.

Bradley Coopers dritte Regiearbeit ist eine Rom Com, eine jener Liebeskomödien, mit denen fourtysomethings wie Tess und Alex groß geworden sind. Die Handlung von „Is This Thing On?“ setzt jedoch ein bis zwei Jahrzehnte nach deren üblichem Happy End ein. Wie macht man weiter als Paar, wenn Nachwuchs folgt oder nicht? Wenn Haare ausfallen, Karrieren versanden und man unterwegs versäumt hat, einander nah zu bleiben, sich selbst allerdings auch? Tess und Alex wissen es nicht. Für die Klärung dieser Fragen ist es jetzt ohnehin zu spät.

Also hat Cooper sie mit allem ausgestattet, was man für eine vergleichsweise sanfte Trennung braucht (Geld, belastbare Freundschaften, Großeltern in der Nähe) und ausgespart, was die Erodierende-Ehe-Erzählung zum Drama machen würde (Anwälte, tiefe Verletzungen, traumatisierte Kinder). „Is This Thing On?“ ist eine relativ heitere Rom Com über eine scheiternde Langzeitbeziehung. Relativ ungestört kann sie sich der Frage widmen, wozu so ein Vorgang gut sein mag.

Der Film

„Is This Thing On?“. Regie: Bradley Cooper. Mit Will Arnett, Laura Dern u.a. USA 2025, 124 Min.

Da wäre etwa Tess (Laura Dern), die sich durch den neuen Alltag bewegt, als hätte sie sich soeben einer Sauerstoffkur unterzogen. Richtig, die Sache ging von ihr aus. Allerdings sind Dern, Arnett und Cooper zu lebens- und scheidungserfahren, um dem Publikum weiszumachen, dass so ein Neustart hier wie da leicht fiele. Erlebt man Tess beim ersten Date Ü40, kommt alles andere als Neid auf. Aber es steckt eine unverhoffte, ansteckende Energie darin, wenn die Figuren ausloten, wer sie jenseits der Paarbeziehung sein könnten. Trennung ist hier mehr als Misere, sie ist auch eine Möglichkeit.

Der Auftrittt setzt etwas in ihm frei

Das zeigt sich besonders bei Alex, der eines Abends, bitte nicht lachen, auf der Bühne eines Comedy-Clubs landet. Hier wird kein großes Talent aus dem Hut gezaubert, es ist interessanter: Der erste Stand-up-Auftritt setzt etwas in ihm frei und das ist mehr als Angst. Könnte man es gar Gruppentherapie nennen? Statt müde zu scrollen, sitzt der Mann zu später Stunde nun jedenfalls am Küchentisch und notiert eifrig Ideen.

In all ihrer behaupteten oder tatsächlichen Improvisation gehören die Szenen im Comedy-Keller zu den wahrhaftigsten dieses Films. Cooper hat echte Comedians engagiert und ist nah dran an Arnett, dessen unbearbeitetes Gesicht mehr über das Leben von Alex erzählt als über das Altern im Showbusiness. Als Tess zufällig und unbemerkt im Publikum landet, erleben die beiden einen entscheidenden Wendepunkt.

Ungern würde man selbst mit ansehen, wie der Noch-Ehemann intime Beziehungsdetails als Material für einen Gig nutzt. Weil Laura Dern aber eine sehr gute Schauspielerin ist, kauft man ihr ab, dass diese Demütigung etwas mit sich bringt, das Tess lange gefehlt hat: Aus der Distanz lernt sie den Menschen, der ihr mal am nächsten stand, aufs Neue zu sehen.

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Trailer „Is This Thing On?“

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Es klingt arg konstruiert, dabei basiert das Skript auf der Ehekrise des Komikers John Bishop. Deren Adaption gelingt „Is This Thing On?“ überall da, wo sie vom Zauber des Unbekannten und vom Wiederentdecken erzählt. Irgendwann aber scheint Cooper der Ungeduld und der eigenen popkulturellen Prägung zu erliegen. Dann umrieselt Konfetti die lachenden Protagonisten wie im Werbeclip, wirkt das Tempo ihrer Wiederannäherung etwas forciert. Warum eigentlich nicht in Serie über die Wachstumsschmerzen der mittleren Jahre erzählen? Genug Material für dynamische Figurenentwicklung über mehrere Staffeln ließe sich finden.

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