Terroranschläge in Nigeria: Boko Haram meldet sich zurück
Nigerias islamistische Terrorgruppe Boko Haram galt als fast besiegt. Jetzt kehrt sie mit Selbstmordanschlägen in ihre alte Hochburg Maiduguri zurück.
Kurz vor Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan hat die islamistische Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria einen ihrer verheerendsten Angriffe seit Langem verübt. Offenbar koordiniert sprengten sich am Montagabend kurz nach 19 Uhr in der Millionenmetropole Maiduguri mehrere Selbstmordattentäter in die Luft – an zentralen Orten, wo zahlreiche Menschen zum allabendlichen Fastenbrechen zusammengekommen waren.
Die provisorische amtliche Bilanz vom Dienstag nennt 23 Tote und 108 Verletzte; in sozialen Medien kursieren höhere Zahlen. Die Bomben explodierten nach offiziellen Angaben unter anderem an der Stadtautobahnbrücke am zentralen Postamt, vor dem zentralen „Monday Market“ und im Eingangsbereich der Universitätsklinik. „Die feigen Attacken zielten auf Menschenmengen in der Öffentlichkeit in einem Versuch der Terroristen, Massenopfer herbeizuführen und Panik in der Metropole zu schüren“, erklärte das Armeekommando für Nordostnigeria.
Erst in der Nacht zu Montag hatte die Armee in Maiduguri eine Serie von Angriffen mutmaßlicher Boko-Haram-Kämpfer nach eigenen Angaben erfolgreich zurückgeschlagen. Ziele waren unter anderem eine Militärbasis nahe dem Flughafen gewesen. An drei weiteren Orten explodierten Bomben. Die Behörden sagten am Montagvormittag, es sei niemand getötet worden. Am Abend ereignete sich dann die Kette mörderischer Selbstmordanschläge.
Die Angriffe in Maiduguri sind von besonderer Bedeutung. Die kosmopolitische Handelsstadt im Nordosten Nigerias war einst die Geburtsstätte von Boko Haram als radikale Sekte, die moderne Bildung ablehnte, bevor sie in den Untergrund gedrängt wurde und den bewaffneten Kampf aufnahm. Jahrelang war Maiduguri Kriegsgebiet, aber zuletzt wurde Boko Haram immer mehr von Nigerias Armee zurückgedrängt, durch innere Spannungen geschwächt und vom rivalisierenden Islamischen Staat der Provinz Westafrika (ISWAP) marginalisiert.
„Die Angst ist zurück“
Erst in jüngster Zeit, im Kontext der allgemeinen Ausbreitung bewaffneter Gruppen in der gesamten Region, hat Boko Haram wieder öfter von sich reden gemacht. Maiduguri erlitt kurz vor Weihnachten 2025 mit einem Anschlag auf eine Moschee seinen ersten Terrorangriff seit vier Jahren. Nach den Angriffen vom Montagabend ist „die Angst zurück“, wie eine Zeitung einen Überlebenden zitiert: „Die Horrorszenen, die Panik – alles ist wie früher.“
Für Nigerias Präsident Bola Tinubu ist das heikel. Seit Monaten versucht er, US-Präsident Donald Trump davon zu überzeugen, dass er die Sicherheitslage im Griff hat und Nigeria keinen „Genozid an Christen“ erlebt, wie es die evangelikale Rechte in beiden Ländern behauptet. Um Weihnachten 2025 herum hatte die US-Luftwaffe mutmaßliche Terrorziele in Nigeria bombardiert.
Am Dienstag ist Tinubu trotz der explosiven Lage zu einem Staatsbesuch nach London geflogen – die erste Reise eines nigerianischen Präsidenten in die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien seit 37 Jahren. Zuvor wies er die höchsten Generäle Nigerias an, in Maiduguri Quartier zu beziehen.
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