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Fidel Castros KappeWer hat auf Kuba den Hut auf?

Was für die Touris ein Scherz und für bestimmte Linke ein Zeichen der Rebellion war, ist im Land selbst ein Symbol der Staatsmacht.

Auf Kuba ist die Erinnerung an Fidel Castro, mit und ohne seine Kopfbedeckung, eine ernste Angelegenheit Foto: Norlys Perez/reuters

Z ehn Jahre ist es her, dass zum ersten Mal seit sehr langer Zeit US-amerikanische Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Kubas Hauptstadt Havanna festmachten. US-Präsident Barack Obama und Kubas Staats- und Parteichef Raúl Castro hatten gemeinsam die Zeit der Öffnung eingeleitet. Für die Tausenden Tourist*innen, die sich von den Schiffen aus in Havannas Altstadt ergossen, wurde ein kleines Kleidungsstück, das es an jeder Ecke zu kaufen gab, ein besonders beliebtes Souvenir: die Fidel-Castro-Cap in Olivgrün, gern mit rotem Stern an der Stirnseite.

Was für die Touris ein Scherz und für eine bestimmte Art von Linken weltweit ein Zeichen der Solidarität und Rebellion war, ist auf Kuba selbst ein Symbol der Staatsmacht, genau wie das millionenfach auf T-Shirts gedruckte Konterfei des Ernesto „Che“ Guevara. Wer in der Schule damit groß wird, jeden Morgen beim Klassenappell schwören zu müssen, er werde „so sein wie der Che“, für den steckt in dem argentinischen Arzt und kurzzeitigen kubanischen Industrieminister etwa so viel revolutionäre Verheißung wie in der Staatszeitung Juventud Rebelde, die weder jugendlich noch rebellisch ist.

Es ist genau diese Diskrepanz zwischen der verklärten Außensicht auf Kubas Regierung und System – der kleine David, der sich seit Jahrzehnten gegen den übermächtigen Goliath im Norden wehrt – und der Innenperspektive, die sehr viel mehr mit Kontrolle, Stasi, Korruption, Privilegien, Bürokratie und Mangel zu tun hat.

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Was von außen rebellisch erscheint, ist von innen autoritär. Ein Anti-Imperialismus auf Kosten der eigenen Leute, die dem Land zu Hunderttausenden den Rücken kehren. Ein ausschließlich am Machterhalt interessierter Apparat, dessen vollkommene Reformunfähigkeit dazu geführt hat, dass von den tatsächlichen einstigen Errungenschaften der Revolution nichts mehr übrig ist, dessen Erhalt noch verhandelt werden könnte.

Kubas Staatsgebilde hat noch die Macht, die eigene Bevölkerung einzuschüchtern und davon abzuhalten, zu Tausenden auf die Straße zu gehen. Verhandlungsmacht nach außen hat die Regierung nicht mehr. Deshalb kann Donald Trump jetzt sogar einigermaßen glaubwürdig erklären, er könne mit Kuba machen, was er wolle. Einnehmen, befreien – mal schauen, wonach ihm der Sinn steht.

Im Januar, nach der Verschleppung Nicolás Maduros, erklärte sich Trump zum „Übergangspräsidenten Venezuelas“. Es wäre ihm zuzutrauen, gleiches demnächst auch für Kuba zu behaupten – womöglich sogar mit Fidel-Cap auf dem orange-blonden Kopf. Kleiner Scherz.

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Bernd Pickert
Auslandsredakteur
Jahrgang 1965, seit 1994 in der taz-Auslandsredaktion. Spezialgebiete USA, Lateinamerika, Menschenrechte. 2000 bis 2012 Mitglied im Vorstand der taz-Genossenschaft, seit Juli 2023 im Moderationsteam des taz-Podcasts Bundestalk. Bluesky: @berndpickert.bsky.social In seiner Freizeit aktiv bei www.geschichte-hat-zukunft.org
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