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Rabatte im SupermarktApps für die Zweiklassengesellschaft

Kommentar von

Svenja Bergt

Von Lidl bis Netto – Händler wollen mit Rabattapps Kun­d:in­nen an sich binden. Diese zahlen für niedrigere Warenpreise auf andere Art.

An der Kasse mit der Händlerapp einkaufen ist billiger, aber die Kunden bezahlen dafür mit ihren Daten Foto: mix1press/imago

D ie Zweiklassengesellschaft gibt es auch im Supermarkt. Die einen zücken an der Kasse ihr Smartphone, scannen eine App und bekommen günstigere Preise. Die anderen schütteln auf die App-Frage den Kopf – und bezahlen mehr Geld für ihre Waren. Aus Sicht der Händler sind die Apps ein Erfolg: Die Marktforschung zeigt, dass etwa zwei Drittel der Haushalte in Deutschland mindestens eine Händler-App verwenden. Doch wo die Händler gewinnen – da verlieren die Kund:innen.

Ver­brau­cher­schüt­ze­r:in­nen versuchen daher, gegen die App-Rabatte vor Gericht anzugehen. Penny und Lidl sind unter anderem im Visier, am Mittwoch wurde vor dem Oberlandesgericht Bamberg gegen Netto verhandelt. Die Supermärkte und Discounter, aber auch Möbelhändler oder Drogeriemärkte bringen die Rabatt-Apps nicht aus Freundlichkeitsgründen auf den Markt. Sondern weil sie sich davon Vorteile versprechen: Sie sammeln Daten über die Nutzer:innen.

Je nach App von der E-Mail-Adresse über Geburtsdatum, Wohnanschrift und Telefonnummer bis hin zu der Frage, wer was wo wann eingekauft hat. Die Daten können sie für gezielte Werbung nutzen und damit ihre Umsätze steigern. Wie sensibel Daten über das Kaufverhalten sein können, sollte eigentlich seit mehr als zehn Jahren bekannt sein: Damals wurde eine junge Kundin in den USA aufgrund ihres Kaufverhaltens von einer Discounterkette als schwanger geoutet – noch bevor ihr Vater das wusste.

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Einkaufsdaten können sogar zeigen, in welchem Stadium einer Schwangerschaft sich Kundinnen befinden. Ganz zu schweigen von Waren, die schon für sich genommen viel verraten: etwa laktosefreie Produkte, Babybrei oder regelmäßige größere Mengen an Alkohol. Doch die App-Kundschaft zahlt nicht nur mit ihren Daten, sondern auch mit ihrer Freiheit. Wer eine oder zwei der entsprechenden Apps nutzt, wird wahrscheinlicher auch in den dazugehörigen Läden einkaufen als in anderen. Mehr Umsätze, mehr Daten – der Händler gewinnt immer.

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Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt
schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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37 Kommentare

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  • Im Sinne des Artikels sind wird doch eine mindestens "Millionen-Klassen-Gesellschaft". Einige nutzen Google Maps, Amazon, Spotify usw - und bezahlen oft mit Daten ganz oder einen Teil der Leistung - andere lehnen so etwas komplett ab oder nutzen einige Angebote, andere nicht.

    Sogar bei der taz kann man entscheiden, wie viel man zahlt und welche Cookies man akzeptiert.

    Wo also soll das Problem sein - die Lösung soll doch wohl nicht sein, dass es nur noch 1 Produkt pro Kategorie gibt, das alle zum gleichen Preis kaufen (können oder bei manchen Sachen auch müssen)?

  • Rabatte im Supermarkt Apps für die Zweiklassengesellschaft



    ----



    Einem VIEL zu großen Teil der Smartphonenutzer ist nicht klar, was, nicht nur im Supermarkt, im Hintergrund abläuft!



    Ist doch SO praktisch, alle möglichen Daten, Informationen usw. in DIESEN "Taschenspionen" zu haben!



    Und dann wird nicht nur die Grundeinstellung dieser Geräte beibehalten, sondern noch fleißig neue APP's installiert, die für ein paar Cent Rabatt persönliche Daten nicht nur der/des direkten NutzerIn, sondern auch die Daten von Leuten weitergegeben, mit denen DIE o.a. Kontakt haben/hatten!



    Btw. Den wenigsten ist KLAR, das sie beim Smartphone nicht Eigentümer des Gerätes sind, sondern NUR Nutzer, voll abhängig vom Hersteller der Firmware, des OS, der Apps, usw.



    Wer ehrlich ist, hat ja nichts zu verbergen?



    Sicher, doch nach durchsicht Ihrer Daten, unter dem Filter "Tabak oder Alkohol, usw." können wir sie leider nicht ... in die Versicherung aufnehmen, Ihnen diese Stelle, Wohnung, Kredit, usw. geben, uvam.



    Wird NIE so gesagt, aber geschieht z.B. beim Schufa Score schon HEUTE im Hintergrund!



    Ps. Es ist doch SO bequem!



    Ist mEn. die Standardantwort, wenn Leute darauf hingewiesen werden! :-((

    • @Sikasuu:

      Wegen genau solcher Dinge werde ich drüben im Schufa-Artikel dumm angemacht. Schufa scheiße weil, zehn Gegenstimmen.

      Ist halt geil im 21. Jahrhundert, wer alkohol- oder spielsüchtig ist oder gar ein Obdachloser, und ihm wird der Zugang zum sozialen Leben verwehrt, nur weil einer hart gearbeitet und investiert hätte, dass die Wohnung so schön renoviert wurde.

    • @Sikasuu:

      Schufa hat nichts mit Handy zu tun.

      Angaben zu Alkohol und Tabak, zu meinem Leben, muss ich so oder so zur Versicherung geben… und gebe ich es falsch an erlischt der Schutz.

      Und bei manchen Jobs gibts sogar regelmäßige Kontrollen auf Alkohol. Ist auch gut so. Wenn 2 Tonnen flüssiges Metall über meine Kopf bewegt werden bin ich froh wenn der Kollege nüchtern ist.

      Paar Punkte stimme ich zu. Viel ist schmu ohne Hand und Fuß. Es ist immer schade wenn dadurch echte Punkte untergehen, weil man mehr rühren will

  • Und wo genau ist der Skandal? Es kann doch jeder selbst entscheiden, ob er diese Apps nutzt und falls ja, ob er seine (korrekten) Daten angibt. Im schlimmsten Fall weiß dann Lidl, wann ich Geburtstag habe und ob ich gerne Käse esse und kann entsprechende Werbung schalten - danke für diese investigative Aufklärung und das absolut seriöse Framing als "Zweiklassengesellschaft".

  • Faß mal z‘amm mit uns Ohl - Koofmich seit den



    20ern & Großhändler mit ner Klitsche post WK II



    “Jung! Wenn der Kaufmann dir was schenken will - will er nur besser an dein Geld kommen!“



    …anschließe mich

  • Es funktioniert so schön einfach und das mit garantierten, 100% Erfolg, natürlich erwische ich nicht alle, oder doch. Ach, den Rest besorgt das Handy sowieso, ganz umsonst, frei Haus.



    Die Angel einmal ausgeworfen, mit dem Köder der da "Gier und falsche Versprechen " heißt ,reißt sich die angepeilte Beute förmlich darum Opfer zu sein. Die Beute, ausgestattet mit der Fähigkeit "Selbstlüge " kann gar nicht anders als sich dem schönen, wenn auch nicht wahren, Gefühl dem beschenkt werden und allen was dazu gehört wie Respekt, Liebe eben das was man als überzeugter Beschenkter so fühlt. Da sind schlechte Gedanken : Das ist doch alles Fake, echt fehl am Platz ,kann man nicht machen etwas in Frage stellen, nicht als ergebener ,guter, voll funktionsfähiger Bürger und Bürgerin. Beruhigt mit Gedanken wie "Ich habe nichts zu verbergen oder die paar Daten oder richtig gründlich ist wie immer die gute ,alte Verdrängung ,lässt es sich gut Leben.



    Andererseits, man ,was kann ich mit diesen vielen, vielen Daten den so anstellen? Mal überlegen........ah ja genau hä,hä,hä . Wo ist den die Angel ?

  • Wie - zwei Klassen? Handelunternehmen und KundInnen? Die einen haben die Lebensmittel, die die anderen brauchen. Und geben Sie nicht her wenn sie nix dran verdienen?



    Wird wohl so sein. (auch) so kommt die Armut in die Welt.

    • @saarhexer:

      Die "obere" Klasse sind wohl in dem Bild eher jene Kunden, die sich einen Verzicht auf die Rabatte leisten (können) und daher von den "Aussaugeffekten" der Apps verschont bleiben.

    • @saarhexer:

      Eher: Die einen (müssen) mehr oder weniger diese Apps nutzen, weil sie auf die günstigeren Preise angewiesen sind, während die anderen, die sich höhere Preise leisten können, ihr Kaufverhalten besser verbergen können.

      • @White_Chocobo:

        Ich frage mich schon seit Jahren warum so ein Bohei um Daten meines Einkaufsverhaltens gemacht wird. Ja juckt mich doch nicht, ob die damit Daten sammeln. Was wollen die damit machen, mir ne Banane bewerben? Ja sollen Sie machen. Mein Einkaufsverhalten beim Supermarkt ist doch nichts geheimnisvolles wo ich ein Interesse dran habe, dass der Markt das nicht weiß.

        • @Walterismus:

          Der nächste Schritt wäre, die Preise immer rechtzeitig zu erhöhen, wenn Sie den Laden betreten. Das Telefon meldet Sie rechtzeitig an, elektronische Preisschilder kann man zentral steuern und dank Mobilem Scanner kann man zwei Minuten nach Ihrem Griff ins Regal die Preise auch wieder senken. Bekommen Sie eh nich mit, dass es billiger wird, wenn Sie es nochmal weglegen.

  • Vielleicht sollte man sich den geldwerten Vorteil unabhängig vom Datendiebstahl einfach mal ausrechnen. Die App-Preise werden ja in den Prospekten beworben, da muss man dann auch mal den zusätzlichen Zeitaufwand für die gezielte Produktsuche, die Smartphonenutzung (Mobile Daten) und ggfs. den zusätzlichen Weg in den Laden rechnen. Da bleibt eher kaum was übrig. Ansonsten sollte man trotz angeblicher Angebote einfach mal die Preise am Regal vergleichen, mir ist auch schon aufgefallen, dass bei einer beliebten Nussnougatcreme das 500g Glas im "Angebot" beworben wurde, der kg-Preis der kleineren Gläser aber günstiger war, ähnliches auch bei Schokoriegeln, da setzt man wohl auf Impulskäufe.

    • @Axel Schäfer:

      Ach komm das ist hanebüchen. Ob ich die Preise nun im Prospekt oder der App nachschaue ist vom Zeitaufwand egal. Der zweite Teil macht den obigen Vorwurf sogar komplett obsolet. Preisvergleich vor dem Regal ist dann doch x-mal Zeitaufwendiger als ein Preisvergleich mit den Apps, wo ich nicht zwischen verschiedenen Läden pendeln muss.



      Der Verbrauch der mobilen Daten ist marginal, die Verträge haben mittlerweile auch so viel Freivolumen, dass das nicht ins Gewicht fällt.

      Das ist aufregen, weil man sich aufregen will, komplett ohne Grund...

  • Stammkunden bekommen Rabatt. Das war doch schon immer so. Hier wird es über eine App kontrolliert bzw. Der Anreiz gesetzt, Stammkunde zu werden. Was ist daran falsch? Sollen Händler nichts verdienen? Der Umgang mit den Daten ist ein anderes Thema. Aber, was spricht gegen zielgerichteter Werbung statt Werbung, die nicht zielgerichtet ist? Wenn es schon Werbung geben muss, dann sehe ich doch lieber welche, die mich interessiert. Da ich kaum Alkohol trinke, bekomme ich idealerweise nichts zu Bier gezeigt, sondern zu Köse, bei dem ich öfter und gerne, einen probiere, den ich noch nicht kenne. Ich esse dadurch nicht mehr Käse. Wenn ich satt bin, bin ich satt.

    • @Strolch:

      Nuja, es gibt schon Techniken der Bedarfserweckung, die z. B. die Selbstbeherrschung, mit dem Käseessen wenn's reicht auch mal aufzuhören, gezielt attackieren. Das fängt beim Händler an, der seine Stammkunden kennt und sie gezielt auf Artikel hinweist, die ihnen gefallen könnten, auch wenn sie vielleicht gar nicht in der Absicht in den Laden gekommen sind, sowas zu kaufen. Mein Metzger z. B. weiß, dass er mit dem Hinweis auf ein besonders schön gemasertes Entrecote meine Abendessensplanung in wenigen Sekunden über den Haufen werfen kann, und im Zweifel ist das Steak natürlich viel teurer, als was ich eigentlich essen wollte. Mir ist das auch klar und bis zu einem gewissen Punkt durchaus in meinem hedonistischen Sinn. Aber irgendwann geht es auch echt ins Geld und auf die Blutwerte, so dass ich ganz anders gegenarbeiten muss, Gewohnheiten ändern etc..



      Die Apps betreiben diesen Vorgang mit industrieller Präzision und Gründlichkeit: Sie vergessen nie ein Gesicht oder einen bestimmten Artikel, und sie fangen ab dem ersten Einkauf an, Vorlieben zu erkunden und Pläne zu schmieden, wie man die in Umsatz verwandeln kann. Die Manipulationsmöglichkeiten sind also schon recht weitgehend.

    • @Strolch:

      Was wir heute sehen, sind zielgerichtete Informationen zu Produkten, die wir oft kaufen. Ein naheliegender nächster Schritt ist, daß ich personengebundene Rabatte bekomme, die ich dann über die App einlösen kann. Sie würden dann den Käse günstiger bekommen und ich das Bier.

      Aber, da die Händler ja auch auf Gewinnmaximierung setzen, ist es ein einfacher Schritt, abzuleiten wann Ihr Käsevorrat aufgebraucht ist und genau dann keinen Rabatt anzubieten.

      • @TomDePhazz:

        Das glaube ich nicht. Es dürfte Lidl (oder welchem Supermarkt auch immer) vor allem darum gehen zu verhindern, dass ich bei Aldi kaufe. Daher wird mir mein Lieblingskäse billiger angeboten. Und dann kaufe ich bei Lidl Mehl & Co. ebenfalls ein. An jedem Produkt - außer möglicherweise dem billigen Käse - verdient Lidl dann. Wenn ich den Käse nicht mehr billig bekomme (oder die Auswahl abnimmt), besteht die Gefahr, dass ich zu Aldi gehe. Ich denke, es geht viel mehr darum zu verhindern, dass ich zur Konkurrenz gehe.

    • @Strolch:

      Aber genau "die andere Sache" mit den Daten - die ist das Problem. Das ist eine Übertölpelung der Kund*innen, von denen die meisten gar nicht wissen, dass etwas was mit ihren Daten passiert und schon gar nicht was und ob die geschützt sind oder weitergegeben werden etc. Es ist unredlich was diese Konzerne -und nicht die allein- mit Daten von anderen Leuten alles anstellen um Profite zu machen. Die nehmen den Begriff "Handel" zu weiträumig für sich in Anspruch und NEIN, daran sollen sie eben NICHT verdienen.

      • @Perkele:

        Vielleicht ist es dem Kunden auch egal. Es gibt Menschen, die stellen von sich Nacktfotos ins Netz. Ich kann nachvollziehen, dass das dem ein oder anderen unheimlich ist. Aber der kann die App ja nicht nutzen und wird damit nicht zum Stammkunden (oder zum Datenspender) und bekommt damit keinen Rabatt. Der Supermarkt verdient dann auch nichts mit den Daten. Wäre doch letztlich auch fair.

    • @Strolch:

      Das ist löblich und freut mich für Sie, dass die Werbung für Sie persönlich kein Problem darstellt. Ich bezweifle aber, dass das Datensammeln uns auf einem gesellschaftlichen Level egal sein kann. Denken Sie das bitte einen Schritt weiter: Was wird Personen mit einem vielleicht etwas anderem Alkoholkonsumverhalten als Ihrem für Werbung angezeigt? Was wird Menschen angezeigt, die eine Vorliebe für eher Ungesundes haben, denen es aber schwer fällt, an Süßigkeiten vorbei zu gehen?



      Ernährungs- und Suchtprobleme sind denke ich mal nur der offensichtlichere Teil. Die völlig intransparente Datennutzung macht mir viel mehr Sorgen. Es bleibt ja nicht bei den Lidl-Daten, sondern das Supermarkt-Kaufverhalten wird aggregiert mit Daten aus anderen Quellen, bis ein sehr detailliertes Profil entsteht, aus dem man viel ableiten kann. Ich wüsste zumindest, wem ich personalisierte und vielleicht irreführende (kann ja keine gesellschaftliche Debatte über den Wahrheitsgehalt stattfinden - ist ja personalisiert) Wahlwerbung für die AFD ausspielen würde. Eher dem, der auch (rechts-) konservative Zeitschrift gekauft hat, als er die Lidl-App an der Kasse gescannt hat.

      • @x_y_z:

        "Ernährungs- und Suchtprobleme sind denke ich mal nur der offensichtlichere Teil."

        Meinen Sie, dass die persönliche Werbung bzgl. der allgmeinen Werbung das so verstärkt? Bei Tabak ist die Werbung verboten.

        Wir sind immer noch selbstbestimmte Menschen und müssen uns halt überlegen, ob es klug ist, Schokolade im Unverstand zu essen. Und ein Schokoladenhersteller verkauft halt keine Karotten... Ich meine nicht, dass man hier immer die Verantwortung auf andere abwälzen kann. Es dürfte kaum jemanden geben, der nicht weiß, das Alkohol im Übermaß schädlich ist. Und nach meiner Erfahrung wird der Druck Alkohol zu trinken, von Menschen in der Nähe (Familie, Freunde, Arbeit) aufgebaut und dem Wunsch dazu zu gehören und nicht daneben zu stehen und weniger durch die Werbung.

      • @x_y_z:

        @All: Zunächst finde ich es mal nett, dass es einen Kommentar gibt, auf den eine sachliche Diskussion entsteht und keine Polemik. Ich möchte auch gar nicht allen genannten Gefahren widersprechen. Ich möchte nur noch einen Punkt ergänzen. Die Grenze zwischen Information: Lieber Strolch, wir haben jetzt auch 36-Monate gereiften Comté im Angebot (was ich vielleicht nicht wusste, mich aber interessiert) zu Werbung: "Probiere unbedingt 36-Monate gereiften Comte!" ist fließend. Wem ist es nicht schon so gegangen, dass er ein Produkt nicht kannte, dass einem das Leben erleichtert und man dachte sich: Hätte ich das früher gewusst (da ist Käse jetzt kein gutes Beispiel). Ich bin manipulierbar. Eine schönes naturnahes Label auf einem Honig spricht mich an. Mir ist das bewusst und es stört mich nur begrenzt. Und ich tue mich mit dem allgemeinen Misstrauen schwer: Die sind alle böse und wollen raffgierig Profit machen. Nein, die bitten mir eine Dienstleistung an, in dem sie Produkte besorgen und hoffen, sie verkaufen zu können. Und die machen Gewinn. Aber die sollen ja auch nicht umsonst arbeiten. Ich arbeite auch nur, wenn mich jemand bezahlt - von Vereinsarbeit mal abgesehen.

        • @Strolch:

          Personalisierte Werbung geht aber noch einen Schritt weiter: Lieber Strolch, wir haben gesehen, dass es dir in der letzten Woche nicht so gut ging. Wenn du jetzt den 36 monate gereiften Comte kaufst, wird es dir morgen schon wieder besser gehen.



          Oder: Hallo Strolch, wir kennen uns doch noch von dem und dem Ereignis, du hast mir erzählt, das du Käse magst. Ich hab da jetzt einen probiert, ...

          Immerhin sind Sachen wie: dieser Käse sorgt dafür, dass Ihre Leber wieder besser funktioniert schon verboten. Aber auch in der Richtung kann gerade mit personalisierter Werbung noch viel Unfug getrieben werden.

          Die Dienstleistung bietet Ihnen der Supermarkt und der Käsehersteller an. An der Werbung verdienen aber nicht nur die, sondern auch die Werbeunternehmen. Und das gar nicht mal schlecht. Wo da aber der Nutzen sowohl für die Käufer als auch für die Hersteller und Händler liegt, darf hinterfragt werden. (Ja, der Nutzen liegt in der Wirkung, je mehr Unternehmen aber werben, desto häufiger hebt sich die Wirkung ja auch wieder auf.)

      • @x_y_z:

        Das passiert schon seit Jahrzehnten mit allem, was man mit Kreditkarte gezahlt hat.

  • Bei Rewe funktionieren die Apps in der Regel nicht - damit ist die Zweiklassengesellschaft hinfällig.

  • Günstige Preise für alle, damit rollte Aldi das Feld auf gegen die Rabattmärkchenklebers. Wer macht das jetzt in diesem zäh-oigopolistischen Markt?

  • Die Faktenlage ist seit Jahren bekannt - und wohl auch einem Großteil der Kundschaft klar. Aber die Mehrzahl möchte haltvauf den Mehrwert durch günstigere Preise und komfortableres Kaufverhalten nicht verzichten. Darum nutzten Viele die Apps, Soziale Medien und permanente „Kartenzahlung“. Selber schuld, könnte man meinen.

  • Wo ist die zweite Klasse der Gesellschaft? Es ist nur von Kundeninnen und dem Algorithmus der Händlerinnen die Rede.

    Die Klage war gegen die Diskriminierung gerichtet, von Appern und nicht-Appern. Das Gericht sah leider keine Diskriminierung. Ob es irgendwann eine erfolgreiche Klage gegen Datenkraken geben wird?

    Wohl eher nicht. Eher wird es Nutzerbezogene Preise und immer raffiniertere Apps geben. Die zb Vorschläge für den nächsten (teueren) Artikel machen, die Rabatte stundengenau timen usw. Wenn die dann noch mit dem Thermomix verbunden sind, war es das endgültig mit der freien Entscheidung.

    Der Hauptpunkt ist aber sicher die Kundenbindung. Wer die App hat geht nicht zur Konkurrenz. Als i-Tüpfelchen dann noch die Vererbung des Rabattscores.

    • @fly:

      Wieso sollte man nicht auch bei der Konkurrenz einkaufen. Man hat doch auch deren Apps und kann jeweils die günstigsten Angebote nutzen. Dann wissen die halt, dass ich Hähnchenschenkel, Spüli und Joghurt gekauft habe...so what.

    • @fly:

      Sorry, die zwei Klassen stehen natürlich im ersten Absatz.

  • Man sollte sich hier mit beliebigen Fake Daten anmelden, die keinerlei Rückschlüsse auf eine reale Person zulassen.

    • @K2BBQ:

      Damit verstoßen Sie dann eben willentlich und wissentlich gegen die in den AGB dargelegten Geschäftsbedingungen.



      Wird jetzt die Welt nicht unbedingt aus den Angeln geben, aber OK ist das nicht

    • @K2BBQ:

      Old Style - Volkzählung - remember



      Mein Freundin füllte für ihre Tochter aus:



      “4 Jahre - hat Abitur & fährt mit dem Moped zur Wurstfabrik!“

      So geht das

    • @K2BBQ:

      Die "reale Person" interessiert den Verkäufer überhaupt nicht, auch wenn das eine Kränkung des Egos des Käufers sein mag.



      Es interessiert nur das Käuferprofil.

  • Der Kunde kann das Ganze doch recht einfach steuern. Solche Apps nutze ich nur bei besonderen Angeboten und Rabatten und trenne das dann vom restlichen Einkauf. Mein Einkaufsverhalte lässt sich dadurch kaum analysieren.

  • Alles richtig, aber wenn man jeden Euro umdrehen muss, dann eben auch mit Apps. Ist leider so.