piwik no script img

Weimer und Leipziger BibliotheksbauEin „Moratorium“, kein Stopp

Viel Kritik folgte auf Wolfram Weimers Plan, den Erweiterungsbau der Nationalbibliothek Leipzig zu stoppen. Nun rudert der Kulturstaatsminister zurück.

Wenn es print ist, kann das weg? Foto: Sebastian Willnow/dpa

dpa/taz | Nach heftiger Kritik hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer klargestellt, dass der Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig noch nicht endgültig gestoppt ist. Eine abschließende Prüfung der Planungsunterlagen durch die Bauverwaltung des Bundes stehe noch aus und die langfristige Finanzierung sei nicht gesichert, erklärte der parteilose Politiker in Berlin. „Das daraus resultierende Moratorium bedeutet aber nicht, dass das Vorhaben gestrichen ist.“

Die Bibliothek hatte vergangene Woche mitgeteilt, Weimer habe sich gegen die Realisierung des Erweiterungsbaus entschieden. Dieser sollte langfristig Platz schaffen, um Bücher und andere Medien aufbewahren zu können. Das ist der Auftrag der Deutschen Nationalbibliothek mit ihren Standorten in Leipzig und Frankfurt am Main. Die Deutsche Nationalbibliothek nimmt auch das Pflichtexemplarrecht wahr. Alle in Deutschland erscheinenden Veröffentlichungen unterliegen einer solchen Ablieferungspflicht.

Die Magazinkapazitäten in Leipzig sind nach Darstellung der Leitung nahezu erschöpft. In die Planung des Erweiterungsbaus, dem nunmehr fünften Zusatzbau in Leipzig, flossen nach offiziellen Angaben bereits rund sieben Millionen Euro. Geplant hat das schlichte Gebäude das Dresdner Architekturbüro Code Unique.

Mit seinem Entwurf hatte sich Code Unique 2024 in einem nichtoffenen Wettbewerb unter 16 teilnehmenden Büros durchgesetzt. Der Bau, dessen Fertigstellung für 2030 anberaumt war, hätte nach Weimers Darstellung Gesamtkosten von mehr als 100 Millionen Euro erzeugt.

Auch Weimer will „Gedächtnis der Nation“ bewahren

Der Generaldirektor der Nationalbibliothek, Frank Scholze, wurde in Weimers Mitteilung mit den Worten zitiert: „Wir begrüßen die Entscheidung des Staatsministers sehr, den nächsten Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Baus zu gehen.“ Es sei gesetzlicher Auftrag und gesamtgesellschaftliche Verantwortung, das kulturelle Erbe im „Gedächtnis der Nation“ zu bewahren. „Dass hierzu inzwischen ein breiter Konsens mit dem Staatsminister und der Öffentlichkeit besteht, ist ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft unseres Landes“, erklärte Scholze.

Weimer selbst erklärte: „Selbstverständlich ist und bleibt der Bund der Deutschen Nationalbibliothek als Schatzkammer unseres schriftlichen Kulturerbes verpflichtet, ebenso wie ihrem Standort in Leipzig.“ Bei der Umsetzung des Sammelauftrags werde man künftig auch die Möglichkeiten der Digitalisierung stärker einsetzen. Aber man werde „gemeinsam auch in Zukunft den Erhalt eingehender physischer Medienwerke sicherstellen“.

Die Klarstellung kommt nach tagelanger Kritik. Über einen Sprecher hatte Weimer vergangene Woche erklärt: „Grundsätzlich strebt Staatsminister Weimer an, die Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek zukünftig weitestgehend digital abzubilden.“

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare