Attackiertes Gasfeld South Pars: Das größte Erdgasvorkommen der Welt
Israel hat ein iranisches Gasfeld im Persischen Golf attackiert. Dessen Reserven enstprechem dem weltweiten Bedarf für 13 Jahre.
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rtr/dpa/ap/taz | Das am Mittwoch von Israel angegriffene iranische Gasfeld South Pars sichert die Energieversorgung der Islamischen Republik. Der Iran ist in großem Maße auf Erdgas angewiesen, nutzt es unter anderem für die Produktion von Strom und fürs Heizen.
US-Präsident Donald Trump hat nach dem israelischen Angriff auf das iranische Gasfeld South Pars mit der vollständigen Zerstörung der Anlage gedroht, sollte die Führung in Teheran mit weiteren Attacken auf Katar reagieren.
Im Iran-Krieg sind bislang zahlreiche Öl- und Gasanlagen getroffen worden. Hier ein Überblick:
South Pars/North Dome, Iran und Katar: Das Gasfeld South Pars im Persischen Golf ist das größte bekannte Gasvorkommen der Welt. Der Iran teilt es sich mit dem auf der gegenüberliegenden Küste gelegenen Katar, das seinen Teil des Vorkommens unter dem Namen North Dome ausbeutet. South Pars liefert rund 70 Prozent des im Iran verbrauchten Erdgases.
Ras Laffan, Katar: In Ras Laffan im Norden Katars befindet sich die weltweit größte Produktionsstätte für Flüssigerdgas (LNG). Die Anlage wurde seit Beginn des Kriegs mehrfach Ziel iranischer Angriffe. Am frühen Donnerstag sprach der Staatskonzern Qatar Energy nach mehreren aufeinanderfolgenden Angriffen von „erheblichen Schäden“.
Charg, Iran: Die Insel Charg liegt im Persischen Golf rund 30 Kilometer von der Küste entfernt. Über das dortige Öl-Terminal werden etwa 90 Prozent der iranischen Rohölexporte abgewickelt. Die Insel wurde Ende vergangener Woche von der US-Armee angegriffen. Die iranischen Behörden teilten später mit, die Ölausfuhren liefen normal weiter; es habe keine Opfer gegeben.
US-Präsident Donald Trump drohte, die Infrastruktur auf der Insel zu zerstören, sollte der Iran weiter die Straße von Hormus blockieren. Durch die Meerenge verläuft für gewöhnlich rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports.
Ruwais, Vereinigte Arabische Emirate: Die Raffinerie in Ruwais im Emirat Abu Dhabi ist nach Angaben des staatlichen Ölkonzerns Adnoc die viertgrößte der Welt. Sie stellte in der vergangenen Woche den Betrieb „vorsorglich“ ein, nachdem es in der Nähe einen Drohnenangriff gegeben hatte. Das verlautete aus informierten Kreisen ohne Angaben dazu, ob die Raffinerie selbst getroffen wurde. Adnoc äußerte sich nicht zu dem Thema.
Ras Tanura, Saudi-Arabien: Auf der saudiarabischen Halbinsel Ras Tanura am Persischen Golf befindet sich eine der größten Raffinerien der Region. Mit einer Kapazität von 550.000 Barrel pro Tag ist sie ein wesentlicher Pfeiler der Energiebranche in Saudi-Arabien. Die Raffinerie wurde mehrfach angegriffen, unter anderem bei einem iranischen Drohnenangriff zu Beginn des Iran-Krieges. Wegen eines dadurch ausgelösten Brandes wurde der Betrieb vorübergehend eingestellt.
Janbu, Saudi-Arabien: In Janbu in Saudi-Arabien befindet sich die Raffinerie Samref, die dem saudiarabischen Ölriesen Aramco und einer Tochtergesellschaft des US-Konzerns ExxonMobil gehört. Die Raffinerie in einem Industriegebiet am Roten Meer wurde am Donnerstag von einer Drohne getroffen. Nach Angaben des saudiarabischen Verteidigungsministeriums lief „die Bewertung der Schäden“ am Morgen. (afp)
Nach dem israelischen Schlag gegen South Pars am Mittwoch feuerte der Iran wieder Raketen auf Katar und Saudi-Arabien ab. Der staatliche Energiekonzern QatarEnergy meldete „umfangreiche Schäden“ und „beträchtliche Brände“ in mehreren Flüssiggasanlagen (LNG) in der Industriestadt Ras Laffan.
Das Gasfeld unter dem Persischen Golf
Das Erdgasfeld South Pars liegt unter dem Persischen Golf und wird sowohl vom Iran als auch von Katar genutzt. Katar nennt seinen Teil North Dome. Es erstreckt sich von der nördlichen Küste Katars fast bis zur Küste des Iran. Rund zwei Drittel des Feldes werden von Katar kontrolliert.
In der iranischen Stadt Assaluyeh in der Provinz Buschehr wird das Erdgas aus dem iranischen Teil des Feldes verarbeitet und transportiert.
Katars LNG-Produktionsstätten, Verflüssigungsanlagen und Exportinfrastruktur konzentrieren sich fast vollständig auf Ras Laffan. Der Ort liegt rund 80 Kilometer nördlich der katarischen Hauptstadt Doha. Mehrere internationale Unternehmen, wie etwa der Ölkonzern Shell, sind in Ras Laffan ansässig.
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Das Feld beherbergt das größte Erdgasvorkommen der Welt. Das gesamte Vorkommen enthält schätzungsweise 51 Billionen Kubikmeter nutzbares Gas. Das reicht aus, um den weltweiten Bedarf für 13 Jahre zu decken.
Iran nutzt Gas für heimischen Verbrauch
Wegen der Sanktionen gegen den Iran und technischer Beschränkungen nutzt das Land das Gas von South Pars für den heimischen Verbrauch. Die iranische Gasproduktion belief sich 2024 auf insgesamt 276 Milliarden Kubikmeter. Davon wurden nach Daten des Forums gasexportierender Länder (GECF) 94 Prozent im Iran selbst verbraucht.
Der reiche Golfstaat Katar, der viel weniger Einwohner hat als der Iran, hat den Gasreichtum ganz anders genutzt als die Islamische Republik. Er investierte Milliarden in die Erschließung der Gasvorräte und exportierte sie bis vor wenigen Wochen von seiner Anlage in Ras Laffan. Dort wird das Gas abgekühlt, um es zu verflüssigen, in Tankern nach Asien gebracht und dort wieder in Gasform umgewandelt.
Es ist ein enorm einträgliches Geschäft, aus Katar kommt rund ein Fünftel des weltweit verfügbaren Flüssigerdgases (LNG), die durch die Straße von Hormus transportiert werden. Der staatliche Energiekonzern QatarEnergy verschiffte im Jahr 2025 insgesamt 80,97 Millionen Tonnen LNG.
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