+++ Nachrichten im Iran-Krieg +++: Netanjahu: „Iran wird dezimiert“
Der Iran-Krieg geht mit unverminderter Härte weiter, gegenseitige Drohungen der Gegner inklusive. Iran prahlt mit vermeintlich riesigen Raketenvorräten.
Netanjahu prophezeit schnelles Kriegsende
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sieht Iran knapp drei Wochen nach Beginn der Luftangriffe Israels und der USA stark geschwächt. „Wir gewinnen und der Iran wird dezimiert“, sagte Netanjahu am Donnerstagabend bei einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz.
Netanjahu betonte, der Iran sei mittlerweile nicht mehr in der Lage, Uran anzureichern oder ballistische Raketen herzustellen. Der Krieg werde „viel schneller enden, als die Leute denken“. Zugleich sagte der israelische Regierungschef, der Krieg sei noch nicht beendet. „Es gibt noch mehr zu tun und wir werden es tun“, sagte er.
Mit Blick auf den Angriff auf das iranische Gasfeld „South Pars“ erklärte Netanjahu, Israel habe allein gehandelt. US-Präsident Donald Trump habe Israel im Anschluss gebeten, „weitere Angriffe auszusetzen, und wir halten uns daran“, sagte der israelische Regierungschef.
Netanjahu verwies zudem auf angebliche „Risse“ in der iranischen Führung. „Ich bin mir nicht sicher, wer nun das Sagen in Iran hat.“ Der Sohn und Nachfolger des am ersten Kriegstag getöteten obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei, Modschtaba Chamenei, habe „sein Gesicht nicht gezeigt“. Es gebe „jede Menge Spannungen unter den Menschen, die an die Spitze drängen“. (afp)
Revolutionsgarde: Teheran baut weiter Raketen
Die iranischen Revolutionsgarden halten unterdessen dagegen und bestreiten den Verlust der iranischen Fähigkeit zum Bau von Raketen. General Ali Mohammed Naeini, der Sprecher der Revolutionsgarden, wies am Freitag in der staatlichen Zeitung Iran Aussagen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zurück, dass Teheran nach knapp drei Wochen Krieg nicht mehr in der Lage sei, ballistische Raketen zu bauen.
Mit Bezug auf das iranische Schulsystem, in dem 20 Punkte als Bestnote betrachtet werden, erklärte der General: „Unsere Raketenindustrie erreicht eine Punktzahl von 20. Und in dieser Hinsicht gibt es keine Bedenken, weil wir selbst unter Kriegsbedingungen Raketen produzieren, was unglaublich ist, und es gibt kein besonderes Problem bei der Bevorratung.“Der Krieg könne weitergehen, erklärte Naeini. „Diese Leute erwarten, dass der Krieg weitergeht, bis der Feind vollständig erschöpft ist“, sagte er über die iranische Öffentlichkeit.
Für Naeini selbst geht es inzwischen nicht mehr weiter. Am Freitagmittag wurde sein Tod vermeldet. Mehr auf taz.de. (ap/taz)
Iran attackiert weiter Kuwait, Emirate, Saudi-Arabien, Bahrain und Israel
Dessen ungeachtet gehen die iranischen Angriffe tatsächlich unvermindert weiter. So ist die kuwaitische Ölraffinerie Mina Al-Ahmadi am frühen Freitagmorgen von mehreren Drohnen angegriffen worden. Dabei sei in einigen Anlagen ein Feuer ausgebrochen, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf den Ölkonzern KPC. Verletzte wurden demnach zunächst nicht gemeldet. Die Feuerwehr sei sofort im Einsatz gewesen. Mehrere Anlagen seien vorsorglich abgeschaltet worden, um die Sicherheit der Arbeiter zu gewährleisten.
Auch in anderen Golfstaaten kam es erneut zu Angriffen. Staatsmedien in den Vereinigten Arabischen Emiraten meldeten „Raketen- und Drohnenbedrohungen aus Iran“. Das saudi-arabische Verteidigungsministerium gab bekannt, seine Streitkräfte hätten in weniger als zwei Stunden mehr als ein Dutzend Drohnen im Osten des Landes und eine weitere im Norden „abgefangen und zerstört“. Bahrains Innenministerium gab bekannt, Splitter einer „iranischen Aggression“ hätten in einer Lagerhalle ein Feuer ausgelöst.
Die iranischen Revolutionsgarden gaben in einer von der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichten Erklärung bekannt, sie hätten US-Streitkräfte in dem Luftwaffenstützpunkt al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Ziele in Israel mit Drohnen und Raketen anvisiert.
Zuvor meldete die israelische Armee erneut mehrere Salven von Raketen aus Iran. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten von lauten Explosionen über Jerusalem. Die israelischen Rettungsdienste meldeten zunächst keine Verletzten oder Schäden. (rtr, afp)
Israel meldet Angriffe auf syrische Militärinfrastruktur
Die israelische Armee reagierte auf die iranischen Raketen ihrerseits mit Gegenschlägen. „Die IDF hat soeben mit einer Welle von Angriffen gegen die Infrastruktur des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran begonnen“, teilte ein Militärsprecher mit. US-Präsident Donald Trump hatte Israel am Donnerstag davor gewarnt, seine Angriffe auf die iranische Erdgasinfrastruktur zu wiederholen.
Darüber hinaus hat die IDF nach eigenen Angaben wegen Angriffen auf Drusen in der syrischen Provinz Suweida militärische Infrastruktur im Süden Syriens bombardiert. Getroffen worden seien ein syrisches Kommandozentrum sowie Waffenlager, teilte das Militär am Freitag mit. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete zunächst nicht über einen israelischen Angriff. Es wäre der erste seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen Iran am 28. Februar. (rtr, ap)
Katar: Reparaturen könnten bis zu fünf Jahre dauern
Die Reparaturen nach dem iranischen Raketenangriff auf Flüssiggasanlagen im Industriegebiet Ras Laffan in Katar könnten katarischen Angaben zufolge bis zu fünf Jahre in Anspruch nehmen – obwohl die Produktion in den Anlagen nach früheren Angriffen bereits eingestellt worden war. Der Betreiber Qatar Energy teilte am späten Donnerstagabend auf X mit, der Angriff habe die Exporte von Flüssigerdgas um etwa 17 Prozent verringert und verursache jährliche Einnahmeverluste von rund 20 Milliarden US-Dollar. (ap)
Festnahmen in den Emiraten
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben nach eigenen Angaben ein von der libanesischen Hisbollah und Iran finanziertes und betriebenes Terrornetzwerk zerschlagen und dessen Mitglieder festgenommen. Dem Netzwerk werden Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und die Bedrohung der nationalen Sicherheit vorgeworfen, meldet die staatliche Nachrichtenagentur.
„Das Netzwerk war im Land unter dem Deckmantel einer Scheinfirma tätig und versuchte, die Volkswirtschaft zu unterwandern sowie externe Vorhaben auszuführen, die die Finanzstabilität des Landes bedrohten“, berichtet die Nachrichtenagentur. (rtr)
EU-Staaten schließen Kriegsteilnahme weiter aus
Die Staats- und Regierungschefs der EU unterstrichen derweil bei einem Gipfel in Brüssel, sie schlössen eine aktive Teilnahme am Krieg weiter aus. Zudem forderten sie „ein Moratorium für Angriffe auf Energie- und Wasserversorgungsanlagen“.
Die Gipfelteilnehmer begrüßten in ihrer Abschlusserklärung zudem die Bereitschaft von Mitgliedsstaaten, die Straße von Hormus abzusichern, „sobald die Voraussetzungen dafür erfüllt sind“. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigte, dass sich Deutschland an Sicherungsmaßnahmen beteiligen könne. „Aber das geht erst, wenn die Kampfhandlungen abgeschlossen sind“, fügte er hinzu.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte nach dem Gipfel, seine Regierung plane, mit den ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats über die Schaffung eines UN-Rahmens für eine Absicherung der für die weltweiten Ölhandel wichtigen Meeresenge zu sprechen. Für eine Umsetzung einer solchen Mission müssten jedoch zunächst die Kampfhandlungen eingestellt werden. (afp)
US-Kampfflugzeug mutmaßlich von iranischem Beschuss getroffen
Ein US-Tarnkappen-Kampfflugzeug vom Typ F-35 ist US-Medienberichten zufolge von mutmaßlich iranischem Beschuss getroffen worden. Das Flugzeug habe an einem US-Luftwaffenstützpunkt im Nahen Osten notlanden müssen, berichteten am Donnerstag mehrere US-Medien, darunter die Sender ABC und CNN.
Der Sprecher für das Nahost-Kommando Centcom, Tim Hawkins, erklärte, das Flugzeug sei sicher gelandet und der Pilot befinde sich in stabilem Zustand. Hawkins bestätigte die Medienberichte nicht. „Dieser Vorfall wird untersucht“, erklärte er.
Die US-Armee hat im bisherigen Verlauf des Irankrieges bereits mehrere Flugzeuge verloren. Anfang März waren drei Kampfflugzeuge vom Typ F-15E nach Angaben der US-Armee „versehentlich“ von der kuwaitischen Luftabwehr abgeschossen worden. Alle sechs Insassen konnten sich aber per Schleudersitz retten. Mitte März stürzte ein Betankungsflugzeug vom Typ KC-135 über Westirak ab. Dabei starben sechs Besatzungsmitglieder. Bislang ist jedoch kein Flugzeug bekannt, das von iranischem Beschuss getroffen wurde.
Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen den Irankrieg begonnen. Teheran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion. Seitdem wurden nach Angaben aus Washington dreizehn US-Armeeangehörige getötet und rund 200 weitere verletzt. (afp)
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert