Bundesregierung protegiert Gasheizungen: Verschiebung nach rechts
Ja, fossile Wärme könnte auch in Zukunft bezahlbar sein. Aber die Folgen fürs Klima wären katastrophal, wenn heute nicht mehr auf Wärmepumpen gesetzt wird.
W eiterhin neue Gasheizungen einbauen zu dürfen, betrachtet Katherina Reiche als Ausdruck schützenswerter Entscheidungsfreiheit der Bürger:innen. Folglich will sie das Gebäudemodernisierungsgesetz ändern. Organisationen wie dem Umweltverband BUND und dem Fraunhofer Institut ISI bleibt es vorbehalten, vor den fatalen Folgen zu warnen. Horrende Kosten kämen dann wahrscheinlich auf Mieter:innen und Immobilienbesitzende zu. Den vermeidbaren Verlust pro Privathaushalt beziffern die Expert:innen beispielsweise auf rund 20.000 Euro in den nächsten 20 Jahren. Diese Summe kommt zustande, weil Gas schätzungsweise erheblich teurer wird, unter anderem durch den Kohlendioxidpreis.
In der schlechten Nachricht steckt aber auch eine gute: Mit strombetriebenen Wärmepumpen lassen sich die Zusatzkosten vermeiden. Die Berechnungen beruhen allerdings auf den heutigen Rahmenbedingungen. Viele Einflussfaktoren können sich ändern, etwa die Höhe des Kohlendioxidpreises. Dieser hängt eng zusammen mit dem europäischen Emissionshandel, dessen Ziel darin besteht, Kohle, Erdöl und Erdgas bis 2050 nahezu vollständig durch klimafreundliche Energiequellen zu ersetzen.
Grundsätzlich vorstellbar aber ist, dass konservative, rechte und rechtsextreme Parteien diese momentan noch als unverrückbar geltenden Ecksteine der Wirtschafts- und Umweltpolitik verschieben. Klimaneutralität erst 2060 oder 2070?
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Die Veränderungen, die Wirtschaftsministerin Reiche und CDU-Kanzler Friedrich Merz bei Heizungen, erneuerbaren Energien, Stromnetzen und neuen Autos vorantreiben, könnten erste Anzeichen einer solchen Verschiebung sein. Vielleicht sind dann Gasheizungen auch in 20 Jahren noch eine bezahlbare Wärmevariante. Die Warnung vor den hohen Kosten fossiler Heizungen wäre im Rückblick möglicherweise gegenstandslos gewesen. Gültig blieben damit umso mehr die aktuellen Warnungen vor den katastrophalen Folgen unterlassener Klimapolitik.
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