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DFB-Team der MännerFingerzeige im „Joggeli“

Das Duell gegen die Schweiz steht an. Es könnte für die deutsche Nationalmannschaft zum Wegweiser vor der Nominierung des WM-Kaders werden.

Warmlaufen in Herzogenaurach – erstes Training der Männernationalmannschaft vor dem Länderspiel in der Schweiz Foto: Harry Koerber/imago

Aus Basel

Frank Hellmann

Es ist keine Frage, dass der St. Jakob-Park seine Spuren in der deutschen Fußballgeschichte hinterlassen hat. In dem Neubau nach der Jahrtausendwende hat die Nationalmannschaft schließlich ihr flirrendes EM-Halbfinale 2008 gegen die Türkei (3:2) bestritten, als wegen eines Gewitters in Wien während der Aufholjagd viele Mattscheiben in Deutschland schwarz blieben, als Philipp Lahm in vorletzter Minute traf.

Auch für die DFB-Frauen hat sich die im Volksmund nur „Joggeli“ genannte Spielstätte als legendärer Schauplatz erwiesen: Der magische Kraftakt im EM-Viertelfinale gegen Frankreich mitsamt Monsterparade von Ann-Katrin Berger im vergangenen Sommer glückte eben auch im Osten von Basel.

Wenn nun fürs deutsche Team das Nachbarschaftsduell gegen die Schweizer Nationalelf ansteht (Freitag 20.45 Uhr/RTL), braucht es den historischen Überbau nicht: Julian Nagelsmann genügt es, wichtige Fingerzeige für die WM im Sommer zu erhalten. Schließlich fordert das schon jetzt massiv von der politischen Großwetterlage beeinflusste Turnier den Bundestrainer auf allen Ebenen heraus. Die Vorfreude vieler Fans hingegen bewegt sich bei jenen Temperaturen, die bei diesem Härtetest herrschen werden, fast am Nullpunkt.

Nichtsdestotrotz soll das erste Länderspiel im Jahr natürlich Freude machen – und das Erweckungserlebnis des Betrachters sich nicht allein auf die modischen blauen Auswärtsjerseys beschränken. „Die Schweiz wird uns alles abverlangen“, warnt Nagelsmann, der einerseits angekündigt hat, dass es nichts zu experimentieren gäbe. Andererseits wird eine neue „Variabilität“ gefordert, bei dem das Verschieben von ein, zwei Positionen im Spielaufbau angeblich alles verändert.

Sein bestes Gerüst

Dieser Plan sei „super einfach gehalten“, so der Nationaltrainer. „Das Schlimmste, was passieren kann“, führte er aus, sei eine Niederlage, nach der alles wieder infrage gestellt würde. Insofern wird er sein bestes Gerüst aufstellen, das für die zweite Begegnung gegen Ghana in Stuttgart (Montag 20.45 Uhr/ARD) dann in Teilen modifiziert wird.

Wie wichtig diese Freundschaftsspiele im Frühjahr sind, hat das Beispiel vor der Heim-EM gezeigt. Die Stimmung schien am Boden, als die prestigeträchtigen Duelle im trüben Herbst 2023 gegen die Türkei (2:3) und Österreich (0:2) verloren gegangen waren, doch unter Nagelsmann gelang nach einem harten Cut mit der Rückkehr von Toni Kroos gegen Frankreich (2:0) und die Niederlande (2:1) der Turnaround.

Diesen Schwung nahm die Mannschaft bis ins Turnier mit. Deshalb soll auch niemand sagen, dass Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Leon Goretzka und Jonathan Tah aus dem Bayern-Block vielleicht mit den Gedanken schon beim Champions-League-Kracher gegen Real Madrid sind. Auch Antonio „Toni“ Rüdiger, 33, auf den sich nach der Rückkehr viele Augen richten, will den Fokus nur auf die Nationalelf richten.

An seinem Wert fürs schwarz-rot-goldene Gefüge hat insbesondere Kapitän Kimmich keinen Zweifel gelassen: „Viele in Deutschland vergessen, was Toni in den letzten Jahren bei Real auf höchstem Niveau abgeliefert hat. Davon haben wir in unserem Kader nicht so viele Spieler.“ Wenn der Abwehrchef sich keine Aussetzer leistet, ist er ohne Zweifel unumstritten. Spannend wird, wer an seiner Seite in der Zentrale verteidigt. Eher Nico Schlotterbeck als Linksfuß mit starker Spieleröffnung als Tah?

Woltemade wohl auf der Bank

Und dann gibt es noch das Personalpuzzle ganz vorne zu lösen. Eigentlich gibt der Kader nur noch einen klassischen Knipser her: der ebenfalls zurückgekehrte Deniz Undav, der für den VfB Stuttgart seit Wochen fast mit verbundenen Augen trifft. Dem Bundestrainer ist das natürlich nicht entgangen: „Er hat eine super Quote. So einen Stürmer kann man nicht zu Hause lassen.“

Und weil Nagelsmann vermutlich mal Kai Havertz auf Herz und Nieren nach 16 Monaten Abstinenz im Nationalteam sehen möchte, wird wohl der in der holprigen WM-Qualifikation sehr verlässlich treffende Nick Woltemade auf der Bank sitzen. Wer den gebürtigen Bremer mit der ihm angeborenen Bodenständigkeit kennt, weiß, dass daraus keine Probleme erwachsen. Zumal dieser noch genügend Gelegenheiten bekommen wird, ein bisschen an deutscher Fußballgeschichte mitzuschreiben.

Vielleicht nicht in Basel, aber bald in Houston, Toronto und New York.

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