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CPAC in DallasTrump-Kult ohne Wenn und Aber

Auf einer Konferenz in Texas treffen sich Vertreter der amerikanischen Rechtskonservativen. Trump wird zwar glorifiziert, ist aber selber nicht vor Ort.

Trump-Fans bei der CPAC in Dallas am 26. März Foto: Shafkat Anowar/The Dallas Morning News via ap

Aus Washington

Hansjürgen Mai

Im texanischen Dallas treffen sich in dieser Woche die wichtigsten Persönlichkeiten der konservativ-rechten Szene in den USA. Die alljährliche Conservative Political Action Conference, kurz CPAC, gibt Anhaltspunkte darüber, was die konservativen Wäh­le­r:in­nen im Land bewegt. Wie üblich führt auch in diesem Jahr kein Weg an US-Präsident Donald Trump vorbei. Der Kult um seine Person ist seit über einem Jahrzehnt ein fester Bestandteil des Treffens.

Allerdings wird Trump zum ersten Mal seit mehreren Jahren nicht persönlich bei der Konferenz erscheinen. Ob dies mit dem aktuellen Irankrieg zu tun hat, ist nicht bekannt.

Wie der erste Tag der Konferenz am Donnerstag allerdings zeigte, hat seine Abwesenheit keinerlei Einfluss auf seine Popularität. Es dominierten rote MAGA-Kappen und die amerikanischen Nationalfarben. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren waren dieses Mal auch viele iranische Flaggen im Publikum zu finden.

Unterstützung für Trumps Irankrieg

Während der Mittagspause im Programm kam es sogar zu spontanen Sprachchören, die Trump für dessen militärisches Vorgehen gegen das Mullah-Regime feierten: „Thank you, Trump“ und „King Reza Pahlavi“ riefen die Menschen auf den Fluren des Konferenzgebäudes. Reza Pahlavi ist der im Exil lebende Sohn des letzten iranischen Schahs, der 1979 während der islamistischen Revolution abgesetzt wurde.

Die USA unter Trump

Im November 2024 gewann Donald J. Trump zum zweiten Mal eine Präsidentschaftswahl in den USA und amtiert seit Januar 2025 als 47. Präsident. Er treibt den Umbau öffentlicher Einrichtungen und einen Kurswechsel in der Außenpolitik voran.

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Im CPAC-Programm selbst spielte der Konflikt im Iran nur eine Nebenrolle. Die teilweise Stilllegung des US-Heimatschutzministeriums DHS, Trump Einwanderungspolitik und der Kulturkampf gegen die „Woke“-Agenda der Linken standen im Vordergrund.

Auch die Gegner der konservativ-rechten Bewegung wurden zahlreich genannt. Immer wieder fielen die Namen Alexandria Ocasio-Cortez und Zohran Mamdani. Die eine ist Kongressabgeordnete und der andere der erste muslimische Bürgermeister New Yorks. Beide sind demokratische Sozialisten. Laut CPAC stehen sie für alles, was Demokraten schlecht mache.

Es fehlt nicht nur Trump

Doch vielleicht noch wichtiger als diejenigen, die auch in diesem Jahr wieder bei CPAC dabei sind, sind die, die fehlen. Aus der rechten Influencerszenen waren das große Namen wie Ben Shapiro, Tucker Carlson oder Megyn Kelly.

Alle drei haben im Verlauf des vergangenen Jahres Trump und dessen Politik kritisiert. Dies reicht für die CPAC-Organisatoren offenbar, diese Persönlichkeiten nicht mehr einzuladen.

CPAC-Moderatorin Mercedes Schlapp machte klar, dass die konservative Bewegung zusammenhalten müsse, damit die Republikaner bei den Midterms im November nicht unter die Räder geraten.

„Wir müssen geeint bleiben, um die bevorstehenden Kongresswahlen zu gewinnen. Der wahre Feind sind die Kommunisten, Sozialisten und Marxisten“, sagte sie. Das scheint ein deutlicher Indikator dafür, dass man aktuell eben nicht vereint sei.

Trump verliert an Rückhalt

Und jüngste Umfragen haben gezeigt, dass Trump unter republikanischen Wählern an Rückhalt verliert. Laut einer „Fox News“-Umfrage hat Trump unter Republikanern einen Tiefststand von 84 Prozent erreicht – ein Rückgang von 8 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig sind 16 Prozent der Republikaner mit Trumps Arbeit unzufrieden, so viele wie noch nie zuvor.

Neben dem Irankrieg spalten auch die Epstein Files und hohe Lebenshaltungskosten die Anhänger des Präsidenten. Unter den CPAC-Besuchern sucht man kritische Stimmen zum Präsidenten jedoch quasi vergeblich. Nur der ehemalige rechte Kongressabgeordnete Matt Gaetz machte seinen Unmut beim Thema Iran öffentlich.

„Eine Bodeninvasion in Iran würde unser Land ärmer und unsicherer machen. Sie würde höhere Benzin- und Lebensmittelpreise bedeuten. Und ich bin mir nicht sicher, ob wir am Ende vielleicht nicht mehr Terroristen schaffen würden, als wir töten“, sagte Gaetz.

Brüche in der MAGA-Bewegung

Auch wenn MAGA noch immer mit überwältigender Mehrheit hinter Trump steht, glaubt der Historiker und Politikexperte Matthew Dallek, dass es erste Brüche innerhalb der Bewegung gibt, die größer werden könnten.

„Ich glaube, dass sich die konservative Bewegung in einer Phase des Umbruchs befindet. Das ist aber etwas anderes, als zu behaupten, die Koalition würde auseinanderbrechen. Ich bin mir zudem nicht sicher, ob MAGA derzeit überhaupt weiß, wofür es steht – abgesehen davon, dass es pro Trump ist“, sagte Dallek gegenüber der taz.

Trump selbst hat am Donnerstagabend angekündigt, eine Verordnung zu erlassen, die dafür sorgen soll, dass Mitarbeiter an den Flughäfen trotz des anhaltenden DHS-Shutdowns bezahlt werden.

Außer einem Social-Media-Post des Präsidenten gibt es bislang noch keine offizielle Stellungnahme. Sollten der Krieg in Iran, die Epstein Files und die hohen Lebenshaltungskosten auch noch im Sommer Schlagzeilen machen, könnte das zum Problem für die Republikaner werden, denn alle drei Themen spalten derzeit die Bewegung.

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