+++ Nachrichten im Irankrieg +++: Spitzenpolitiker des Iran spricht von „großem Weltkrieg“
Der Irankrieg geht in die fünfte Woche. Pakistan bemüht sich um Deeskalation. Derweil drohen die Mullahs mit Angriffen auf Unis in der Golfregion.
Iran: US-Bodenoffensive wäre ein „Wunschtraum“
Der Iran hat die USA vor einer Bodenoffensive gewarnt. „Zweifelt keinen Augenblick an der Entschlossenheit unserer Soldaten“, sagte Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf der staatlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge. Der Iran sei sich sicher, dass er die USA bestrafen und zur Reue bewegen könne, sodass diese es nicht mehr wagen würden, das Land anzugreifen. Man befinde sich in einem „großen Weltkrieg“, so Ghalibaf.
Der 64-Jährige gilt seit dem Tod von Sicherheitsratschef Ali Laridschani als Irans faktischer Verteidigungsminister und einer der mächtigsten Politiker des Teheraner Islamistenregimes. Es heißt, er sei pragmatisch – und brutal. Seine jetzige Stellung als Parlamentspräsident verdankt er dem toten Ayatollah Chamenei senior.
Ghalibaf äußerte sich bei der Gelegenheit auch skeptisch zu Vermittlungsversuchen. Die USA signalisierten Verhandlungsbereitschaft, planten aber heimlich eine Bodenoffensive, so Ghalibaf. Der Sprecher der iranischen Streitkräfte sagte dem Staatssender Irib zufolge, eine Bodenoffensive oder Besetzung eines Teils des Irans sei ein „Wunschtraum“, man warte nur auf solch eine Aktion.
Zuvor hatten US-Medien berichtet, dass das US-Militär Pläne für einen möglichen Einsatz mit Bodentruppen im Iran vorbereitet hat. Zugleich bemühen sich Pakistan, Ägypten, Saudi-Arabien und die Türkei bei einem Treffen der Außenminister in Islamabad um Deeskalation. (dpa/taz)
Huthis greifen erneut Israel an
Die proiranische Huthi-Miliz im Jemen sind Seite Teherans in den Irankrieg eingetreten und greifen Israel an. Am Samstagabend seien eine Drohne über der südlichen Stadt Eilat und ein Marschflugkörper vor Erreichen israelischen Territoriums abgefangen worden, berichtete die Times of Israel unter Berufung auf das Militär. Am Samstagmorgen hatten die jemenitischen Islamisten bereits eine Rakete auf Israel gefeuert.
Die EU-geführte Marinemission „Aspides“ warnt zugleich vor Angriffen der Huthi-Miliz auf die internationale Schifffahrt im Roten Meer und im östlichen Golf von Aden. Schiffen könnte dort erneut ins Visier geraten, teilte die Marinemission mit Sitz im griechischen Larissa mit. Reedereien, deren Schiffe sich in der Region befinden, werde empfohlen, besonders vorsichtig zu sein. Schiffe mit Verbindungen zu Israel oder den USA sollten die Passage durch das Rote Meer und den Golf von Aden nach Möglichkeit gänzlich meiden.
Die mit den Mullahs in Iran verbündeten radikalislamistischen Huthis im bitterarmen Jemen hatten bereits in der Vergangenheit im Roten Meer und dem sich südlich anschließenden Golf von Aden immer wieder Handelsschiffe attackiert. Das Rote Meer und der Golf von Aden gelten als eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Sie liegen zwischen Nordostafrika und der Arabischen Halbinsel und bilden eine zentrale Verbindung zwischen dem Mittelmeer (über den Suezkanal) und dem Indischen Ozean. (dpa/taz)
Katarischer TV-Sender in Teheran getroffen
Bei einem israelischen Raketenangriff auf die iranische Hauptstadt Teheran ist ein Büro des katarischen Nachrichtensenders Al Arabi beschädigt worden. Der Sender schrieb am Sonntag im Kurzbotschaftendienst X, eine israelische Rakete habe das Gebäude getroffen, in dem sich die Redaktionsräume befinden. Dabei sei „erheblicher Schaden“ entstanden, die Live-Berichterstattung sei deswegen unterbrochen worden.
Aufnahmen aus dem Inneren des Gebäudes zeigten zerbrochene Scheiben, Glas und Trümmerteile. Aufnahmen von außen zeigten Trümmerteile auf den Straßen und beschädigte Gebäude. (afp)
Drohnenangriff auf syrischen US-Stützpunkt abgewehrt
Die syrische Armee hat nach eigenen Angaben einen Drohnenangriff aus dem Nachbarland Irak auf einen der letzten US-Stützpunkte in Syrien abgewehrt. „Heute wurde die US-Militärbasis in Kasrak mit vier Drohnen angegriffen, die von irakischem Territorium aus gestartet worden waren“, erklärte Vize-Verteidigungsminister Sipan Hamo am Sonntag beim Onlinedienst X. Die Drohnen seien abgeschossen worden, Verletzte habe es nicht gegeben.
Bereits am Samstag hatte die syrische Armee erklärt, einen Drohnenangriff aus dem Irak auf den Stützpunkt al-Tanf abgewehrt zu haben. In al-Tanf im Südosten Syriens waren bis Februar US-Soldaten stationiert.
Zuvor hatte es nach syrischen Angaben einen ähnlichen Angriff auf eine weitere Militärbasis im Nordosten des Landes gegeben. Ein irakischer Beamter hatte damals gesagt, dass eine bewaffnete Gruppe hinter der Attacke gesteckt habe. Im Zusammenhang mit dem Vorfall wurden im Irak vier Menschen festgenommen. (afp)
Iran droht mit Angriffen auf US-Unis in der Golfregion
Der Iran drohte unterdessen mit Angriffen gegen US-Universitäten in der Region als Vergeltung für die mutmaßliche Bombardierung iranischer Universitäten. Wenn die US-Regierung wolle, dass ihre Universitäten in der Region von Vergeltungsmaßnahmen verschont bleiben, müsse sie bis Montag, 12 Uhr mittags Teheraner Zeit, die Bombardierung von Universitäten verurteilen, zitierte die Nachrichtenagentur Fars eine Erklärung der iranischen Revolutionsgarden.
Man rate allen Mitarbeitern, Professoren und Studenten amerikanischer Universitäten in der Region sowie den Anwohnern der umliegenden Gebiete, sich einen Kilometer von den Campusgeländen fernzuhalten, zitierte Fars aus der Erklärung der Revolutionsgarden weiter.
Nach iranischen Angaben waren zuvor die Technische Universität Isfahan und die Universität für Wissenschaft und Technologie in Teheran Ziel von Bombardierungen geworden. Über mögliche Opfer gab es zunächst keine Angaben. (dpa)
Pakistan bemüht sich um Deeskalation
Derweil kommen heute auf Einladung Pakistans die Außenminister Saudi-Arabiens, Ägyptens und der Türkei in Islamabad zu zweitägigen Gesprächen zusammen, um über eine mögliche Deeskalation des seit einem Monat andauernden Krieges zu beraten. Pakistan teilt sich eine rund 900 Kilometer lange Grenze mit dem Iran und hat sich seit der Ausweitung des Krieges auf die Golfstaaten als Vermittler für eine mögliche Beendigung des Krieges angeboten. Mehr auf taz.de. (dpa)
Weitere US-Streitkräfte in Nahen Osten verlegt
Die USA hat inzwischen weitere Marinekräfte in den Nahen Osten verlegt. Das amphibische Angriffsschiff „USS Tripoli“ erreichte nach Angaben des zuständigen US-Regionalkommandos am Freitag sein Einsatzgebiet. US-Außenminister Marco Rubio sagte nach den jüngsten G7-Gesprächen, der Einsatz im Iran könnte „in wenigen Wochen, nicht in Monaten“ abgeschlossen werden. Die eigenen Kriegsziele könnten ohne Bodentruppen erreicht werden, hieß es. Kategorisch ausschließen wollte Rubio deren Einsatz aber nicht.
Das israelische Militär wiederum will nach Darstellung eines Sprechers die iranische Waffenproduktion „in wenigen Tagen“ weitgehend zerstört haben. Die Streitkräfte würden in diesem Zeitraum „die Angriffe auf alle wichtigen Komponenten der (iranischen) Militärindustrie abschließen“, sagte Armeesprecher Effie Defrin am Samstagabend. „Das bedeutet, dass wir den Großteil der militärischen Produktionskapazitäten zerstören haben werden.“ (dpa)
Erneut Angriffe auf Golfstaaten
Mehrere Golfstaaten meldeten zugleich erneut Schäden nach Angriffen aus dem Iran. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde nach Angaben des Betreibers bei einem iranischen Raketen- und Drohnenangriff ein Metallwerk schwer beschädigt. Das Werk befindet sich in der Khalifa Industrial Zone Abu Dhabi. Eine nicht näher genannte Anzahl von Mitarbeitern sei verletzt worden, hieß es vom Betreiber.
Aus Katar hieß es am frühen Samstagabend (Ortszeit), das Golfemirat sei im Laufe des Tages Ziel eines Angriffs mit mehreren aus dem Iran gestarteten Drohnen gewesen. Alle Drohnen seien erfolgreich abgefangen worden, teilte das Verteidigungsministerium weiter mit.
Davor hatte bereits Kuwait von Beschuss durch Drohnen berichtet. Einige der Angriffe hätten auf die Umgebung des internationalen Flughafens von Kuwait gezielt und erhebliche Schäden am Radarsystem verursacht. Verletzte gebe es nicht.
Derweil wurde in der kurdischen Autonomieregion im Norden des Iraks die Residenz des Präsidenten Nechirvan Barsani angegriffen. Barsani sagte dem kurdischen Medienportal „Rudaw“, der Angriff in der Stadt Duhok am Samstag stelle „eine gefährliche Eskalation für den gesamten Irak“ dar.
Zur selben Zeit wurden in der Region Kurdistan laut „Rudaw“ mehr als ein halbes Dutzend Drohnenangriffe registriert. Bislang hat sich niemand zu den Angriffen bekannt. Zuletzt hatten sowohl der Iran als auch proiranische Milizen im Irak Angriffe auf die Kurdenregion für sich reklamiert. Die USA machten „Stellvertreter der iranischen Terror-Milizen im Irak“ dafür verantwortlich. (dpa)
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