Rechter Überfall in Friedrichshain: Neonazi hackt auf Linke ein
Mitten in Friedrichshain sollen Nazis zwei linke Jugendliche mit einer Machete attackiert haben. Die Polizei ermittelt, Antifas planen eine Demo.
Es ist ein Angriff, der wohl auch tödlich hätte enden können. In der Nacht auf Mittwoch in der vergangenen Woche sollen mutmaßliche Neonazis zwei linke Jugendliche auf offener Straße in Friedrichshain mit einer Machete attackiert haben. Das machte am Freitag die sozialistische Gruppe Internationale Jugend öffentlich, die Organisation, der eine der Betroffenen angehört. Die Polizei bestätigte der taz, dass der Staatsschutz Ermittlungen aufgenommen hat.
Laut Polizei waren die 19-jährigen, eine junge Frau und ein junger Mann, gegen 1.30 Uhr vor der linken Punkkneipe „Supamolly“ zunächst von zwei Unbekannten beleidigt worden. Einer der Männer habe dann eine Machete gezogen und dem Mann gegen den Kopf geschlagen. Anschließend habe er die Schutzhülle der Machete entfernt und auf die junge Frau eingedroschen. Nach taz-Informationen konnte die Frau diesen Schlag mit ihren Armen abwehren, wobei sie sich allerdings eine Schnittverletzung zuzog, die bis auf den Knochen gereicht haben soll.
In der Folge wurden die Nazis wohl von Gästen aus dem Supamolly vertrieben, die durch zwei weitere Freund:innen der Geschädigten alarmiert worden waren. Laut Polizei sollen die beiden mutmaßlichen Nazis beim Flüchten „Sieg Heil“ und „Scheiß Antifaschisten“ gerufen haben. Die 19-jährige Frau musste anschließend ins Krankenhaus gebracht werden. Inzwischen soll sie dieses wieder verlassen haben.
Naziangriffe häufen sich
Über die genaueren Hintergründe des Angriffs – ob er sich etwa zufällig oder geplant ereignet hat – ist indes noch wenig bekannt. Eine Sprecherin der Internationalen Jugend, die unter dem Alias Leonie Mirkos auftritt, sagte der taz, man vermute, dass die Nazis aus einer rechtsoffenen Kneipe in der Umgebung gekommen seien. Gesichert ist das jedoch nicht. Aufgrund der trans*-Identität der verletzten Frau sei es auch möglich, dass der Angriff einen queerfeindlichen Hintergrund hatte.
Leonie Mirkos, Internationale Jugend
„Wir sehen ganz klar eine neue Qualität. Mit einer Machete auf den Kopf zu schlagen, muss als Mordversuch gedeutet werden“, sagte Mirkos. Die Gruppe beobachte in den letzten Jahren, wie sich die rechte Gewalt auch in vermeintlich linken Stadtteilen verschärfe. Im Juli 2024 hatte etwa ein Neonazi-Schlägertrupp eine Gruppe Antifas am Ostkreuz gezielt attackiert. Im Mai vergangenen Jahres war der Sprecher der Lichtenberger Linksjugend, Lasko Schleunung, von mutmaßlichen Nazis zusammengeschlagen worden.
Die Internationale Jugend sieht diese Entwicklung als Folge des gesellschaftlichen Rechtsrucks. Der Angriff habe sich nur Stunden später ereignet, nachdem Benjamin Jendro, der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, im Zuge der Stromanschlag-Razzien gegen linke Orte vom „Linksextremismus“ als „demokratiegefährdendes Krebsgeschwür“ gesprochen hatte, sagte Mirkos. Wenn die bürgerliche Politik so agiere, helfe nur antifaschistische Selbstorganisation.
Am kommenden Samstag ruft die Gruppe gemeinsam mit der Föderation Klassenkämpferischer Organisationen um 16 Uhr zu einer Solidaritätsdemonstration am Frankfurter Tor auf. „Wir überlassen unsere Viertel nicht den faschistischen Schlägertrupps“, heißt es im Aufruf.
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