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Tiger Woods' SuchtproblemGolflegende auf Abwegen

Tiger Woods hat schon wieder einen Unfall mit seinem Auto gebaut. Und schon wieder ist von gewissen Substanzen die Rede, unter deren Einfluss er stand.

Glücksmoment eines Abgestürzten: Tiger Woods nach seinem Sieg beim Masters 2019 Foto: dpa

I n der US-Golfwelt hatte gerade wieder eine Tigermania sich auszubreiten begonnen. Tiger Woods, der vergötterte Golfstar alter Tage, hatte sich neulich bei ein paar Indoor-Simulatorschlägen ablichten lassen und ein mögliches Versuchs-Comeback beim Masters in Augusta im April angedeutet. Solche Aussichten elektrisieren.

Nun ist Tiger Woods zusammen mit Vorzeitlegende Jack Nicklaus der beste Schlägerschwinger aller Zeiten. Woods konnte das Spielbesteck beherrschen wie kaum ein anderer. Er gewann 15 Major-Turniere, aber seine größte Leistung geschah nebenher. Tigers mysteriöse Aura machte andere schlechter: Turnierkonkurrenten brauchten über viele Jahre durchschnittlich über einen halben Schlag mehr pro Runde, sobald er mitspielte. Was eine riesige Menge ist.

Nur Autofahren kann dieses nationale Idol offenbar nicht so gut. Am Driver war er brillant, als Driver ist er eine Katastrophe.

Vergangene Woche, auf einer Landstraße in Florida, überholte er mit seinem fetten Land Rover-Monster massiv zu schnell, touchierte einen Lkw und landete auf der Seite. Alkoholtest negativ, keine Verletzungen. Er habe aber „lethargisch gewirkt“, so der Sheriff, seine Vermutung: „eine Substanz“. Woods verweigerte den Urintest. Das hieß: acht Stunden im Knast, hässliche Polizeifotos, die umgehend öffentlich wurden, dann Freilassung auf Kaution in unbekannter Höhe. Gegen Woods werde wegen Fahruntüchtigkeit am Steuer ermittelt.

Hollywoodreife Autofahrten

Es war seine vierte dokumentierte Auffälligkeit im Straßenverkehr. Alle waren ebenso tragisch wie hollywoodreif. 2009 fuhr er nahe seinem Haus gegen einen Hydranten und war kurz bewusstlos. Es hieß, er sei auf der Flucht gewesen, nachdem seine damalige Frau mit einem Eisen 3 auf die Scheiben eingedroschen habe. Der Grund: rasende Eifersucht. Woods gab bald danach diverse Affären zu, ließ erst sich wegen Sexsucht therapeutisch behandeln und dann viele Millionen bei seiner Scheidung.

2017 fand ihn eine Polizeistreife schlafend und offenkundig orientierungslos in seinem Wagen auf einem Seitenstreifen. Er musste testweise über eine Linie gehen, was mehr zum Torkeln geriet und als Video viral ging. Dazu der erste Mugshot, das obligatorische Polizeifoto, für das er verspottet und bemitleidet wurde. Die Blutprobe ergab einen toxischen Mix aus Schmerzmitteln.

Im Februar 2021 der bislang schlimmste Unfall. Dicker SUV, viel zu schnell über zwei Überholspuren, Kontrollverlust, Frontalcrash in einen Baum. Seine multiplen Knochenbrüche am Bein handicapen ihn bis heute. Zwei Jahre nach seinem besonders frenetisch gefeierten letzten Masters-Sieg war seine Karriere beendet. Woods hatte sich mehreren aufwendigen Operationen an Bein und Rücken unterziehen müssen, kann aber bis heute nicht geschmeidig gehen. Er versuchte ein Comeback und scheiterte vorzeitig humpelnd unter Schmerzen.

Jetzt wieder öffentliche Mugshots und neue Debatten. Warum kriegt dieser lebensgefährdende Raser sein Dasein jenseits der Grüns nicht in den Griff? Wie tablettensüchtig ist er? Vielleicht kann Woods seinen Drogenkonsum und die szeneüblichen Mittelchen auch nur schlechter verstecken als tausende andere SpitzensporterInnen-Junkies.

Kürzlich ist er 50 geworden, ein Alter, das man eher mit zunehmender Weisheit assoziiert statt jugendlichem Irrsinn im Autoverkehr. Und vor allem: mit 50 ist Woods teilnahmeberechtigt bei der in den USA immens prominenten Champions Tour der Senioren, bei der auch Bernhard Langer (nächstes Jahr 70) immer noch um Siege mitspielt. Vor einem altersjungen Woods hatten sie alle riesigen Respekt: Dass der ihnen nicht einen Titel nach dem anderen weggolft! Sieht jetzt gar nicht so aus.

Es sei denn, er würde immer mit dem Bus anreisen.

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Bernd Müllender
Sohn des Ruhrgebiets, Jahrgang 1956, erfolgreich abgebrochenes VWL- und Publizistikstudium, schreibe seit 1984 für die taz – über Fußball, Golf, Hambacher Wald, Verkehrspolitik, mein heimliches Lieblingsland Belgien und andere wichtige Dinge. Lebe und arbeite als leidenschaftlich autoloser Radfahrer in Aachen. Seit 2021 organisiere und begleite ich taz-LeserInnenreisen hierher in die Euregio Maas/Rhein, in die Nordeifel und nach Belgien inkl. Brüssel. Bücher zuletzt: "Die Zahl 38.185" - Ein Fahrradroman zur Verkehrswende (2021). "Ach, Aachen!" - Textsammlung aus einer manchmal seltsamen Stadt (2022).
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