CDU holt sich Verstärkung für Wahlkampf: Henry Maske soll Kai Wegner rausboxen
Um das Tennisgate zu beenden, steigt der Regierende Bürgermeister in den Ring. Olympiasieger Henry Maske soll für Durchschlagskraft sorgen.
Egerton Marcus war nicht zu beneiden. Das Finale der Olympischen Sommerspiele 1988 im Mittelgewicht verlor der Kanadier gegen Henry Maske, den schillernden Boxstar aus der DDR. Bis heute ist das olympische Gold das Ereignis in der Karriere des inzwischen 62-Jährigen. „Der Olympiasieg ist etwas unfassbar Bedeutsames. Der ist in der Brust und im Kopf.“
Etwas „unfassbar Bedeutendes“ könnte sich im Herbst für die Boxikone wiederholen. Nach Informationen der taz soll Henry Maske, der „Gentleman“ des Boxsports, wieder in den Ring steigen. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat vor, den gebürtigen Frankfurter, der von der Oder inzwischen an den Rhein gezogen ist, ins Rote Rathaus zu holen – als „Chief Campaigns Officer Olympics“.
Offenbar soll der Olympiasieger aber nicht nur die Berliner Olympiawerbung auf Kurs bringen, sondern auch – als eine Art Personal Trainer – Kai Wegner vor einem Knockout bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September bewahren. Im Landesverband der CDU wird das inzwischen bestätigt. „Henry ist Kais letzte Chance“, räumt Generalsekretärin Ottilie Klein der taz gegenüber freimütig ein. „Trotz seiner Entschuldigung ist Kai das Tennisgate nicht losgeworden. Nun muss er die Sportart wechseln und alle Aufmerksamkeit auf den Ring richten. Henry kann Kai aus der Kiste helfen.“
Ottilie Klein, CDU- Generalsekretätrin
Ein Boxkampf zwischen dem Regierenden und dem Champion, der nach dem Olympiasieg 1988 und seinem WM-Sieg bei den Amateuren auch Profi-Weltmeister wurde und diesen Titel mehrere Male verteidigte, ist zunächst nicht vorgesehen. Allerdings plante der Wahlkampfstab der CDU, zu dem Maske noch dazustoßen wird, im August ein neues Format: „Wer kann mich schlagen?“
Anschlussfähig in alle Richtungen
Zum so genannten „Politiboxen“ hatte Maske schon bei der Landtagswahl 2022 in Nordrhein-Westfalen eingeladen. Gekommen waren die Spitzenkandidaten von SPD, Grünen und FDP, Thomas Kutschaty, Mona Neubaur und Joachim Stamp. Der CDU-Frontmann Hendrik Wüst wurde von Fraktionschef Bodo Löttgen vertreten.
Für Maske und die hiesige CDU dürfte eine vergleichbare Show in Berlin für viel Aufmerksamkeit sorgen. Denn der weltläufige und zudem gut aussehende „Gentleman“ ist anschlussfähig in alle Richtungen. Bei der Documenta IX in Kassel war er 1993 zu einem Schaukampf in den Ring gestiegen.
„Danach gab es eine Talkshow mit Intellektuellen, die sagten alle, wie faszinierend, archaisch, inspirierend, wie phantastisch Boxen sei“, blickte Maske 2014 in der FAZ zurück. „Das war ein Riesenknall damals, und wir wurden plötzlich ganz anders wahrgenommen, auf einer anderen intellektuellen Ebene.“
Doch nicht nur einem intellektuellen Publikum dürfte Maske gefallen und damit der Berliner CDU Türen öffnen, die sie mit dem Abgang von Monika Grütters selbst zugeknallt hat. Als Rechtsausleger von jungen Jahren an dürfte er auch in den Außenbezirken die nötige Durchschlagskraft entwickeln. Von der AfD aber hat er sich schon früh distanziert. „Ist das wirklich die Welt, die wir uns wünschen?“, sagte er 2019 in einem Interview.
Viel Arbeit für den Olympiasieger
Auf Maske dürfte, wenn der Vertrag an diesem Mittwoch unterzeichnet wird, eine Menge Arbeit zukommen. Denn er soll Kai Wegner nicht nur im Wahlkampf rausboxen und ihn bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus aufs Siegerpodest führen.
Auch für die Olympiabewerbung der Stadt muss Maske wieder die Boxhandschuhe anziehen. Dem Vernehmen nach soll er dem Kuratorium vorstehen, das Kai Wegner und Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) im Dezember vorgestellt hatten. Bisher sind dort die Olympiasieger Malaika Mihambo und Ronald Rauhe sowie die Paralympics-Siegerin Elena Semechinür vertreten. Maske selbst lässt sich mit den Worten zitieren: „Mit dem Sport ist es wie mit der Politik: Beide brauchen mehr Begeisterung.“ Zuletzt hatte sich in einer Umfrage von Infratest zum ersten Mal eine Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner für Olympia ausgesprochen.
Wegners Ausflug vom Tenniscourt in die Boxarena hat im politischen Berlin Staub aufgewirbelt. Rauflustig gibt sich schon mal der grüne Spitzenkandidat Werner Graf. „Wenn Kai will, dann bin ich der letzte, der kneift. Lass’ dich gerne von mir verhauen.“ Auch SPD-Mann Steffen Krach ist nicht abgeneigt. Er sagt, die SPD sei schon immer gut darin gewesen, nach einer Niederlage wieder zurückzukommen. „Kai Wegner ist angeschlagen, und im Ring wird er k.o. gehen“, verspricht der SPD-Spitzenkandidat.
Linken-Frontfrau Elif Eralp, die Wegner als Hauptkonkurrentin im Wahlkampf ausgemacht hat, macht indes rhetorisch elegant die Biege. „Es ist nicht meine Aufgabe, mich mit einem Mann zu prügeln“, sagt sie der taz. „Ich will viel lieber Kai Wegner demaskieren.“
Erster Auftritt an Ostern
Ein erster öffentlicher Auftritt der CDU mit Henry Maske ist bereits am Sonntag geplant. Im Ringcenter an der Frankfurter Allee soll in Anwesenheit des Ex-Champions politisches Ostern gefeiert werden – als großes Wiederauferstehungsspektakel. Auch an den Bahnhöfen der Ringbahn hat CDU-Generalin Ottilie Klein bereits Termine gebucht. Die Veranstaltungen dort haben die Überschrift „Mit Maske im Ring“.
Der ultimative Abschluss der CDU-Wahlkampagne steigt dann einen Tag vor der Wahl in der Max-Schmeling-Halle. Für Henry Maske ist es auch eine Art Rückkehr zu seiner Zeit als Schauspieler. In der Filmbiografie von Uwe Boll hatte Maske 2010 Max Schmeling gespielt. Zwar bezeichnete das Portal Filmstarts die Besetzung der Hauptrolle mit Henry Maske als „einen Marketing-Gag, der den Film vollständig zerstört“ habe.
Ottilie Klein verweist allerdings darauf hin, dass sich die Rolle Maskes verändert habe. „Henry soll Kai ja nicht nachahmen. Er soll ihn aus dem Schlamassel boxen.“
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