40 Jahre Tschornobyl: Atomkraft? Immer wieder: Nein, danke
Konservative Politiker*innen lassen die Zombie-Debatte um Atomkraft in Deutschland immer wieder aufleben – eine schlechte Idee.
K rass: Im Jahr 2025 wurden in Deutschland fast 3.000 erlegte Wildschweine wegen überhöhter Strahlenbelastung vernichtet. Sie fressen sehr viele Waldpilze, die nach wie vor mit Cäsium-137 belastet sind. Das berichtete die Bild am Samstag unter Berufung auf das Bundesverwaltungsamt. Die Ursache: der Super-GAU von Tschornobyl (russisch Tschernobyl), der jetzt fast auf den Tag genau 40 Jahre her ist.
Am 26. April 1986 kam es im ukrainischen, damals sowjetischen Tschornobyl (russisch Tschernobyl) zum Super-GAU. Eine radioaktive Wolke verseuchte große Teile Europas. 40 Jahre später blickt die taz in einem Schwerpunkt zurück und nach vorn. Die taz verwendet bei ukrainischen Orten grundsätzlich die Schreibweise in Landessprache, nicht die russische – so auch bei Tschornobyl.
Am 26. April 1986 explodierte der Kernreaktor im Block 4 des Atomkraftwerks Tschornobyl auf ukrainischem Gebiet, damals in der Sowjetunion. Es ist der bisher schwerste Unfall in der Geschichte der zivilen Atomkraftnutzung. Die Folgen dauern an. Das zeigt sich vor Ort, eine Sperrzone mit einem Radius von 30 Kilometern um den havarierten Block bleibt für Jahrtausende unbewohnbar. Aber es laufen eben auch verstrahlte Wildschweine durch den Bayerischen Wald. Fast 2.000 Kilometer vom Ort des Super-GAU entfernt.
Das macht es absolut unverständlich, dass vor allem Unionspolitiker*innen zu jeder sich bietenden Gelegenheit den deutschen Atomausstieg infrage stellen. Zum Beispiel vor ein paar Tagen der Fraktionschef der Unionsfraktion im Bundestag, Jens Spahn. Er könne sich vorstellen, deutsche Atomkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen, sagte der CDU-Politiker am Rande eines sogenannten Innovationskongresses der Fraktion.
Dagegen spricht vieles: AKWs sind zwar emissionsarm (nicht emissionsfrei!), neue Anlagen sind aber extrem teuer und ihr Bau dauert lange. Nicht einmal die großen Energiekonzerne sprechen davon. Sie wollen auch nichts von der Wiederinbetriebnahme ihrer abgeschalteten AKWs wissen.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.
Natürlich, anderswo stecken Staaten Unsummen an Steuergeld in die Atomkraft, auch in neue AKWs. Die weltweite Atomstromproduktion erreichte 2024 sogar den bisher höchsten Stand, allerdings nur in absoluten Zahlen. Gleichzeitig sank der Anteil der Atomkraft am globalen Strommix auf 9 Prozent – weil die erneuerbaren Energien viel schneller wachsen.
Logisch: Windräder und Solaranlagen sind in den vergangenen Jahrzehnten immer billiger geworden. Sie produzieren keinen radioaktiven Müll, um den sich nachfolgende Generationen noch Hunderttausende Jahre sorgen müssten. Und von ihnen geht im Falle von Unfällen oder auch bei kriegerischen Angriffen keine weltweite Gefahr aus. Deshalb setzte sich die wieder erstarkende Klimabewegung in Deutschland auch vor allem für Wind- und Solarkraft ein – und nur in einer kleinen Minderheit für AKWs.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert